Kirche tut sich mit Homosexualität schwer

+
Pfarrerin Christine Untch (Mitte) überreicht gemeinsam mit Pfarrer Helmut Gottschling die Unterschriften an Synodalpräsidentin Dr. Dorothea Deneke-Stoll.

Rosenheim - Das Kirchenparlament der evangelischen Landeskirche kommt bei den Verhandlungen im KuKo über das Pfarrdienstrecht für homosexuelle Geistliche kaum voran:

Das "Kirchenparlament" der evangelischen Landeskirche tagt noch bis Donnerstag im KuKo. Ein kontroverses Thema steht auf der Tagesordnung: Dürfen homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren Partnern in Pfarrhäusern offen leben? Bundesweit geht das bereits - in Einzelfällen auch in Bayern. Die Frage ist nun, in welcher Form das deutschlandweite Pfarrdienstrecht in Bayern übernommen wird. 

Unterschriften-Übergabe am Montag

Wie von rosenheim24 zuvor berichtet, haben die beiden Sprecher des Lesbisch-Schwulen Kovents (LSK) am Montag eine Unterschriftenliste an die Synodenpräsidenten Dr. Dorothea Deneke-Stoll übergeben. Insgesamt 4.314 Unterschriften wurden vom Konvent gesammelt.

Einheit der Kirche bewahren

Die Landeskirche hat zum Streitthema des Wohnrechts einen eigenen Ausschuss eingerichtet. In diesem sind die verschiedenen Interessengruppen vertreten. Oberkirchenrat Detlev Bierbaum stellte die bisherigen Ergebnisse des Ausschuss am Dienstagnachmittag den 108 Synodalen vor.

Lesen Sie auch:

Kirchliche Homo-Trauungen in Dänemark erlaubt

Festzustellen ist dabei: Die Landeskirche steckt beim Thema homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer fest. Nach bisher fünf Sitzungen kann der Ausschuss kaum konkrete Ergebnisse vorweisen. Oder wie es Bierbaum in seinem Zwischenbericht ausführt: "Das Bemühen um die Einheit und um die Bewahrung des Friedens in unserer Kirche waren deutlich spürbar, allerdings ohne dass die kontroverse Diskussion gescheut wurde. Es wurde deutlich Position bezogen – doch wir konnten die Spannungen aushalten."

Konsens nicht in Sicht 

Ein einvernehmlicher Konsens scheint derzeit kaum in Sicht. Insbesondere die konservative Gruppierung des Arbeitskreis Bekennender Christen kann aus worttreuer Bibelinterpretation kaum eine Akzeptanz für offen homosexuelle Lebenweisen von Geistlichen gewinnen.

Bislang ist ebenfalls fraglich, inwiefern es bei der Stellenbesetzung auch einen "Gewissensschutz" geben soll. Demnach könnten Mitglieder eines  Kirchenvorstands schwule Pfarrer oder lesbische Pfarrerinnen aufgrund ihrer gelebten Sexualität ablehnen.

Bis zum Januar will der Ausschuss einen Entwurf für ein bayerisches Ausführungsgesetz zum Pfarrdienstrecht vorlegen. Auf der kommenden Synode im Frühjahr 2012 soll dann über den Entwurf abgestimmt werden.  

Glaubensfundament wird erschüttert

Im Lesbisch-Schwulen Konvent sind 40 Pfarrerinnen und Pfarrer organisiert. Davon streben rund 15 Geistliche ein Zusammenwohnen im Pfarrhaus mit ihren Partner an, so LSK-Sprecherin Christine Untch.

Sie wirbt um Ausgleich und gegenseitiges Verständnis: "Ich würde mir wünschen, dass wir lernen die Perspektive zu wechseln und zu verstehen, was es für einen schwulen Pfarrer oder für eine lesbische Pfarrerin bedeutet, wenn er oder sie gezwungen wird, nicht offiziell mit seinem Partner oder ihrer Partnerin zusammen leben zu dürfen. Oder auch, was es für einen bibeltreuen Christen bedeutet, wenn ein gleichgeschlechtliches Paar im Pfarrhaus lebt und dadurch sein Glaubensfundament erschüttert wird."

mg

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser