Einzigartiges Ökosystem in Bayern existiert nicht mehr

Lärchenwald mit 100 Jahre alten Bäumen abgeholzt - Kahlschlag beim Sudelfeld rechtens?

Sudelfeld - Das Landschaftsschutzgebiet rund um die Seeon-Alm existiert nicht mehr. Zehn Hektar des Lärchenwalds wurden von den beiden Waldbesitzern abgeholzt. Nun stellt sich die Frage, ob der Kahlschlag rechtens war.

In einem kleinen Hochtal über dem Sudelfeld war eine kleine ökologische Rarität zu bewundern. Dort stand ein einzigartiger Lärchenwald, mit einem über 100 Jahre alten Baumbestand, wie es in Bayern wohl keinen zweiten gab. Daher war der Wald auch als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und jeder Wanderer wurde durch eine entsprechende Beschilderung darauf aufmerksam gemacht, Rücksicht auf die Natur zu nehmen. 

Doch dieser Wald besteht nicht mehr. Denn die zwei Besitzer des Waldes haben entschieden, sämtliche Bäume zu fällen. Übrig geblieben ist eine durch schwere, landwirtschaftliche Maschinen zerfurchte Schlammlandschaft, die Wanderer vermutlich eher an Nasa-Fotos vom Mars erinnert, als an ein schützenwertes Ökosystem. 

AELF und Landratsamt Rosenheim äußern sich nun zum Vorfall

Wie in einer gemeinsamen Presseerklärungdes Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und des Landratsamtes Rosenheim zu entnehmen ist, haben die Waldbesitzer bereits 2016 mit einer moderaten Lichtung des Waldgebiets begonnen. 

Bei einer Besichtigung im Sommer 2017 wurden dann keine weiteren Veränderungen festgestellt. Im Herbst 2018 wurden großflächigere Fällungen durchgeführt. Diese werden von den beiden Ämtern als "problematisch" bewertet. Inzwischen ist vom romantischen Lärchenwald nichts mehr übrig.

Lärchenwald war formal sowohl Wald- als auch Weidefläche

Zu berücksichtigen sei, dass der gerodete Waldformal zu einem großen Teil als Weidefläche einzustufen gewesen sei. Nur gut ein Drittel der gerodeten zehn Hektar großen, bewaldeten Fläche galt als "wirklicher" Wald im Sinne des Bayerischen Waldgesetzes. 

Eben diese Fläche ist nun die kritische Größe, bei der es waldgesetzliches und naturschutzrechtliches Konfliktpotential geben kann. Doch sowohl im Landratsamt als auch im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist man sich sicher, dass "Teilflächen" des gerodeten Waldes wieder aufgeforstet werden müssen.

Doch unabhängig davon, wie man das Vorgehen der Waldbesitzer rechtlich bewerten mag, ist die Fällung des Lärchenwaldes über dem Sudelfeld sowohl für naturliebende Wanderer als auch für die Umwelt ein herber Verlust

Severin Bulin

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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