Üble Anschuldigungen nach Familienmord auf Teneriffa

Von Medien zum Mörder erklärt: Wie kann sich Traunsteiner wehren?

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Polizisten und Mitglieder der Feuerwehr führen auf Teneriffa eine große Suchaktion nach der Frau aus Deutschland durch. Am Dienstag wurde sie als vermisst gemeldet, am Mittwoch wurde ihre Leiche und die ihres zehnjährigen Sohnes in einer Höhle gefunden. Der jüngere Sohn konnte fliehen. 
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Teneriffa/Traunstein - Er heißt genauso wie ein mutmaßlicher Mörder - und schon landete ein Traunsteiner mit vollem Namen und Bildern in spanischen Medien. Wie kann er sich wehren?

Ganz Spanien bekam ihn gestern vorgeführt: Ein Mann aus Traunstein hätte Frau und Sohn in einer Höhle auf Teneriffa ermordet. Der zweite Sohn konnte fliehen. In den spanischen Medien wurde aber nicht nur der volle Name und die Stadt genannt, sondern man veröffentlichte auch gleich Fotos vom Facebook-Account des Traunsteiners: zusammen mit seiner Frau auf einem Fest oder seine Frau mit den Kindern beim Spielen im Schnee - unverpixelt.

Traunsteiner könnte womöglich Schmerzensgeld fordern

Auch für den Rosenheimer Rechtsanwalt Peter Dürr ein extremer Fall. Wie könnte sich der Traunsteiner wehren? "Man könnte Unterlassungsansprüche und möglicherweise auch Schadensersatzansprüche geltend machen", so Dürr gegenüber chiemgau24.de. Falls der Traunsteiner durch die falsche Berichterstattung Probleme im privaten Bereich bekommen hat "oder wenn ihn die Nachbarn schief angeschaut haben", wie Dürr sagt, wäre sogar ein Schmerzensgeld drin.

Lesen Sie hier die aktuellen Entwicklungen zum Mordfall von Teneriffa

"Es ist klar: die Bilder dürfen nicht einfach verwendet werden. Hier greift das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild", so Dürr. Weil er darüber hinaus als Mörder dargestellt wurde könnte womöglich auch wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung gegen die spanischen Medien vorgegangen werden. "Aber einen Vorsatz wird man nicht unterstellen können, eher Fahrlässigkeit wegen der schlechten Recherche", so der Anwalt. Auch die Veröffentlichung einer Gegendarstellung würde dem Traunsteiner zustehen - und natürlich die Löschung seiner Bilder. 

Hass-Kommentare bei Facebook: "Du gehörst getötet"

Wie viel Schadenersatz in diesem Fall für den Traunsteiner Familienvater drin wäre lässt sich schlecht sagen: "Bei Online-Medien richten sich die Summen dann nach den Klickzahlen des Videos oder des Artikels", so Peter Dürr. Auch verpixelt hätten die spanischen Medien den Mann nicht zeigen dürfen - weil er durch die Nennung des vollen Namens und den Herkunftsort wiederum für jeden identifizierbar war. 

Diese Hass-Kommentare tauchten am Donnerstag auf dem Facebook-Profil des Traunsteiners auf. Inzwischen sind sie gelöscht - im Gegensatz zu seinen privaten Fotos in den spanischen Online-Medien. 

Die Fotos des Traunsteiners werden unter anderem von der größten und bekanntesten spanischen Tageszeitung "El País" in ihrer Online-Ausgabe gezeigt. Die Berichterstattung zog am Donnerstag noch weitere Kreise: Spanische User hinterließen dem unschuldigen Traunsteiner Hass-Kommentare auf seiner Facebook-Seite. Als "Monster" oder "Mörder" wurde er auf Spanisch von wildfremden Menschen betitelt: "Du gehörst getötet, du Widerlicher!"

Fotos des Traunsteiners noch immer in spanischen Medien

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd schloss sich am Donnerstag kurzerhand mit dem Bundeskriminalamt in Verbindung und konnte uns bestätigen, dass der Traunsteiner mit dem Mordfall von Teneriffa nichts zu tun hat. Der mutmaßliche Mörder mit gleichem Name stamme aus Sachsen-Anhalt. Offensichtlich begnügten sich "El País" und Co. damit, einfach den ersten Facebook-Treffer auf jenen Namen an den Pranger zu stellen. 

Die Hass-Kommentare hat der Traunsteiner inzwischen von seiner Facebook-Seite gelöscht. Seine Name und die Bilder tauchen dagegen immer noch in den spanischen Online-Medien auf. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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