Jedes fünfte Kälbchen stirbt

Tiermisshandlungen im Allgäu: Kontrollen brachten nichts! Regierung will Änderungen

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Allgäu - Die Vorwürfe gegen einen Allgäuer Milchviehbetrieb wiegen schwer. In dem Großbetrieb in Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) sollen Kühe misshandelt worden sein. Eine Tierrechtsorganisation hatte entsprechende Videoaufnahmen öffentlich gemacht. Nun will die Staatsregierung die Überwachung derartige Großbetriebe neu organisieren.

Die Staatsanwaltschaft hat wegen des Verdachts auf Tierquälerei auf einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns die Ermittlungen aufgenommen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Memmingen. Zuvor hatten die ARD-Politikmagazine Report Mainz und Fakt sowie die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.

Videoaufnahmen aus den Ställen eines Milchviehbetriebs im schwäbischen Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) sollen zeigen, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Das Material wurde den ARD-Magazinen und der Süddeutschen Zeitung dem SZ-Bericht zufolge vom Tierrechtsverein „Soko Tierschutz“ zugespielt. Die Staatsanwaltschaft prüfte, ob die Aufnahmen des Tierrechtsvereins authentisch sind.

Der Familienbetrieb mit insgesamt 1.800 Milchkühen soll dem Tierrechtsverein zufolge bereits seit Jahren gegen Tierschutzvorschriften verstoßen. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen lehnte der Betrieb zunächst ab.

Keine groben Auffälligkeiten 19 Regelkontrollen und 15 anlassbezogene Kontrollen 

In dem unter Tierquälerei-Verdacht stehenden Milchviehbetrieb im Allgäu sind in der Vergangenheit zahlreiche Kälber verendet. Nach amtlichen Zahlen starb in den vergangenen fünf Jahren etwa jedes fünfte Kälbchen in dem Großbetrieb. Dies ergibt sich aus am Donnerstag veröffentlichten Zahlen, die das Verbraucherschutzministerium in München auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion zusammengestellt hat.

In einer Stellungnahme, die auf der Homepage des Landratsamtes veröffentlicht wurde, heißt es weiter, dass es allein in den vergangenen fünf Jahren 19 Regelkontrollen und 15 anlassbezogene Kontrollen - davon zehn Tierschutz-Kontrollen - gab. Bei den Kontrollen wurden auch tierschutzrechtliche Verstöße im gering- bis mittelgradigen Bereich festgestellt. 

Verbraucherschutzminister: Das wird sich ändern

Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen einen großen Allgäuer Milchviehbetrieb will die Staatsregierung die Überwachung derartige Großbetriebe nun neu organisieren. Für 85 große Rinder- und Schweinezuchtbetriebe soll künftig dieselbe Spezialbehörde zuständig sein, die bisher schon große Lebensmittel- und große Geflügelbetriebe kontrolliert. Die Behörde soll zwei neue Standorte, einen in Schwaben und einen Franken, sowie 25 neue Stellen bekommen.

Das kündigte Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) am Donnerstag in einer Sondersitzung von Umwelt- und Agrarausschuss im Landtag an. "Wir brauchen eine neue Qualität bei Tierschutzkontrollen", sagte Glauber. Große, industrielle Betriebe müssten auch nach anderen Maßstäben kontrolliert werden, betonte er.

mz/dpa

Rubriklistenbild: © Screenshot ARD

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