"Wir lassen uns das so nicht bieten"

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Haag - Mit Streiks und Kundgebungen untermauert die Gewerkschaft NGG ihren Standpunkt in den Tarifverhandlungen. **NEU: Video** **Mit Fotos**

Gar kein Angebot war einfach zu wenig: Schon nach der ersten Runde der Tarifverhandlungen in der Milchwirtschaft hat die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) zu Streiks aufgerufen. In Haag beschränkte sich die NGG in Absprache mit dem Betriebsrat des dort ansässigen Milchwerks Jäger auf eine Kundgebung.

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Dutzenden beschäftigten, die vor oder nach ihrer Schicht vor den Werkstoren am Infostand der NGG vorbeikamen, erläuterte Johannes Specht von der NGG Rosenheim-Oberbayern den Stand der Tarifverhandlungen. Mit einer ganzen Reihe von Forderungen ist die Arbeitnehmerseite am 23. September in die Gespräche eingetreten. Neben einer unbefristeten Übernahme aller Ausgebildeten und einer Überprüfung des Tarifvertrags zur Altersteilzeit fordert die NGG eine Erhöhung der Entgelte um sechs Prozent.

"Unternehmen wollen die letzte Hand drauf haben"

Der Gewerkschaft stößt sauer auf, dass die Arbeitgeberseite, der Arbeitgeberverband der Bayrischen Ernährungswirtschaft, hinsichtlich der Entgelteerhöhung keine Aussage gemacht hat. "So geht das nicht", verkündete Johannes Specht in Haag. Für den Gewerkschafter ist die Haltung der Gegenseite "frech", zumal die NGG in der Milchwirtschaft stark sei. So kam es während der letzten Tarifverhandlungen so gut wie immer zu Streiks. "Wir lassen uns das so nicht bieten", kündigte Specht an. Die erste Eskalationsstufe hat die NGG nun bereits erreicht. In Würzburg, Cham und in Biesenhofen im Allgäu haben bereits erste Warnstreiks stattgefunden. Ausstände an weiteren Standorten in ganz Bayern sollen folgen.

Die Tarifverhandlungen gestalten sich auch deswegen so schwierig, weil die Unternehmen in der Milchwirtschaft die Entscheidungsfreiheit behalten wollen, ist zumindest Johannes Specht überzeugt. So sei den Unternehmen klar, dass es zu einer Erhöhung der Entgelte kommt. Allerdings wollen die einzelnen Unternehmen "die letzte Hand drauf haben", so Specht. Der Gewerkschafter hätte sich zumindest irgendein Angebot von der Arbeitgeberseite gewünscht, auch wenn es noch so niedrig ausgefallen wäre. So jedoch habe man gar nicht gewusst, was man den Beschäftigten bis zum zweiten Verhandlungsrunde am Montag, 10. Oktober, sagen sollte.

Kommen bald längere, unangekündigte Streiks?

Auch bei der Übernahme der Ausgebildeten und den Regelungen zur Altersteilzeit seien die Unternehmen nach Ansicht Spechts grundsätzlich einer Meinung mit der Gewerkschaft, möchten aber auch dort die Entscheidungsfreiheit behalten. Gegenwärtig werden die Ausgebildeten garantiert für 12 Monate übernommen, zudem ist diese Regelung an den Entgeltetarifvertrag gekoppelt, muss also jährlich neu verhandelt werden. NGG schwebt eine unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten vor, und zwar garantiert für die nächsten fünf oder zehn Jahre. Der Tarifvertrag zur Altersteilzeit gilt eigentlich seit zwei Jahren, ist allerdings bislang freiwillig. Die NGG möchte erreichen, dass die Regelung für alle Unternehmen bindend ist. Schlussendlich geht es in den diesjährigen Tarifverhandlungen in der Milchwirtschaft also durchweg um die Frage, wie viel unternehmerische Entscheidungsfreiheit die Arbeitgeberseite abzugeben bereit ist.

Kundgebung der Gewerkschaft NGG in Haag

Falls die nächsten Gesprächsrunden für die NGG ähnlich unbefriedigend verlaufen, könnten die Streiks deutlich ausgeweitet werden. Die bisherigen Ausstände mit einer Dauer von maximal zwei, in einem einzigen Fall vier Stunden nannte Specht "relativ harmlosen Streiks". Im Falle einer weiteren Eskalation seien sechs- bis achtstündige Streik denkbar, die dann auch nicht mehr unbedingt angekündigt würden.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © bla

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