Prozessauftakt am Landgericht Traunstein

Mutter gewaltsam ermordet? Öffentlichkeit ausgeschlossen

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Die beiden Angeklagten im Gerichtssaal. Im weißen T-Shirt der Mittäter, der Haupttäter trägt einen roten Sweatpulli.
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Traunstein - Welches Motiv treibt einen damals 20-Jährigen zum Mord an der eigenen Mutter? Seit Mittwoch beschäftigt sich die Strafkammer des Landgerichts Traunstein mit dieser Frage. Der erste Prozesstag war durchzogen von Anträgen der Rechtsanwälte zum Ausschluss der Öffentlichkeit.

Update, 17.40 Uhr: Prozess geht nichtöffentlich weiter

Nach einigen Stunden des Wartens steht fest: Die Öffentlichkeit wird gänzlich vom weiteren Verlauf des Verfahrens ausgeschlossen, einzelne Pressevertreter sind gestattet. Der nächste Prozesstag ist auf Dienstag, 7. November, angesetzt. 

Update, 12.05 Uhr: Öffentlichkeit soll ausgeschlossen werden

Staatsanwalt Markus Andrä verliest die Anklageschrift, welche grausige Einzelheiten der Tat offenbart. Während der Ausführungen blicken beide Angeklagte gen Boden, der Hauptangeklagte (21) scheint von den Einzelheiten aus der Anklageschrift noch immer unbeeindruckt.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Dr. Klaus Weidmann, ob die Angeklagten zu den Vorwürfen Stellung beziehen möchten, erklären die Anwälte des Hauptangeklagten Dr. Adam Ahmed und Dr. Herbert Buchner, ihr Mandat sei generell bereit, vollständig auszusagen - jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dem schließe sich auch der zweite Angeklagte laut seines Verteidigers Michael Fraunhofer an.

Staatsanwalt Andrä habe keine Einwände gegen die Forderung der Anwälte, die Öffentlichkeit sowie Pressevertreter auszuschließen. Lediglich die Vertreter der Jugendgerichtshilfe und die beiden Sachverständiger dürften demnach noch in der Sitzung bleiben.

Nun muss festgestellt werden, ob dem Antrag stattgegeben wird. Dafür wird nun durch Vorsitzenden Richter Dr. Weidmann die Öffentlichkeit für die Dauer der Verhandlung über die Frage des Ausschlusses der Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Update, 10 Uhr: Mord-Prozess eröffnet

Kurz nach 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann den Prozess gegen zwei junge Altenmarkter, die sich unter anderem wegen Mordes an der 53-jährigen Ute W., der Mutter des Hauptangeklagten 21-Jährigen, verantworten müssen. Vor allem der 21-jährige Hauptangeklagte wirkt unbeeindruckt ob der zahlreichen Pressevertreter und der rund 25 Zuschauer im Gerichtssaal. Der mutmaßliche Mittäter verdeckt sein Gesicht mit einem Ordner und hat den Blick zum Boden gerichtet.

Gleich zu Beginn der öffentlichen Sitzung steht eine ergänzende Sicherheitsverfügung im Fokus. Dem Antrag von Rechtsanwalt Dr. Adam Ahmed, der den Hauptangeklagten verteidigt, dass jegliche Foto-, Bild- und Tonaufnahmen seines Mandanten auf dem Gerichtsgelände und im Gebäude untersagt werden sollen, wird nicht stattgegeben.

Vorbericht

Tatzeitpunkt: 15. September 2017 zwischen 14 und 16 Uhr. In einem Anwesen in Altenmarkt sei es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn gekommen. Auslöser sei allem Anschein nach die finanzielle Situation gewesen.

In die Lippe gebissen, um Hilferufe zu vermeiden? 

Als die wohl seit einem Jahr psychisch kranke Mutter ein Gespräch darüber abgelehnt habe, sei die Situation eskaliert. Die Frau habe aus dem Haus laufen wollen, um Hilfe zu rufen, was der Sohn nach Ansicht der Staatsanwaltschaft verhindert habe. 

Im weiteren Verlauf habe der Angeklagte der Mutter wohl ein Stück der Unterlippe abgebissen, wodurch die Wunde stark zu bluten begonnen habe. Ziel des Angriffes sei laut Staatsanwaltschaft die Unterbindung weiterer Hilferufe gewesen. Des Weiteren habe er die 53-Jährige gewürgt, wobei sie bewusstlos geworden sei. Dabei, so sieht es die Staatsanwaltschaft, habe er billigend in Kauf genommen, dass sie sterben könnte

Röchelnde Mutter beobachtet und anschließend mit Hammer erschlagen? 

Er habe die röchelnde Mutter beobachtet, die auf Ansprache und leichte Schläge ins Gesicht nicht reagiert habe, aber dann weder Arzt noch Polizei alarmiert. Der Angeklagte habe sich laut Anklageschrift schließlich dazu entschlossen, seine Mutter umzubringen

Nachdem er es nicht geschafft habe, seinem Opfer das Genick zu brechen, habe er zum Hammer gegriffen und mehrfach auf die 53-Jährige eingeschlagen. Als die Mutter nach dem Angriff noch immer geröchelt habe, begann der Sohn, sie in Plastiksäcke für Gartenabfälle zu packen und habe einen Freund benachrichtigt, ihm bei der Beseitigung zu helfen. Gemeinsam hätten die beiden die 53-Jährige laut Anklageschrift mit dem Auto an den späteren Fundort der Leiche in der Nähe von Schnaitsee gebracht. In einem Waldstück hätten sie Ute W. zusammen mit dem Tatwerkzeug in der Nacht auf den 16. September 2017 vergraben

Am nächsten Morgen hätten die beiden das Anwesen geputzt und Blutspuren beseitigtDie Leiche sei erst am 22. November 2017 von spielenden Kindern entdeckt und der damals 20-Jährige am Folgetag festgenommen worden. 

Anklage lautet auf Mord 

Nachdem die vermisste Ute W. eindeutig identifiziert worden war, hat sich die ganze Region gefragt, wie so etwas Schreckliches passieren konnte. In der Gemeinde Schnaitsee, in der die Leiche gefunden wurde, herrschte Fassungslosigkeit - Bürgermeister Thomas Schmidinger zeigt sich nach der traurigen Gewissheit fassungslos

Der Sohn der Altenmarkterin wurde von einem Bekannten als zurückhaltend und intelligent beschrieben. Er besuchte wohl eine Eliteschule in der Nähe von Altenmarkt

Im Juni diesen Jahres erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Sie legt dem Angeklagten zur Last, eine Person körperlich misshandelt oder deren Gesundheit geschädigt zu haben und einen Menschen getötet zu haben, wobei er aus einem sonstigen niedrigen Beweggrund heimtückisch gehandelt habe. Er sei strafbar in Tateinheit als gefährliche Körperverletzung mit schwerer Körperverletzung zusammentreffend mit Mord.

Mitangeklagt ist der Freund des 21-Jährigen, weil er bei einem Unglücksfall keine Hilfe geleistet habe, obwohl diese erforderlich gewesen sei. 

Mindestens sechs Tage sind für den Prozess angesetzt. Prozessauftakt ist am Mittwoch, den 31. Oktober, um 9 Uhr. Weitere Verhandlungstage sind auf den 6., 7., 12., 13., 15. und womöglich 16. November - jeweils um 9 Uhr - datiert.

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

mb

Quelle: chiemgau24.de

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