Tödliches Geiseldrama in Tegernsee

„Ich dachte, die drehen einen Tatort“: Nachbarn sprechen über Bluttat - war die Tat eine Frage der Zeit?

Polizei in Tegernsee - Mann ersticht Frau und wird von Polizei erschossen
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Polizeibeamte sind in Tegernsee im Einsatz. Ein Mann hat im oberbayerischen Tegernsee seine Partnerin als Geisel genommen und sie getötet. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Dienstagabend wollten Beamte bei einem Notzugriff die Frau retten - dabei ist der Mann durch „polizeilichen Schusswaffengebrauch“ getötet worden.

Tegernsee - Geiseldrama auf Höhe des Leebergs: Ein Mann hatte seine Lebenspartnerin in der gemeinsamen Wohnung als Geisel genommen und sie im Laufe des Dienstagabends (10. November) getötet. Die Polizei erschoss den Täter.

Update, 21.41 Uhr - „Ich dachte, die drehen einen Tatort“: Nachbarn sprechen über Bluttat - war die Tat eine Frage der Zeit?

„Die Situation war total surreal. Ich dachte, die drehen einen Tatort“, schildert ein Nachbar am Tag danach die Vorgänge vom Dienstagabend gegenüber unserem Partnerportal merkur.de. Er sah, wie der Italiener auf den Nachbar-Balkon kletterte, wo das Drama seinen Lauf nahm. Er hörte den Knallkörper, den der Mann vor dem Eindringen der Polizei in der Wohnung zündete. „Erschießt mich doch!“, soll der Mann immer wieder gerufen haben. Wenig später hörte der Nachbar die zwei Schüsse.

Laut Beobachtungen weiterer Nachbarn, soll der Italiener schon im Sommer wütend auf seinem Balkon ausgeflippt sein. Offenbar hatte es schon länger gekriselt zwischen dem Paar. Die Rumänin hatte schon vor Wochen die Polizei um Hilfe gebeten. „Es liefen Ermittlungen“, bestätigt Polizei-Sprecher Martin Emig, sagt jedoch, dass der Italiener noch keine Vorstrafen gehabt habe. Es heißt im Umfeld, er habe sogar Hausverbot in der Wohnung bekommen.

Es heißt auch, dass die junge Frau in diesen Tagen in einem Frauenhaus hätte unterkommen sollen. Ihre Familie wusste offenbar von einem Zerwürfnis. Auf Facebook hatte ihr Bruder noch gepostet, dass sie nach Rumänien zurückkommen solle. Man würde ihr dort Hilfe anbieten.

Besonders tragisch: Das Paar hatte gemeinsam einen 18 Monate alten Sohn. Aus einer früheren Beziehung hat der Italiener zudem einen älteren Sohn, der ebenfalls seit einigen Jahren am Tegernsee lebt. Er wurde laut Polizei kurz vor der Tat gebeten, zur Wohnung zu kommen.

Das Drama schockt ganz Tegernsee. Francesco Sabbatella, in dessen Ristorante in Tegernsee das Paar regelmäßig einkehrte, ist fassungslos: „Ich hab’ beide in guter Erinnerung. Nie war ihnen anzumerken, dass da was nicht stimmt. Vor allem er war ein netter Typ, mit dem man eigentlich über alles reden konnte. Er war unheimlich hilfsbereit.“

Update, 15.20 Uhr - Details zum Ablauf des Geiseldramas: Mann tötet Mutter seines Kindes - Polizei gibt tödlichen Schuss ab

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat erneut eine Pressemeldung herausgegeben. Darin wird der Ablauf des tödlichen Geiseldramas geschildert:

Um kurz nach 17.00 Uhr wurde die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd per Notruf über eine Streitigkeit in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses in der Schwaighofstraße in der Gemeinde Tegernsee informiert. Bei Eintreffen der ersten Streifenbesatzung der Polizeiinspektion Bad Wiessee wurde den Einsatzkräften der Zutritt durch einen 46-jährigen Mann zur Wohnung verwehrt.

Die Polizeibeamten nahmen durch die verschlossene Wohnungstür verbal Kontakt zu dem 46-jährigen Mann auf, um ihn zum Öffnen der Wohnungstür zu bewegen. Der 46-jährige beharrte jedoch seinerseits auf das Erscheinen seines erwachsenen Sohnes am Einsatzort, um mit diesem zu sprechen.

Um einer Gefährdung der Wohnungsinhaberin und einer Eskalation der Situation vorzubeugen, wurde das Eintreffen des Sohnes abgewartet. Gegen 18.40 Uhr vernahmen die eingesetzten Polizeibeamten ein gesteigertes Aggressionspotenzial des 46-jährigen Mannes gegenüber seiner 25-jährigen Lebensgefährtin. In der Folge verschafften sich die Beamten gewaltsam Zugang zu der betroffenen Wohnung, um eine Gefahr für Leib und Leben der Frau abzuwenden.

Zwischenzeitlich verlagerte sich das Einsatzgeschehen in die Nachbarwohnung. Auf dem dortigen Balkon stach der 46-Jährige mehrfach auf seine Lebensgefährtin ein.

Bei dem darauffolgenden Notzugriff zündete der Tatverdächtige einen Knallkörper. Beim erneuten Eindringen der Beamten zur Hilfeleistung für die verletzte Frau bedrohte der Tatverdächtige einen Polizeibeamten mit einem Messer. Trotz mehrfacher Aufforderung zum Weglegen des Messers und wiederholter Androhung des Schusswaffengebrauchs ging der Mann auf den Beamten zu. Dieser machte daraufhin Gebrauch von seiner Schusswaffe.

Von dem Beamten wurden zwei Schüsse abgegeben, von denen nach derzeitigem Ermittlungsstand ein Schuss tödlich auf den Angreifer wirkte. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch einen Notarzt verstarb der 46-jährige Mann an der Schussverletzung.

Auf dem Balkon fanden die Einsatzkräfte die durch mehrere Messerstiche schwerstverletzte 25-jährige Lebensgefährtin des Angreifers vor. Die Frau erlitt so schwerwiegende Stichverletzungen, dass sie trotz ebenfalls sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen noch am Tatort verstarb.

Das in der gemeinsamen Wohnung aufhältige Kleinkind des verstorbenen Paares befindet sich zwischenzeitlich in der Obhut von Angehörigen.

Die Kriminalpolizeistation Miesbach führt unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft München II die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt zum Nachteil der 25-jährigen Frau. Die Untersuchungen im Kontext mit dem polizeilichen Schusswaffengebrauch gegen den 46-jährigen Angreifer führt, wie in derartigen Fällen üblich, das Bayerische Landeskriminalamt, ebenfalls unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft München II.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand geht die Staatsanwaltschaft von einer Notwehr bzw. Nothilfehandlung des Polizeibeamten aus.

Update, 14.30 Uhr - Live-PK: Polizei informiert über tödliches Geiseldrama in Tegernsee

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd informiert in einer Live-Pressekonferenz über das Tötungsdelikt mit anschließendem polizeilichen Schusswaffengebrauch in Tegernsee. Ein Mann hatte seine Lebensgefährtin am Dienstagabend als Geisel genommen und sie tödlich verletzt. Die Polizei erschoss den Mann bei dem Versuch die Frau zu retten.

Update, 11.45 Uhr - Pressekonferenz ab 14.30 Uhr

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd wird am Mittwochnachmittag, den 11. November, eine Pressekonferenz zu der Tragödie in Tegernsee geben. Diese wird ab 14.30 Uhr auf Facebook übertragen. Der leitende Oberstaatsanwalt Hajo Tacke (StA München II), Polizeipräsident Robert Kopp (Polizeipräsidium Oberbayern Süd)  und der erste Kriminalhauptkommissar Rainer Kehrer (KPS Miesbach) werden weitere Ermittlungsergebnisse darlegen. rosenheim24.de berichtet live.

Update, 10.10 Uhr - Rätselraten um Motiv geht weiter

Nach Informationen des Münchner Merkur soll es sich bei dem Täter um einen 46-jährigen Italiener handeln. Seine Frau sei nach „offiziellen Angaben der Polizei“ 25 Jahre alt gewesen, so das Münchener Medium weiter.

Martin Emig, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, wollte auf Anfrage von rosenheim24.de diese Informationen weder bestätigen noch dementieren. In einer Pressemitteilung will die Polizei am Mittwoch (11. November) weitere Details zu dem Fall bekanntgeben.

Zu dem Motiv der Tat ist indes ebenfalls noch nichts weiteres bekannt.

Update, 05.35 Uhr - Mann tötete Partnerin und attackierte Polizei mit Messer

Wie Martin Emig, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd vor Ort mitteilte, hatte die Polizei beim Eintreffen am Tatort in Tegernsee eine massive Bedrohung durch den Mann gegenüber seiner Partnerin festgestellt. Als sie die Wohnung betraten, griff der Täter die Beamten mit einem Messer an, „attackierte sie massiv“. Es kam daraufhin zu einem polizeilichen Schusswaffengebrauch, bei dem der Täter tödlich verletzt wurde.

Die Ehefrau wurde danach schwerverletzt in der Wohnung aufgefunden, überlebte aber den Angriff ihres Lebenspartners nicht. Unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft München II werde nun von der Kriminalpolizei Miesbach wegen des Tötungsdelikts gegen die verstorbene Frau ermittelt.

Das bayerische Landeskriminalamt stelle Untersuchungen zum polizeilichen Schusswaffengebrauch an. Zum Täter könne man derzeit aus ermittlungstechnischen Gründen noch keine weiteren Angaben machen. Im Laufe des 11. Novembers werde man sich in Absprache mit der Staatsanwaltschaft dazu äußern.

Update, 22.20 Uhr - Schrecklicher Vorfall im Landkreis Miesbach

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in einer Pressemeldung mitteilt, hatte der Mann seine Lebenspartnerin in der gemeinsamen Wohnung im Streit angegriffen, verletzt und beim Eintreffen der Polizei bedroht.

„Um die Bedrohung der Frau abzuwenden, musste die Polizei die Wohnung betreten. Im weiteren Einsatzverlauf ging der Tatverdächtige mit einem Messer gegen die Beamten vor, woraufhin es zum polizeilichen Schusswaffengebrauch kam, an deren Folgen der Tatverdächtige verstarb“, so die weiteren Schilderung des Polizeipräsidiums.

Für die Lebensgefährtin kam jede Hilfe zu spät. Der Tatverdächtige hatte ihr zuvor so schwere Verletzungen zugefügt, dass sie wenig später an diesen verstarb.

Unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft München II führt die Kriminalpolizei Miesbach die Untersuchungen wegen des Tötungsdelikts gegen die Frau und das Bayerische Landeskriminalamt die Untersuchungen zum polizeilichen Schusswaffengebrauch.

Weitere Informationen zu diesem Fall werden Staatsanwaltschaft und Polizei am Mittwoch, 11. November, veröffentlichen.

Erstmeldung:

Großalarm in Tegernsee: Am Dienstagabend, 10. November, gegen 19.30 Uhr meldete ein Nachbar einen heftigen Streit in einer Wohnung an der Bundesstraße zwischen dem Bräustüberl Tegernsee und Rottach-Egern. Wenig später rückte ein Großaufgebot an Polizei und Rettungsdienst aus.

Als die Beamten an der Wohnung ankamen, soll der Mann seine Lebenspartnerin als Geisel genommen und gedroht haben, diese zu töten. Sofort alarmierte die Polizei nach. Auch Kollegen aus dem Rosenheimer Raum eilten nach Tegernsee. Insgesamt sollen etwa 20 Streifen im Einsatz gewesen sein. Die Bundesstraße wurde abgeriegelt.

Notzugriff: Polizei erschießt Täter

Wenig später erfolgte der Zugriff. Doch zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät. Der Mann hatte seine Lebensgefährtin offenbar bereits erstochen. Als die Einsatzkräfte die Wohnung stürmten, soll der Mann laut Informationen der Bildzeitung auch versucht haben die Beamten zu attackieren. Daraufhin fielen Schüsse.

Laut einem Polizeisprecher sei der Mann beim Notzugriff die Frau zu retten durch einen „polizeilichen Schusswaffengebrauch“ getötet worden.

Hintergründe zur Tat oder weitere Informationen liegen derzeit noch nicht vor.

mz

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