Trotz heftigen Widerspruchs

Traunreut will Glyphosat-Verbot - und noch viel weiter gehen

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Traunreut - 14 Hektar Landwirtschaftsflächen hat die Stadt an Bauern verpachtet - doch die Arbeitsweisen könnten bald strikt festgeschrieben werden: Am heftigsten widersprach ausgerechnet ein Stadtrat, der selbst Landwirt ist. *Mit Voting*

Der Antrag einer Bürgerin sah eigentlich nur das Verbot von Glyphosat auf den städtischen Flächen vor - eigentlich. Denn Stadtgärtnermeister Robert Kratzer ist der Meinung: Ein Verbot von Glyphosat ist nicht zielführend. Ziel sollte die "großflächige Bewirtschaftung nach den ökologischen Landbau-Richtlinien sein". Der Traunreuter Bauausschuss folgte am Mittwochabend mehrheitlich seiner Einschätzung. 

So argumentiert die Stadt

Die Pächter von städtischen Acker- und Grünlandflächen sollen künftig nur noch nach der EU-Öko-Verordnung wirtschaften. Alle Pachtverträge sollen dahingehend ergänzt werden. "Die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und ein übermäßiger Eintrag von Düngern kann damit verringert werden", so die Stadtverwaltung. Artenreichtum und biologische Vielfalt könnten so verbessert werden. Dass die Landwirte dadurch mehr Aufwand und möglicherweise weniger Ertrag haben, ist der Verwaltung durchaus bewusst.

Am heftigsten widerspricht ein Stadtrat aus der Landwirtschaft

"Die ganze Stadt sollte pestizidfrei werden", legte Grünen-Stadträtin Helga Zembsch nach - da wurde es Paul Obermeier zu viel, er ist selbst Landwirt: "Wenn's so ist, dürften wir ja nicht mal mehr in den Urlaub fahren. Es kann nicht sein, dass alles, was nicht Öko-Landwirtschaft ist, als böse hingestellt wird." Das alles klinge, als würden die Bauern gegen die Natur arbeiten: "Diese Unterstellungen ärgern mich." Auf Glyphosat könne man vielleicht ja noch verzichten, aber deshalb auf den städtischen Flächen gleich Öko vorschreiben?

Auch Bürgermeister Ritter ging die Diskussion zu weit: "Das sollten wir der Eigenverantwortung der Landwirte überlassen, die sind schließlich auch geschult. Alles andere wäre eine Bevormundung der Landwirte." Alle Bauern, die die städtischen Flächen in Traunreut gepachtet haben, arbeiten bisher konventionell und werden sich nun umstellen müssen. Zumindest bei den Grünland-Bauern scheint keiner was dagegen zu haben. "Wenn sich mit diesen Kriterien beim Ackerland kein Bauer mehr finden lassen sollte, müssen wir eben Grünland draus machen", so Stadtgärtner Kratzer.

Endgültig entscheiden wird erst der Stadtrat am 1. März - doch das Ergebnis im Bauausschuss (8:3 Stimmen) lässt ahnen, wohin die Reise geht.

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xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Patrick Pleul

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