Mehr Ärzte braucht das Land

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Südostoberbayern - "Sechs bis zehn Ärzten für einen Bereich von 10.000 Einwohnern sind optimal": Die regionale Gesundheitskonferenz will Vorschläge zu besserer Versorgung erarbeiten.

Die wohnortnahe ärztliche Versorgung soll in der Region Südostoberbayern nachhaltig gesichert und – wo erforderlich – verbessert werden. Um diese im wahrsten Sinn des Wortes lebenswichtige Aufgabe zu unterstützen, hat die Bayerische Staatsregierung vor kurzem das Gebiet der „Region 18“ mit den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie der kreisfreien Stadt Rosenheim als Modellregion ausgewählt und Fördermittel für ein Jahr in Aussicht gestellt. Das teilte Landrat Hermann Steinmaßl am Dienstag den Mitgliedern des Planungsausschusses mit.

Bereits am 12. Dezember wird eine regionale Gesundheitskonferenz mit Vertretern aus Politik, Gesundheitswesen, Sozialversicherungsträgern und weiteren Fachorganisationen ins Leben gerufen. Themenschwerpunkte werden zunächst die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung, Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sowie die Förderung und Kooperation von Gesundheitsberufen sein. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbands Südostoberbayern wurde Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl jahrelang nicht müde, die zuständigen Stellen vor allem in München immer wieder nachdrücklich auf drohende Probleme bei der Ärzteversorgung im ländlichen Raum aufmerksam zu machen. „Wir haben eine sehr gute stationäre Versorgung, und noch ist in allen Landkreisen unserer Region auch die Versorgung mit Hausärzten gut. Es gibt aber schon Gemeinden, die im Gegensatz zu früher keinen Hausarzt mehr haben“, erläuterte er den Mitgliedern des Planungsausschusses die aktuelle Lage. Die Tatsache, dass fast ein Drittel der Hausärzte über 60 Jahre alt sei und gleichzeitig nur 38 Prozent der Medizinstudenten sich vorstellen könnten, Hausarzt mit eigener Praxis zu werden, dränge zur Erarbeitung tragfähiger Konzepte. „Eine ausreichende ärztliche Versorgung ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen, damit der ländliche Raum gegenüber großen Städten und Ballungszentren gleichwertige Lebensbedingungen bietet“, so Steinmaßl.

Die ärztliche Versorgung in allen Teilen des Bundesgebiets unterliegt der 1993 eingeführten Bedarfsplanung. An ihr sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen beteiligt. Sie regelt, wo sich Vertragsärzte niederlassen können und wo nicht. Einst wurde dieses Verfahren eingeführt, um einer „Ärzteschwemme“ vorzubeugen. Heute droht in der ambulanten Versorgung jedoch ein massiver Ärztemangel. Für die hausärztliche Versorgung sieht die erst in diesem Jahr reformierte Bedarfsplanung sogenannte Mittelbereiche vor. Dabei handelt es sich in der Regel um mehrere Gemeinden innerhalb eines Landkreises, denen eine gewisse Anzahl von Ärzten zur Verfügung stehen. Das gilt auch für die Region 18. Allerdings besteht die Möglichkeit, diese Mittelbereiche unter bestimmten Voraussetzungen weiter zu teilen, um die Versorgung zu optimieren. In der Region Südostbayern wären das die Mittelbereiche Rosenheim und Traunstein. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so Landrat Hermann Steinmaßl. Ein vordringliches Anliegen müsse sein, die Bereiche weiter zu verkleinern, um Ärzte „erreichbarer“ zu machen.

In der Diskussion bezeichnete es Amerangs Bürgermeister Augustin Voit als „Riesenchance, dass wir Modellregion sind“. Eine Strukturänderung für den ländlichen Raum sei dringend notwendig. Darüber hinaus könne jede Gemeinde selbst Anreize für junge Ärzte schaffen. Sein Wasserburger Kollege Michael Kölbl wies darauf hin, dass sich die Bürgerinnen und Bürger auch 40 Jahre nach der Gebietsreform immer noch an den Altlandkreisen orientierten. Diese traditionellen Verknüpfungen und Beziehungen sollte man auch bei der Einteilung ärztlicher Versorgungseinheiten nicht unterbewerten. Dr. Karl Dürner, selbst Arzt und Bürgermeister der Gemeinde Schwindegg im Landkreis Mühldorf, bezeichnete die Zahl von sechs bis zehn Ärzten für einen Bereich von 10.000 Einwohnern als optimal. Dabei plädierte er für den Aufbau von „Hausarztzentren“.

Insgesamt wurde von den Mitgliedern des Ausschusses die Einführung der regionalen Gesundheitskonferenz als dringend notwendig erachtet, so dass der entsprechende Beschluss einstimmig gefasst wurde. Im Dezember 2014 soll der Prozess beendet sein und ein Ergebnis vorliegen. Weitere Modellregionen sind übrigens die Landkreise Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen.

Pressemeldung Landratsamt Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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