Tafeln in der Region appellieren und suchen Unterstützung 

Corona: "Wegen Hamsterkäufen bleibt für uns Tafeln kaum was übrig"

Noch hat sie geöffnet, die Tafel in Bad Aibling. Wie lange und in welchem Umfang die ehrenamtlichen Einrichtungen allerdings noch Bedürftige versorgen können, ist aufgrund der Entwicklung der Corona-Krise ungewiss. 
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Noch hat sie geöffnet, die Tafel in Bad Aibling. Wie lange und in welchem Umfang die ehrenamtlichen Einrichtungen allerdings noch Bedürftige versorgen können, ist aufgrund der Entwicklung der Corona-Krise ungewiss. 

Landkreise - Die Verbreitung von COVID-19 trifft diejenigen, die ohnehin auf Unterstützung angewiesen sind, am härtesten: Die Tafeln in der Region - sofern sie noch geöffnet haben - bitten um Hilfe aus allen Ecken. 

Claudia Haider von der Traunsteiner Tafel kann die Lage nicht einschätzen: "Wir müssen von Tag zu Tag schauen, wie die Entwicklung voranschreitet und dann entscheiden." Vorübergehend habe man die Ausgabe in der Bahnhofstraße geschlossen und sich entschlossen, ab Freitag, 20. März, in der Theresienstraße am Möbellager der Diakonie Waren auszugeben - quasi als Versuch: "Für uns war eine sofortige Schließung keine Option - es kann uns aber auch passieren, dass gar keiner mehr kommt aus Angst rauszugehen."


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"Wegen Hamsterkäufen bleibt für uns Tafeln kaum was übrig", unterstreicht sie den Ernst der Lage und appelliert eindringlich an die Bürger: "Einige Supermärkte reagieren auf die Situation und stellen vor den Läden Einkaufswagen oder Container auf für freiwillige Spenden - darunter Edeka Pfeilstetter und Rewe Waging. Vielleicht überdenken diejenigen, die hamstern, ihren Einkauf, wenn sie daran vorbeilaufen mit ihren vollen Taschen mit Lebensmitteln und Drogerieartikel. Man muss auch an die Bedürftigen denken. Mir erschließt sich der Sinn des Hamsterns eh nicht."

Haider betont aber auch, es gebe "nicht nur rücksichtslose Egoisten", sondern auch positive Überraschungen in Form von Privatleuten, die durchaus von sich aus spenden. Ein Hotel in Ruhpolding beispielsweise müsse aufgrund von Corona nun seine Pforten schließen und habe frische Lebensmittel an die Tafel in Traunstein übergeben. 


Bad Aibling: So wenig Kundenkontakt wie möglich 

Zu den gewohnten Öffnungszeiten bietet die Aiblinger Tafel nach wie vor für Bedürftige Lebensmittel und das Nötigste um über die Runden zu kommen. Allerdings weiß Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel nicht wie lange er noch öffnen kann und wie es weitergeht, denn auch er konstatiert: "Wir verzeichnen durchaus einen Rückgang an Waren, weil in den Supermärkten durch Hamsterkäufe und leere Regale wenig für uns überbleibt." 

So wenig Kundenkontakt wie möglich laute die Devise in der Kurstadt. Den Mitarbeitern in der Tafel sei es selbst überlassen, ob sie weiter arbeiten wollen oder ob sie aus Angst vor Ansteckung lieber Abstand halten, so Dr. Stöckel weiter. 

Freilassing: "Neue Lösungen suchen"

Bereits geschlossen sind die Tafeln im Berchtesgadener Land: Freilassing, Piding, Laufen, Teisendorf und Bad Reichenhall haben ihren Betrieb vorübergehend eingestellt - aus Rücksichtnahme auf ältere Mitarbeiter und ältere Bedürftige. Erika Kloss leitet die Tafel in Freilassing. Zu schließen, das sei ihr nicht leicht gefallen: "Wir haben gesagt, alle oder keiner. Wie lange wir geschlossen haben, wissen wir selbst noch nicht. Da die Lebensmittel immer weniger wurden, hatten wir ja kaum eine Wahl. Jetzt müssen wir neue Lösungen suchen, denn die Bedürftigkeit bleibt ja vorhanden."

Auf bereits gepackte Tüten umstellen wollte Kloss nicht - man könne schließlich nicht wissen, ob die Bedürftigen nicht mit Unverträglichkeiten zu kämpfen haben. Plan B sei es nun, verstärkt in Kontakt mit den Supermärkten zu treten: "Edeka Goggitsch in Piding beispielsweise ruft Leute mit einem Tafelausweis dazu mit, sich persönlich zu melden. Es gibt außerdem viele Anfragen von jungen Leuten, die ihre Unterstützung anbieten. Die Hilfsbereitschaft ist vorhanden, ich hoffe sehr, dass sie anhält und sich weiter freiwillige Helfer anbieten. Ich bin für jede Idee offen."  

Burghausen: Menschen zu helfen als Auftrag der Tafeln  

In eine vage Zukunft blickt Alfred Danninger, Vorstand der Burghauser Tafel, die nun bis 19. April geschlossen bleibt: "Wir sehen die Schließung als gerechtfertigt an, um unsere vorwiegend älteren Mitarbeiter zu schützen. Außerdem ist ein deutlicher Rückgang an Lebensmittel zu erkennen." 

Aufgeben kommt für Danninger nicht in Frage - im Gegenteil: Zusammen mit den Maltesern wolle man weiter Bedürftigen unter die Arme greifen. Darüber hinaus erläutert er: "Unser Auftrag als bürgerliche Organisation ist es, Menschen zu helfen. Wir wollen auch Corona-Risiko-Gruppen, die sich vielleicht nicht mehr aus dem Haus trauen oder Bürgern, die sich bereits in Quarantäne befinden, helfen, indem wir diese versorgen. Dafür suchen wir Unterstützung - gerade von jungen Leuten." 

Danninger richtet zudem einen allgemeinen Appell an die Menschen: "Es ist der Job eines jeden Einzelnen, sich jetzt etwas einzuschränken, auf soziale Kontakte zu verzichten, Hygiene zu beachten. Ich würde aktuell noch nicht von einer gesundheitlichen Krise sprechen. Für die Wirtschaft sind die Auswirkungen von Corona katastrophal - aber gesundheitlich können wir durchaus noch etwas bewirken."

Mühldorf: "Zusammenhalt der Bürger spürbar" 

Für die Mitarbeiter in der Tafel in Mühldorf sei die verschärfte Situation durch Corona "genauso herausfordernd wie an anderen Stellen", erklärt Tafelleiter Detlef Künzel. Für ihn gilt auf der einen Seite die Helfer der Tafel zu schützen, gerade ältere, die zur Risikogruppe Corona zählen würden. Auf der anderen Seite sei er in Kontakt mit der Bürgermeisterin, um junge Helfer zu mobilisieren. "Wir möchten nicht von heute auf morgen schließen und sind vorsichtig optimistisch, dass es weitergehen kann." Der Plan sei nun - anders als bei der Tafel Freilassing - bereits gepackte Tüten durch das Fenster zu reichen und so direkten Kontakt zu vermeiden

Auch die Mühldorfer Tafel kämpft um neue und frische Waren, da Geschäfte leer gekauft werden. "Wir hoffen weiter auf Spenden von Privatpersonen und bleiben zuversichtlich", zeigt sich Künzel kämpferisch. Ein großer Dank gelte allen, die bereits helfen und unterstützen, denn "nur zusammen können wir diese Krise bewältigen und ein Zusammenhalt der Bürger ist spürbar." 

mb

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