Leser-Meinungen zu verschärften Einreisekontrollen

„Mit Machtspielen aufhören“ und „Familien und Paare leiden genauso wie Grenzpendler“

Die verschärften Einreisekontrollen nach Deutschland beschäftigen zahlreiche Pendler. Auch unsere Leserin Caroline aus Ingolstadt äußert ihre Meinung dazu.
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Die verschärften Einreisekontrollen nach Deutschland beschäftigen zahlreiche Pendler. Auch unsere Leserin Caroline aus Ingolstadt äußert ihre Meinung dazu.

Seit rund einer Woche gelten verschärfte Einreiseregelungen an den Grenzen zu Tirol und Tschechien. Ihr habt uns eure Meinungen und Erfahrungsberichte zu den neuen Grenzregelungen geschickt.

Bayern - Seit Sonntag, 14. Februar, sind die Grenzen nach Tschechien und Tirol weitestgehend dicht. Nach den neuen Vorgaben dürfen aus den betroffenen Gebieten nur noch Deutsche sowie Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland einreisen. Außerdem gibt es Sonderregeln für medizinisches Personal, Transit-Passagiere und den Warenverkehr (Plus-Artikel).

Ab sofort braucht jeder Arbeiter, der aus Tirol oder Tschechien nach Deutschland einreist, neben einem negativen Coronatest (nicht älter als 48 Stunden) auch eine amtliche Bescheinigung des zuständigen Landratsamtes – sonst kann ihn die Bundespolizei zurückweisen. Diese amtliche Bescheinigung dürfen die Landratsämter nur für Personen ausstellen, die gemäß den Leitlinien der EU-Kommission systemrelevante Tätigkeiten ausüben.

Die OVB24-Redaktion hat euch gefragt, wie eure Meinungen zu den neuen Grenzregelungen sind.

Verschärfte Einreiseregelungen nach Deutschland: Eure Meinungen und Erfahrungsberichte

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Thomas Ungerer aus Bayern

Ich habe in Kitzbühel eine Zweitwohnung bei meiner Freundin. Nachdem ich als deutscher Staatsbürger jede Woche zum Pendeln von Kitzbühel nach Traunstein fahre, geschah dies auch diese Woche. Leider genügte der österreichische negative Test, den ich einen Tag vor der Ausreise machte, nicht und nun habe ich das Vergnügen, zehn Tage Urlaub in Quarantäne zu verbringen.

Der deutsche Grenzbeamte sagte mir, ich solle mich umgehend in Bayern testen lassen und sofort in Quarantäne gehen. Es ist etwas seltsam, da die Bestimmungen der Bayerischen Staatsregierung bei einem Verbleib von max. 72 Stunden eine Ausnahme der Quarantäne vorsieht. Bei der Corona-Hotline bekam ich den Hinweis, mich mit der Bundespolizei in Verbindung zu setzen. Die freundliche Stimme der Sprachansage verwies mich wieder auf die Corona-Hotline. Ich hätte mir gewünscht, dass die Medien etwas ausführlicher über die Einreisebestimmungen mit dem Vermerk auf die Quarantänebestimmungen von nicht systemrelevanten Berufen berichtet hätten. Denn dann wäre mir der ganze Zirkus erspart geblieben.

Auch interessant: Pendler und Schüler verzweifeln an der Grenze zu Tirol an Ein- und Ausreisebestimmungen (Plus-Artikel)

Martina aus Bayern

Ich muss öfter über die Kieferer Grenze nach Kufstein für einen medizinischen Warentransport. Wenn man alle Unterlagen (negativer Coronatest, Arbeitsbescheinigung und die Online-Einreiseanmeldung) vorweisen kann, ist die Überfahrt in beide Richtungen zwar mit Wartezeit verbunden, aber eigentlich unproblematisch. Die Grenzkontrolleure sowohl auf österreichischer als auch auf deutscher Seite sind bisher durchweg sehr freundlich, für Fragen offen und auch hilfsbereit.

Am Montag war das mit der Einreiseanmeldung noch nicht ganz klar, wurde aber sehr nett erklärt und auf den Bußgeldbescheid bei Nicht-Vorhanden-Sein in den nächsten Tagen hingewiesen. Kommen wir jetzt zu dieser Einreiseanmeldung: Zuerst muss man bestätigen, dass man sich in Quarantäne nach der Einreise begeben muss und die Daten hinterlegen, wo man erreichbar ist. Erst danach kann man die Ausnahmen anklicken und etwas dazu schreiben. Und dann erhält jeder, der dieses Formular ausgefüllt hat, am nächsten Tag eine Nachricht vom Gesundheitsamt, sich in Quarantäne zu begeben.

Dann muss ich dem Gesundheitsamt erneut schildern, dass es sich um eine Ausnahme handelt und die Unterlagen dazu schicken. Da ich die Mail am Mittwoch um kurz vor 16 Uhr bekommen hatte, konnte ich telefonisch natürlich auch niemanden mehr auf dem Amt erreichen. Da fragt man sich als selbstständig arbeitende Person, warum von Amtswegen aus immer alles doppelt und dreifach gemacht werden muss? Gespannt bin ich darauf, ob ich jetzt jeden Tag diese E-Mail bekomme. Da stimmt das ganze System von vorne bis hinten nicht, aber wehe, der Bürger, der pendeln muss, macht unbedacht einen Fehler.

Weitere Lesermeinungen zu den Einreisekontrollen: Freundin wohnt in Bayern - Innsbrucker: „Hoffen, dass sich menschenunwürdige Situation ändert“

Caroline aus Ingolstadt

Unsere Leserin Caroline aus Ingolstadt äußert ihre Meinung zu den verschärften Einreisekontrollen.

Meine Verlobte Fiona kommt aus Innsbruck in Tirol. Bis zum Samstag, 13. Februar, sind wir immer gependelt - mal sie nach Ingolstadt und mal ich zu ihr nach Innsbruck. Jetzt werden uns aber wieder mal Steine in den Weg gelegt. Zwar könnten wir beide jeweils zu dem anderen, aber es ist zudem mit einer Quarantäne festgelegt, die sich keiner leisten kann.

Wir haben zwar super Arbeitgeber, aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, wo das so nicht mehr funktioniert. Wir haben uns immer an alle Regeln gehalten und Gesetze und Verordnungen studiert, damit wir ja nichts falsch machen und nun das. Wir sind traurig und enttäuscht. Bayern soll endlich mit den Machtspielen aufhören. Familien und Paare leiden genauso wie Grenzpendler, die zur Arbeit müssen. Wir pendeln/reisen der Liebe oder auch der Arbeit wegen und nicht zu touristischen Zwecken.

Auch interessant: „Kurzum: eine Katastrophe“ - so leiden örtliche Unternehmen durch die Grenzschließungen (Plus-Artikel)

Schickt uns eure Leserbriefe zum Thema verschärfte Einreisekontrollen

Seid ihr Grenzpendler und möchtet von euren Erfahrungen berichten? Hattet ihr bereits Probleme bei der Einreise nach Deutschland? Seid ihr Lkw-Fahrer und habt durch die regelmäßigen Corona-Tests einen höheren Zeitaufwand? Erachtet ihr die verschärften Einreiseregeln als sinnvoll? Gerne könnt ihr uns von euren Erfahrungen berichten. OVB24 ist auf eure Meinungen gespannt. Schickt uns euren Leserbrief zum Thema per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: „Grenzpendler“ im Betreff).

Bitte sendet uns neben euren Zeilen auch unbedingt euren Namen und euren Wohnort - auch ein Foto von euch könnt ihr gerne mitschicken. Die Redaktion veröffentlicht eure Leserbriefe samt kompletten Namen und Wohnort anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

Neue Einreisebestimmungen an der Grenze zu Tirol - ein Lagebericht von vor Ort

In Tirol bereitet vor allem die südafrikanische Corona-Variante große Sorgen. Die Variante gilt als ansteckender. Unsere Reporterin war am Montag, 15. Februar, vor Ort an der Grenze auf der A93 und hat mit Polizisten und Einreisenden über die Situation gesprochen (Plus-Artikel). „Wir mussten gestern und heute schon zahlreiche Einreisewillige wieder abweisen“, erklärte Polizeipressesprecher Rainer Scharf von der Bundespolizeiinspektion Rosenheim.

jg

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