ADAC gibt sich nicht geschlagen

Verkehrskollaps in Tirol droht - Jetzt geht‘s auch den Skifahrern dran

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Keine Ausweichrouten mehr in Tirol: Das trifft nun im Winter auch die Skifahrer.
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Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Skifahrer, die im Winter in Österreich Urlaub machen, viel Geduld brauchen werden: Der Tiroler Landeshauptmann Platter hat Fahrverbote für die Skisaison angekündigt.

Update vom 4. September 2019, 20.59 Uhr: Wer diesen Winter nach Österreich in den Skiurlaub fährt, der muss sich auf Staus einstellen: Tirols Landeshauptmann Günther Platter von der konservativen ÖVP hat angekündigt, dass es auch im Winter regionale Fahrverbote für Touristen geben wird.

Bereits seit Ende Juni gelten im Großraum Innsbruck und in den Bezirken Reutte und Kufstein am Wochenende Fahrverbote, damit Urlauber bei Stau auf der Autobahn nicht mehr auf die Landstraßen ausweichen können. Rund 20.000 Autofahrer wurden bis jetzt zurückgewiesen. Wo und wann die Verbote im Winter genau gelten sollen, müssten Verkehrsexperten noch ausarbeiten, sagte die Grüne-Politikerin Ingrid Felipe, die in der Tiroler Regierung für Verkehrsfragen zuständig ist.

Fahrverbote in Österreich: Ursprünglich nur bis Mitte September geplant

Eigentlich war die Maßnahme nur bis 15. September vorgesehen. Dass die Verbote nun bis in den Winter hinein gelten werden, begründet Landeschef Platter damit, dass die Kombination von Güterverkehr, Ski-Tourismus und Schnee zu einem Verkehrskollaps führen könne. „Dem greifen wir nun vor“, sagte er. Das sieht der ADAC ganz anders. „Vor allem in den Winterferien befürchten wir, dass lange Staus entstehen“, erklärte eine Sprecherin. „Wir hoffen, dass es nicht zu chaotischen Zuständen kommt.“ Der Automobil-Club kritisiert die Verbote scharf: „Es ist ein Unding. Es muss wieder einen freien Reiseverkehr geben.“ Auch die Blockabfertigungen müssten eingestellt werden. Noch hofft der ADAC, dass die Verbote im Winter verhindert werden können.

Der Grenz-Verkehr ist ein Thema, das schon lange für Konflikte zwischen Deutschland und Österreich sorgt. Ende Juli haben beide Länder einen Zehn-Punkte-Plan verabschiedet. Laut Bundesverkehrsministerium laufen die Gespräche zur Umsetzung der Maßnahmen. Der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) verlangt, dass auch Österreich seine Versprechen einhält: „Dazu muss auf österreichischer Seite endlich die Mautfreiheit bis Kufstein Süd angegangen werden“, sagte er. Ministerpräsident Markus Söder sieht das Verbot mittlerweile „eher gelassen“. Er denkt, dass Österreich mit dem Verbot vor allem den eigenen Tourismus schwächt: „Die Maßnahme wird jeden davon abhalten, in den Winterferien nach Österreich in den Urlaub zu fahren“, erklärte er und betont: „Das, was die Österreicher jetzt machen, ist übertrieben.“

„Finde das jetzt wirklich übertrieben.“

Update vom 4. September 2019, 14.15 Uhr: Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich inzwischen deutlich dazu geäußert, was er von Tirols ausgeweiteten Fahrverbots-Plänen auf die Skisaison hält: „Ich finde das jetzt wirklich übertrieben. Ich habe ja Verständnis für manches, und es ist ja im Sommer ehrlich gesagt auch ganz gut gelaufen, aber es jetzt auf den Winter auszuweiten, bedeutet nichts anderes, als dass sich die Tiroler selber schädigen“, sagte der CSU-Chef am Mittwoch am Rande seiner Klimatour auf die Zugspitze. 

Ein Ärgernis für Urlauber: Die Blockabfertigung sorgt auch auf der Inntalautobahn immer wieder für Staus.

Söder glaubt, die ausgeweiteten Fahrverbote seien am Ende nur eine Maßnahme, um die Menschen davon abzubringen, in den Winterferien nach Tirol in den Urlaub zu fahren. Und das schade laut dem Ministerpräsident vor allem dem Tourismus in Österreich.

Fahrverbote in Tirol: Fahrverbote auch in der Skisaison

Update vom 4. September 2019: Heute Morgen erreichte Bayern die Hiobsbotschaft: Tirol will nicht nur die Blockabfertigung noch einige Zeit weiterführen - die für viele Durchreisende ärgerlichen Fahrverbote sollen weiter Bestand haben. Auch in der Skisaison. Darauf hat jetzt der Freistaat reagiert: Er fordert die Umsetzung des vereinbarten Zehn-Punkte-Maßnahmenplans. „Dazu muss auf österreichischer Seite auch endlich die Mautfreiheit bis Kufstein Süd angegangen werden. So wie wir es im Juli in Berlin gemeinsam vereinbart haben“, sagte Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in München. Bayern habe die neuerliche Ankündigung zur Kenntnis genommen. „Wir setzen weiter auf den Weg der Gespräche.“

Tiroler Fahrverbote: Bayern fordert Mautfreiheit bis Kufstein

Update vom 3. September 2019: Dass die regionalen Fahrverbote in Tirol sollen auch im Winter gelten sollen, gab der Landeschef des österreichischen Bundeslandes, Günther Platter, am Dienstag in Meran bekannt. Die Kombination von Güterverkehr, Skitourismus und Schnee könnte sonst zu einem Verkehrskollaps führen, warnte der Politiker von der konservativen ÖVP. „Dem greifen wir nun vor“, sagte Platter.

Seit Ende Juni gelten im Großraum Innsbruck und in den Bezirken Reutte sowie Kufstein an Wochenenden Fahrverbote. Ziel ist es, dass die Reisenden nur die Autobahn und keine Ausweichrouten nutzen. Die Entscheidung führte zu heftiger Kritik aus Deutschland. Tirol pocht auf weitere Schritte wie eine Korridormaut von München bis Verona, um den Lkw-Verkehr über den stark belasteten Brenner zu drosseln. In Berlin wurde bereits verhandelt, um Auswegen zu finden.

Die derzeitigen Maßnahmen gelten bis 15. September. Verkehrsexperten werden nun die genauen Geltungsbereiche und Zeiträume für den Winter ausarbeiten, sagte die Grüne Ingrid Felipe, die in der Tiroler Regierung für Verkehrsfragen zuständig ist. Seit Ende Juni seien aufgrund der Verbote rund 20.000 Fahrzeuglenker zurückgewiesen worden. Sie sind die Hauptleidtragenden des Streits.

Ursprungsartikel: Tirol legt im Streit um Blockabfertigung nach

Innsbruck - Das österreichische Bundesland Tirol will im ersten Halbjahr 2020 an 20 Tagen Lastwagen nur blockweise die Grenze passieren lassen. Das beschloss die Tiroler Landesregierung am Donnerstag. „Nach knapp zwei Jahren bestätigen sich die Blockabfertigungen als unverzichtbares Verkehrslenkungsinstrument, um die Verkehrs- und Versorgungssicherheit an besonders kritischen Tagen zu gewährleisten“, sagte Tirols Landeschef Günther Platter laut einer Mitteilung. Nun gehe es darum, die Blockabfertigungen technisch durch ein automatisiertes System zu unterstützen. Damit soll im Februar begonnen werden. Aus Deutschland gibt es viel Kritik an dem Vorgehen. Besonders Bayern liegt mit dem Nachbarn im Transitstreit.

Tirols Verkehrsreferentin Ingrid Felipe erklärte, dass der Verkehr insgesamt, insbesondere das Verkehrsaufkommen an den Wochenenden als auch der Güterverkehr im Jahr 2018 zugenommen hätten. „Der Brenner ist im Vergleich zu anderen alpenquerenden Pässen nach wie vor der am stärksten belastete Übergang“, erklärte Felipe mit Verweis auf einen neuen Verkehrsbericht. „Mehr als die Hälfte der Transit-Lkw nahmen einen Mehr- oder Umweg über den Brenner in Kauf.“

Neues Dosiersystem für 1,35 Millionen Euro

Das 1,35 Millionen Euro teure Dosiersystem soll dafür sorgen, dass an Blockabfertigungstagen etwa alle zwölf Sekunden ein Lastwagen den Grenzübergang bei Kufstein-Nord passieren kann. Maximal bleibt es bei 300 Lastern pro Stunde. 2018 wurden Lastwagen an der Grenze laut dem Land Tirol an 27 Tagen blockweise abgefertigt, im laufenden Jahr an bislang 19 Tagen. Auf bayerischer Seite hat die Lkw-Blockabfertigung oft lange Staus zur Folge. Nach österreichischen Angaben fahren jährlich bis zu 2,5 Millionen Laster über den Brenner.

dpa

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