Weihnachtsmarkt-Absagen trifft Branche hart

„Wir Schausteller sehen momentan gar kein Licht am Ende des Tunnels“

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Schaustellerbundes (Archivbild) mahnt, die Absage der Weihnachtsmärkte bringe viele Schaustellerfamilien ans Limit.
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Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Schaustellerbundes (Archivbild) mahnt, die Absage der Weihnachtsmärkte bringe viele Schaustellerfamilien ans Limit.

Bayern/Nürnberg - Die Absage von Weihnachtsmärkten wegen der Corona-Pandemie treffe Schausteller hart, mahnt der Vorsitzende des Deutschen Schaustellerbundes.

Der weltberühmte Christkindlesmarkt in Nürnberg und viele andere Weihnachtsmärkte abgesagt, beispielsweise in der Region auch in Salzburg oder Rosenheim. Auf die Schausteller geht das von der Corona-Krise überschattete Jahr mit einer weiteren Hiobsbotschaft zu Ende. „Wir sind erschüttert“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbunds, Lorenz Kalb, in Nürnberg gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Weihnachtsmärkte seien eine wichtige Einnahmequelle für die Schaustellerfamilien - vor allem in diesem Jahr.

Weihnachtsmarkt-Absagen wegen Coronavirus treffen Schausteller in Bayern hart

„Unsere Existenz ist schon seit der Absage sämtlicher Volksfeste dieser Saison bedroht und die Absage der Weihnachtsmärkte kommt einer Naturkatastrophe gleich“, sagte auch Stephan Haimerl aus dem niederbayerischen Straubing. Normalerweise reist er ab Mai mit zwei Süßigkeitenständen und einem Imbiss von einem Volksfest zum nächsten. Doch die Hauptsaison fiel für ihn komplett ins Wasser. So hatten er und viele seiner Kolleginnen und Kollegen zumindest auf die Adventszeit gehofft.

Deshalb hatte sich der Süddeutsche Schaustellerverband, dessen Vorsitzender Kalb ist, im Sommer ein Konzept überlegt, wie Volksfeste trotz der Corona-Pandemie dennoch machbar sind. Der Beweis sei der Erfolg der Nürnberger Sommertage im August gewesen, die ein ausgeklügeltes Hygiene-Konzept gehabt hätten, sagte Kalb. Das Konzept hätten später auch andere Veranstalter in Deutschland übernommen. „Überall ist es gelobt worden. Nirgendwo gab es eine nachgewiesene Infektion“, sagte Kalb.

Betriebe wissen nicht, wie es weitergeht

Allerdings: Experten zufolge lässt sich derzeit für den überwiegenden Teil der Infektionen gar nicht nachvollziehen, wo sie passiert sind, und es ist kaum zu beurteilen, ob Hygienekonzepte tatsächlich Ansteckungen auf Weihnachtsmärkten verhindern können. Nichtsdestotrotz ist die Enttäuschung bei den Schaustellerfamilien groß. „Wir wollten damit mit Blick auf die Weihnachtsmärkte beweisen, dass es geht“, sagte Kalb. Doch die allermeisten Weihnachtsmärkte seien bereits abgesagt.

Jetzt stehen die Betriebe wieder da, wie vor Monaten: Sie wissen nicht, wie es weiter geht. „Wir Schausteller sehen momentan gar kein Licht am Ende des Tunnels, da Veranstaltungen für das nächste Jahr im Frühjahr zum Teil schon abgesagt werden“, sagte Haimerl. Die Durststrecke in den vergangenen Monaten hatte er versucht, mit einem Lieferservice für gebrannte Mandeln, Popcorn und Magenbrot zu überbrücken. Doch das habe nur am Anfang der Corona-Welle funktioniert, sagte Haimerl. „Unsere volksfesttypischen Artikel gehen und gehören halt nur auf ein Volksfest.“

Einnahmen fehlen seit Ende 2019 - Unterstützung gefordert

Vielen der ein paar Tausend Schaustellerbetriebe fehlen nach Angaben von Kalb seit Ende vergangenen Jahres die Einnahmen, weil für sie die Saison mit den Weihnachtsmärkten endet, bei manchen sogar früher. „Wir fordern dringend Unterstützung“, sagte er. «Wir sind die, die am längsten von der Krise betroffen sind.» Wie viele Betriebe von der Existenz bedroht sind, kann er nicht sagen. Er sehe aber die Gefahr, dass das jahrhundertealte Gewerbe der Schausteller untergehe. «Das ist ein dringender Hilferuf», betonte er.

Die kleinen, dezentralen Veranstaltungen in einigen Städten seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, beschrieb Haimerl seine Situation. Die Nothilfen würden nur 80 Prozent der Fixkosten für drei Monate abdecken. Der Lebensunterhalt seiner Familie sei dabei gar nicht eingerechnet.

dpa

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