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Masern-Impfpflicht ab 2020: So wenige Kinder werden in der Region geimpft

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Südostbayern - Ab März 2020 soll die Masernimpfpflicht für alle Kinder und Personen in öffentlichen Einrichtungen eingeführt werden. Doch wie steht es eigentlich um die Impfquoten in der Region und was droht bei Verstößen?

Im März 2020 soll die Impfpflicht gegen Masern laut des Bundestagsbeschlusses vom 14. November in Kraft treten. Dann müssen alle Kinder, die Kindertagesstätten und Schulen besuchen, einen Impfnachweis erbringen. Auch Kinder, die eine Tagesmutter besuchen und Erwachsene, die in Schulen, Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind, müssen sich impfen lassen, ebenso wie alle Menschen, die in einem Asylbewerberheim untergebracht sind. 

Der Nachweis kann durch den Impfausweis oder das gelbe Kinderuntersuchungsheft erbracht werden. Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, müssen ein ärztliches Attest nachweisen. Kinder, die bereits in Schulen oder anderen Einrichtungen betreut werden, müssen den Nachweis bis zum 31. Juli erbringen. 

Südostbayern erreicht empfohlene Impfquote nicht

Auch in Südostbayern bereiten sich die Einrichtungen auf die bevorstehende Impfpflicht vor. rosenheim24.de hat sich bei den Gesundheitsämtern der Region schlau gemacht, wie viele Bewohner bislang freiwillig geimpft wurden und was sie ab dem kommenden März erwartet - mit ernüchterndem Ergebnis. Denn Allgemein kann gesagt werden: Die Südostbayern impfen im Schnitt weit weniger als der Rest des Freistaates.

Zweimal muss man sich für eine Immunität gegen Masern vom Arzt immunisieren lassen. Die erste Impfung genügt nämlich nicht zwangsläufig, weshalb nur eine zweite Impfung den vollständigen Impfschutz verspricht. 

Impfquote im Landkreis Rosenheim

Im Landkreis Rosenheim sind nur 91,2 Prozent aller Einschulkinder im Schuljahr 2017/18 teilweise geimpft worden, sogar nur 83,3 Prozent vollständig. Der bayerische Durchschnitt liegt für die Teilimpfung aber bei 96,7 Prozent, für die vollständige bei 92,3 Prozent. Damit liegt Rosenheim weit unter dem Schnitt, besonders wenn man bedenkt, dass die Weltgesundheitsorganisation eine Impfquote von 95 Prozent für die vollständige Impfung empfiehlt. 

Nur so kann eine Herdenimmunität gewährleistet werden, die dann auch Menschen schützt, die wegen beispielsweise schwerer Krankheit selbst nicht immunisiert werden können. 

Jahre mit hohen Erkrankungszahlen wechseln sich bei Masern mit solchen ab, bei denen nur wenige Menschen erkranken. So wurde im Landkreis Rosenheim im Jahr 2018 nur eine aktive Erkrankung gemeldet, im Jahr 2015 waren es 20. 

Impfquote im Landkreis Traunstein

Ähnlich sieht es in Traunstein aus. Im Schuljahr 2016/17 waren hier 93,3 Prozent aller Kinder teilweise, 85,1 Prozent vollständig geimpft. Im Jahr 2018 wurde im Landkreis ein akuter Masernfall gemeldet. Die Ansteckung erfolgte im Urlaub. 

Impfquote im Landkreis Altötting

Im Landkreis Altötting sind es sogar nur 77,69 Prozent aller Einschulkinder, die bei der Erhebung im Jahr 2016/17 eine vollständige Impfung nachweisen konnten. 82,38 Prozent aller getesteten Kinder hatten zumindest die erste Impfung erhalten. 

Impfquote im Landkreis Mühldorf

Auch im Landkreis Mühldorf sehen die Zahlen ähnlich aus: Im Schuljahr 2016/17 waren 83,5 Prozent aller Einschulkinder vollständig, 92,7 Prozent teilweise geimpft. Auch hier wird der empfohlene Schnitt also nicht erreicht. 

Es wird allerdings eine deutliche Steigerung aller Schüler der sechsten Klasse vom Schuljahr 2016/17 auf das Jahr 2017/18 deutlich. Um knapp fünf Prozent sind sowohl die Teilimpfung, als auch die vollständige Impfung hier gestiegen.

Impfquote im Berchtesgadener Land

Im Berchtesgadener Land sieht es ähnlich aus. Im Schuljahr 2017/18 waren 95,8 Prozent aller Einschulkinder teilweise geimpft, 90,5% Prozent vollständig.

Landkreisübergreifend lässt sich also sagen, dass die Region unter dem bayerischen Impfdurchschnitt liegt. Dennoch, im Vergleich mit vergangenen Jahren, ist die Tendenz steigend, es lassen sich jedes Jahr mehr Menschen gegen Masern impfen.

Kontrollpflicht liegt bei Einrichtungen

Doch wie wird die Impfpflicht überhaupt kontrolliert, und was droht bei Verstößen. Das Landratsamt Rosenheim teilt mit, dass jeweils die Leitung der betroffenen Einrichtungen, zum Beispiel Arztpraxen und Kindergärten, das Gesundheitsamt informieren muss, wenn ein Impfpflichtiger den nötigen Nachweis nicht erbracht hat, oder deutlich wird, dass der Impfnachweis erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann. 

Ob es stichprobenartige Prüfungen der Einrichtungen gibt, bleibe derzeit abzuwarten, das hänge davon ab, "wie der Gesetzesvollzug durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege einheitlich für Bayern geregelt wird."

Versäumnisse werden in letzter Instanz mit einem Bußgeldverfahren geahndet, so das Landratsamt Mühldorf.

Impfpflicht als letztes Mittel

Dr. med. Wolfgang Hierl, vom Landratsamt Rosenheim, sieht die Einführung der Impfpflicht als "Ultima Ratio", also als letzten Lösungsweg. Generell findet er, die Aufklärung der Eltern sei der wünschenswerte Weg zum Ziel. Durch gründliche Beratung durch Ärzte und Medien die Bevölkerung über Risiken der Masernerkrankung zu informieren, das sei extrem wichtig, denn Masern seien keine harmlose Krankheit. 

Es sei jedoch deutlich geworden, dass allein die Aufklärung nicht ausreiche, um die nötige Impfquote von 95 Prozent zu erreichen. Die Impfpflicht sei also der letzte Weg, Kinder und Menschen in öffentlichen Einrichtungen, die selbst nicht geimpft werden können, vor der Erkrankung zu schützen. 

Das Landratsamt Berchtesgaden kommentiere allgemein beschlossene Gesetze nicht, heißt es auf Nachfrage von BGLand24.de. Aber es sei sicher auch hilfreich, eine gute Vertrauensbasis zwischen Patienten und Ärzten zu fördern, um eine Impfentscheidung zu erleichtern. Diese sei effektiver, als reine Statistiken und führe öfter zum Erfolg. 

Das Landratsamt Mühldorf hofft ebenfalls, dass die Mehrzahl der Betroffenen bald die Masernimpfung nachholt. Der Öffentliche Gesundheitsdienst solle außerdem wieder verstärkt freiwillige Reihenimpfungen in Schulen durchführen. "Daher werden die Krankenkassen verpflichtet, mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst Vereinbarungen über die Erstattung der Kosten für diese Impfungen zu treffen", hieß es von Seiten des Landratsamtes.

jv

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