Entsetzen über Tierquälerei

Tiermisshandlungen im Allgäu: Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf - Hunderte demonstrieren 

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Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Tierquälerei. Am Sonntag kam es zu einer Demonstration.

Einer der größten Milchbauern in Bayern soll seine Kühe schwer misshandeln - das zeigt wohl ein Video. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Update vom 14. Juli 2019: Gegen mutmaßliche Tierquälerei auf einem der größten Milchviehbetriebe in Bayern haben am Sonntag mehrere hundert Tierschützer demonstriert. 

Auf Transparenten wie „Die Würde der Tiere ist unantastbar“ und „Stopp der Massentierhaltung“ prangerten sie bei einer Demonstration in Bad Grönenbach die angeblichen „Foltermethoden“ des Betriebs gegenüber „wehrlosen Kühen“ an. 

Die Polizei sprach von mehreren hundert Protestierenden. Die Proteste, zu denen die V-Partei aufgerufen hatte, verliefen nach Polizeiangaben friedlich.

Nach einer Kundgebung in der Ortsmitte zogen die Teilnehmer zu dem Milchviehbetrieb. Vor dem Hof, dessen Tore mit Gitterzäunen abgeriegelt waren, prangerte eine Tierärztin in einem Redebeitrag die angeblichen tierquälerischen Praktiken in dem Betrieb an. 

Mitarbeiter des Betriebs hätten die Kundgebung der Tierschützer mit Handys gefilmt, berichtete ein Augenzeuge.

Angeblich in den Ställen des Milchviehhalters aufgenommene Videoaufnahmen zeigen, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. 

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Allgäu wegen Tierquälerei.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. Es werde geprüft, ob die Videoaufnahmen eines Tierrechtsvereins authentisch seien, bestätigte die Staatsanwaltschaft Memmingen.

Tiermisshandlungen im Allgäu: Bisher keine Durchsuchungen in Betrieb - Leiter soll vernommen werden

Update vom 12. Juli 2019, 13.46 Uhr: Wegen der Vorwürfe der Tierquälerei in einem Milchviehbetrieb im Allgäu soll zeitnah der Betriebsleiter von der Polizei vernommen werden. Auch Zeugen sollen in den kommenden Wochen befragt werden, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen am Freitag sagte. Derzeit werde weiter das von einem Tierrechtsverein zugespielte Videomaterial gesichtet und auf Echtheit überprüft. Durchsuchungen des beschuldigten Betriebs in Bad Grönenbach hat es den Angaben zufolge bislang nicht gegeben.

Die Videoaufnahmen des Tierrechtsvereins Soko Tierschutz sollen zeigen, wie in dem Milchviehbetrieb Tiere misshandelt werden. Der Verein hat Anzeige gegen den Betriebsleiter und zahlreiche Mitarbeiter wegen besonders schweren Fällen von Tierquälerei gestellt. Der Betreiber war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Nachdem die Anschuldigungen öffentlich bekannt wurden, kündigten ein Schlachtbetrieb und eine Großkäserei aus dem Allgäu die Verträge mit dem Betrieb.

Tierquälerei im Allgäu: Darum wird der Betrieb aktuell trotzdem nicht geschlossen

Update vom 11. Juli 2019, 17.46 Uhr: Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte das zuständige Landratsamt, dass nach Bekanntwerden der Umstände mehrere unangekündigte Betriebskontrollen erfolgt seien - unter anderem eine Großkontrolle gemeinsam mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Das Landratsamt habe die „schockierenden Bilder“ am 4. Juli von der ARD erhalten und sofort reagiert. 

Grausame Tiermisshandlungen im Allgäu: So will das Landratsamt weiter vorgehen

Es wurde auch ein Bericht an das Umweltministerium verfasst, in dem festgehalten wurde, wie das Landratsamt weiter vorgehen möchte: „Wir planen eine Reihe von Maßnahmen, mit denen der Tierschutz in Zukunft abgesichert werden soll und es nicht mehr zu Verstößen kommt. Zum Beispiel geht es um die Versorgung kranker Tiere, die Überwachung der Herde, die Pflege der Tiere, zusätzliche Untersuchungen und die Optimierung der Haltung an sich.“ Eine Betriebsschließung steht aktuell nicht zur Debatte: Diese Maßnahme könne erst in Betracht gezogen werden, wenn das Verfahren der Staatsanwaltschaft abgeschlossen sei und die Ergebnisse der kürzlich durchgeführten Kontrolle vorlägen. „Eine Betriebsschließung stellt das letztmögliche Mittel dar“, so das Landratsamt weiter.

Tiermisshandlungen im Allgäu: Hassbotschaften gegen Betrieb

Update vom 11. Juli 2019, 12 Uhr: Eine Person aus dem Umfeld des Landwirts ist mit einem Messer bedroht und eingeschüchtert worden. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Memmingen vom Donnerstag sei ein Mann auf das Anwesen gefahren, habe mit dem Messer „herumgefuchtelt“ und „ich habe etwas zum Schlachten dabei“ gesagt. Zudem sei ein Gebäude mit „Hassbotschaften“ beschmiert worden. 

Wegen der Vorfälle am Mittwoch hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Polizeistreife die Umgebung des Betriebs in Bad Hindelang (Landkreis Oberallgäu) bewacht. Bei Facebook sprachen mehrere Nutzer Drohungen gegen den Landwirt aus.

Grausame Tiermisshandlungen im Allgäu: Video von Report Mainz (ARD) schockiert zutiefst

Update vom 10. Juli, 14.49 Uhr: Die Staatsanwaltschaft sagte auf Nachfrage der Ippen-Digital-Zentralredaktion, dass die Ermittlungen noch im Gange seien, die Überprüfung der Echtheit des Videos aber noch nicht abgeschlossen sei. 

Derweil äußerten bayerische Politiker ihr Entsetzen über den Fall. Eric Beißwenger (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt- und Verbraucherschutz, empfindet die Bilder als verstörend. Sie würden dem Berufsstand der Landwirte schaden, so Beißwenger gegenüber dem BR. Christoph Skutella, Sprecher der FDP-Franktion im Bayerischen Landtag sagte, Tierquälerei sei ein Schlag ins Gesicht aller Landwirte, dir ihre Tiere korrekt halten: "Wie wir mit Tieren umgehen, zeigt, was für Menschen wir sind."

Susanne Ferschl von der Linken fordert, dass gegen den Landwirt ein dauerhaftes Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden muss, sollte sich der Verdacht bestätigen. Die Grünen hingegen zeigen sich von dem Skandal nicht überrascht. Skandale in bayerischen Agrar- oder auch Lebensmittelbetrieben wären erwartbar wie „das nächste Sommergewitter“.

Video: Kuh-Quäl-Skandal im Allgäu - so grausam soll es auf dem Hof zugehen

Report Mainz (ARD): Landratsamt bestätigt tierschutzrechtliche Verstöße auf dem Milchviehbetrieb

Update vom 10. Juli, 11.30 Uhr: Mittlerweile hat sich auch das Landratsamt Unterallgäu zu den Tiermisshandlungen auf dem Allgäuer Milchviehbetrieb geäußert. Der Betrieb stand allein wegen seiner Größe immer im Fokus und wurde in den letzten Jahren regelmäßig unangemeldet kontrolliert. In einer Stellungnahme, die auf der Homepage des Landratsamtes veröffentlicht wurde, heißt es weiter, dass es allein in den vergangenen fünf Jahren 19 Regelkontrollen und 15 anlassbezogene Kontrollen - davon zehn Tierschutz-Kontrollen - gab. Bei den Kontrollen wurden auch tierschutzrechtliche Verstöße im gering- bis mittelgradigen Bereich festgestellt. 

Weiter schreibt das Landratsamt: „Mit den gezeigten Bildern sind diese nicht zu vergleichen! Von der Dimension der Verstöße haben wir durch Bildmaterial der Tierschutzorganisation erfahren. Diese waren bei keiner Kontrolle ersichtlich.“ Die vom Landratsamt festgestellten Verstöße wurden vom Betrieb demnach immer beseitigt.

Update vom 10. Juli, 10.38 Uhr: Nach Vorwürfen der Tierquälerei in einem Allgäuer Milchviehbetrieb haben Grüne und SPD im Landtag eine Sondersitzung des bayerischen Umweltausschusses gefordert. „Die ganzen Vorgänge sind nicht nur erschreckend, sondern lassen auch das Vorgehen der Behörden mehr als zweifelhaft erscheinen“, sagte SPD-Landwirtschaftsexpertin Ruth Müller am Dienstag. In der Sondersitzung soll ein funktionierendes Kontrollsystem zur Überwachung von Großbetrieben und die personelle Überlastung von Amtsveterinären diskutiert werden.

„Ich fordere jetzt endlich Klarheit, wie und wie oft solche Betriebe untersucht werden“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Paul Knoblach. Die Entscheidung über eine Sondersitzung wird den Angaben nach voraussichtlich bei der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag getroffen.

Ursprungsartikel: Vorwürfe der Tierquälerei gegen Milchviehbetrieb im Allgäu

Bad Grönenbach - Die Staatsanwaltschaft hat wegen des Verdachts auf Tierquälerei auf einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns die Ermittlungen aufgenommen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Memmingen am Dienstag. Zuvor hatten die ARD-Politikmagazine Report Mainz und Fakt sowie die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.

Allgäu: Auf Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach: Video soll Tierquälerei zeigen

Videoaufnahmen aus den Ställen eines Milchviehbetriebs im schwäbischen Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) zeigen, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Das Material wurde den ARD-Magazinen und der Süddeutschen Zeitung dem SZ-Bericht zufolge vom Tierrechtsverein „Soko Tierschutz“ zugespielt. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob die Aufnahmen des Tierrechtsvereins authentisch sind.

Der Familienbetrieb mit insgesamt 1800 Milchkühen soll dem Tierrechtsverein zufolge bereits seit Jahren gegen Tierschutzvorschriften verstoßen. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen lehnte der Betrieb zunächst ab. 

Report Mainz (ARD): Käserei verwendet Milch von Hof - sie produziert u.a. den Ofenkäse Rougette

Die Milch des Hofes wird von einer Käserei in Lauben (Landkreis Oberallgäu) verarbeitet, die ihre Produkte weltweit verkauft. Der Camembert-Spezialist produziert unter anderem den Weichkäse „Cambozola“ und den Ofenkäse „Rougette“ sowie Produkte für die Molkerei „Weihenstephan“. Von Seiten des Unternehmens heißt es, man distanziere sich von den Vorfällen und werde die Vorwürfe prüfen. Eine Kündigung der Zusammenarbeit mit dem Milchbetrieb sei nicht ausgeschlossen.

Allgäu: Tierquälerei auf Milchbetrieb? Auch Fleisch gelangte wohl in Handel

Kranke Kühe des Familienbetriebs seien beim Großschlachthof „Vion“ in Buchloe (Landkreis Ostallgäu) abgeliefert worden, hieß es in dem „SZ“-Bericht. Teile mindestens eines kranken Tieres seien zum menschlichen Verzehr freigegeben worden. Das Schlachtunternehmen teilte auf Anfrage mit, es prüfe die Vorwürfe. „Bis zur vollständigen Klärung der vorliegenden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden wir ab sofort von diesem Betrieb keine Tiere mehr annehmen“, sagte Standortleiter Jürgen Lieb.

Das bayerische Verbraucherschutzministerium schaltete die Staatsanwaltschaft ein und forderte bei der Regierung von Schwaben einen Sonderbericht über den Betrieb an. „Hier steht kriminelles Verhalten im Raum. Tierquälerei ist nicht hinnehmbar“, teilte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) mit.

Tierquälerei kommt allerdings immer wieder vor: Der Kuh-Rasse der weißblauen Belgier fehlt ein Gen, das das Muskelwachstum stoppt. Die Tiere sind von Geburt an krank, doch Züchter schätzen sie - und nehmen ihre Qual in Kauf. 

Tote Ziegen im Weidezaun, Pferde in schlimmem Zustand. Ein grausamer Fall von Tierquälerei zweier Frauen hat nun das Gericht erneut beschäftigt. Sie blieben uneinsichtig, wie Merkur.de* berichtete. Zwei Hunde und drei Katzen sind im Juli völlig verwahrlost aus einem Haus in Röhrmoos befreit worden. Inzwischen ist ihr Halter bestraft worden. (Merkur.de*)

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

dpa

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