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Prozess um Doppelmord in Oberfranken

Tochter (17) „hasste ihre Eltern und wollte sie tot sehen”: Freund soll Vierfach-Eltern erstochen haben

Eine angeklagte junge Frau (M) und ein angeklagter junger Mann (l) treffen zum Prozessbeginn im Sitzungssaal im Landgericht ein. Anfang Januar 2022 wurde ein Arzt Ehepaar in Oberfranken ermordet. Angeklagt sind der zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alte Freund der Tochter des Paares sowie die damals 16 Jahre alte Tochter selbst. Die Opfer waren in ihrem Schlafzimmer nachts erstochen worden.
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Eine angeklagte junge Frau (M) und ein angeklagter junger Mann (l) treffen zum Prozessbeginn im Sitzungssaal im Landgericht ein. Anfang Januar 2022 wurde ein Ärzte-Ehepaar in Oberfranken ermordet. Angeklagt sind der zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alte Freund der Tochter des Paares sowie die damals 16 Jahre alte Tochter selbst. Die Opfer waren in ihrem Schlafzimmer nachts erstochen worden.

Ein perfider Mordplan aus Hass auf die eigenen Eltern? So sieht es die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage zum mutmaßlichen Doppelmord von Mistelbach bei Bayreuth. Vor Gericht steht der Freund der Teenager-Tochter - und das Mädchen selbst. Die Öffentlichkeit wird früh ausgeschlossen.

Bayreuth - Die Gesichter der beiden Angeklagten sind zunächst nicht zu erkennen. Tief hat das 17 Jahre alte Mädchen die Kapuze ihrer hellblauen Jacke ins Gesicht gezogen, außerdem trägt sie eine FFP2-Maske. Auch der 18-Jährige hat sich eine Kapuze aufgesetzt. Oberstaatsanwalt Daniel Götz fasst in wenigen Minuten zusammen, was den beiden vorgeworfen wird: Sie sollen die Eltern des Mädchens umgebracht haben. Zugestochen haben soll der 18-Jährige. Zur Rolle der Tochter heißt es: „Die Angeklagte hasste ihre Eltern und wollte sie tot sehen.“ Vor dem Landgericht Bayreuth hat am Mittwoch (19. Oktober) der Prozess um den mutmaßlichen Doppelmord von Mistelbach begonnen.

Nach dem Vortrag der Anklageschrift stellen die Verteidiger der beiden deutschen Angeklagten Anträge, die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Jugendkammer stimmt zu, erst zur Urteilsverkündung, die für Dezember geplant ist, dürfen Zuschauerinnen und Zuschauer sowie Medienschaffende wieder in den Saal.

Alles sollte wie ein Einbruch aussehen

Die nüchterne Zusammenfassung der Vorwürfe verstärkt allerdings noch deren Wucht: Die beiden sollen geplant haben, die Tat in der Nacht zum 9. Januar wie einen Einbruch aussehen zu lassen. Der Freund zog sich demnach eine Skimaske über den Kopf und ging ins Schlafzimmer, das sich im Kellergeschoss des Hauses in Mistelbach (Landkreis Bayreuth) befand. Zunächst tötete er den 51 Jahre alten Vater seiner Freundin mit Stichen in Brust-, Hals- und Gesichtsbereich, dann stach er auch auf die 47 Jahre alte Mutter ein, so dass sie starb.

Kinder hörten Mutter schreien

Während der Tat müssen sich oben im Schlafzimmerbereich der vier Kinder (laut Medienberichten zum Tatzeitpunkt zwischen fünf und 16 Jahren) der Familie dramatische Szenen abgespielt haben. Denn die Angeklagte sollte - so der Plan - ihre Geschwister davon abhalten, einzugreifen. Die Gymnasi­astin habe so verhindert, dass ihre Ge­schwister den Eltern zu Hilfe kommen.

Staatsanwalt Götz wird von bild.de wie folgt zitiert: „Sie wur­den durch die panischen Schreie von Antje S. wach. Doch H. und F. been­deten einen bereits abgesetz­ten Notruf durch Auflegen.“

Danach sollen die beiden Angeklagten die beiden Brüder (14, 12) angewiesen haben, erst im Morgengrauen den Ret­tungsdienst zu verständigen. Götz: „Sie flüchteten dann vom Tatort.“

Der Angeklagte soll sich laut bild.de am nächs­ten Morgen auf einem Polizei­revier gestellt haben, die Tochter des getöteten Ehepaars soll erst am 22. Februar nach verräte­rischen Chatnachrichten als Mittäterin festgenommen worden sein. Sie schrieb nach BILD-Informatio­nen unter anderem: „Also der F. ist ausgerastet, weil mein Vater mich vorher zusammenge­schlagen hat. Er war ja schon in Behandlung im bkh wegen Aggressionsproblemen und es geht schon mein Leben lang, so dass meine Eltern mich schlecht behandeln.“

Die 17-Jährige sitzt aufrecht, blickt Richtung Staatsanwalt und Richterin, wenn diese sprechen. Der 18-Jährige dagegen hat Kopf und Schultern gesenkt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lebte der junge Mann seit November mit im Haus der Familie seiner Freundin.

Angeklagter lebte bei der Familie

Die Eltern pflegten offenkundig ein gutes Verhältnis zu dem mutmaßlichen Täter und Freund ihrer ältesten Tochter. „Er ist nicht eingebrochen. Er wurde hereingelassen“, sagte damals ein Polizeisprecher kurz nach der Tat. Nachbarn berichteten, dass der junge Mann schon länger bei der Familie gelebt habe, er sei nach einem Streit mit seinen Eltern ausgezogen. Auch in der besagten Nacht hätte der 18-Jährige wohl bei seiner Freundin schlafen sollen. Am Tag vor der Tat war es offenbar wieder einmal zum Streit zwi­schen Hanna und ihrem Vater gekommen.

Worum genau gestritten wurde mit den Eltern? Woher der Hass rührte? Diese Fragen müssen zunächst offen bleiben. Das Motiv und die Hintergründe der Tat sind wohl weiterhin unklar. 

Ehepaar und Eltern von vier Kindern getötet: 18-Jähriger stellt sich Polizei

Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.  © NEWS5 / Fricke
Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.  © NEWS5 / Fricke
Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Ein 18-Jähriger soll ein Ehepaar in dessen Haus in Oberfranken getötet haben. Er stellte sich der Polizei.
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Der Angeklagte sei bereit, ausführlich vor Gericht zu reden, hatte sein Verteidiger erklärt. Sollte die Sitzung aber öffentlich weiterlaufen, fürchte er Hemmungen und Scham bei ihm.

Ausschluss der Öffentlichkeit

Den Ausschluss der Öffentlichkeit begründet die Vorsitzende Richterin Andrea Deyerling unter anderem damit, dass die 17-Jährige nach Experteneinschätzung als gefährdet für Selbstverletzungen gilt. Sie lebe deshalb in der U-Haft in einem videoüberwachten Raum und sei auch bereits in einer Klinik behandelt worden. Man wolle die schutzwürdigen und privaten Interessen der beiden wahren.

Als Zeugen aussagen sollen im Lauf des Verfahrens auch zwei der jüngeren Geschwister. In dieser Zeit dürfen die beiden Angeklagten nicht im Saal sein. Es sei eine Retraumatisierung zu befürchten, wenn sie wieder auf ihre Schwester und den 18-Jährigen treffen, argumentierte die Jugendkammer. Das Jugendamt kümmerte sich nach der Tat um die Kinder. Sie sind in psychologischer Betreuung.

Das Interesse an dem Prozess war groß, viele Zuschauerinnen und Zuschauer wollten in den Saal. Der Wohnort der Familie hat nicht einmal 2000 Einwohner, der Schock sitzt dort immer noch tief. Zudem war das Opfer ein in der Region bekannter Kinderarzt, der Anfang des Jahres mit seinem Praxis-Partner ein modernes, großes Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin eröffnen wollte.

dpa/mz

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