Versuchter Messer-Mord in Trostberg

Hauptangeklagter leugnet plötzlich Tatbeteiligung

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Die fünf Angeklagten kurz vor Prozessbeginn am Dienstagmorgen.
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Trostberg/Traunstein - Im September 2016 kam es zu einem brutalen Messerüberfall in einer Trostberger Wohnung. Die Hintergründe der Tat liegen vermutlich im Drogenbereich. Jetzt stehen mehrere junge Männer wegen versuchten Mordes und besonders schwerem Raub vor Gericht.

Update, 16.20 Uhr: Angeklagter Thomas J. „zufällig reingerutscht“?

Der letzte Angeklagte Thomas J. (Anm. d. Red.: Name geändert) erklärte, es hätte vorab Treffen an der Alz gegeben, allerdings wisse er nicht mehr genau, wer alles dabei war, Marvin P. (Anm. d. Red.: Name geändert), Martin Z. (Anm. d. Red.: Name geändert) und David  B. (Anm. d. Red.: Name geändert) seien aber auf jeden Fall dabei gewesen. Dabei sei jedoch nicht über die Tat gesprochen worden.

Am Tattag sei er mit dem Auto von Martin Z. abgeholt worden - er sei ohne etwas aus seiner Wohnung geholt zu haben, eingestiegen. Dann seien sie in Richtung Trostberg gefahren. Im Auto habe man Smalltalk geführt. An der Alz habe man eine Rauchpause eingelegt. „Meiner Meinung nach haben wir statt Kokain Amphetamin konsumiert“, so Thomas J.. Schließlich sei das Gespräch auf den Überfall gekommen. Thomas J. habe gleich zu Beginn gesagt, er mache da nicht mit. „Keiner hatte einen wirklichen Plan, es haben alle durcheinandergeredet, wer was macht. Jeder hat was anderes gesagt.“

Thomas J. habe die Situation zu Beginn so eingeschätzt, als wolle man Schulden eintreiben, weil sich David B. von dem Dealer „beschissen“ vorgekommen sei. „Vielleicht war auch Eifersucht im Spiel, weil die Freundin von David B. wohl des Öfteren bei dem Opfer in dessen Wohnung übernachtet hat“, schildert Thomas J. seinen Eindruck.

Richter Dr. Weidmann erscheint die Aussage von Thomas J. ungläubig: „Ob Schulden oder Raub, das läuft ja wohl aufs Gleiche raus in diesem Milieu – sie werden ja keinen Schuldeneintreiber mitgenommen haben.“

Thomas J. habe weder Wohnung noch Opfer vor dem Überfall gekannt. Nach Aussage von Thomas J. sei er am Überfall überhaupt nicht beteiligt gewesen, er hätte vielmehr „nach Hause gewollt“, aus dem Auto gestiegen und durch Trostberg marschiert. Er habe überlegt, wie er „am schnellsten heim“ käme und habe seine Eltern anrufen wollen. Nachdem er bemerkt habe, dass er sein Handy im Auto von Martin Z. wohl liegen gelassen haben muss, sei er zurückgekehrt zum Tatort und in diesem Zeitpunkt auf die vier anderen im Auto gestoßen. Da sei der Überfall aber bereits über die Bühne gegangen. Er sei wieder eingestiegen und mit den vier anderen zurückgefahren, da das Auto eh bereits startklar in Richtung Heimat gewesen sei.

„Scheiße, ich habe zugestochen!“ - diese Aussage habe er von Adrian K. (Anm. d. Red.: Name geändert) im Auto vernommen, das könne er einwandfrei bestätigen. Er habe sich jedoch nicht viel dabei gedacht. Er könne sich auch an keine „großartige Reaktion der anderen im Auto“ auf die Wunde von Adrian K. erinnern.

Nach Ansicht von Thomas J. hätten sich außerdem entgegen der in den Akten beschrieben 2.000 Euro in der Kassette rund 10.000 Euro befunden. Er selbst habe 1.050 Euro Schweigegeld und circa 50 Gramm Marihuana bekommen.

Thomas J. beteuert: „Ich hatte kein Messer in der Hand und habe auch kein Messer gesehen. Mit drei der vier weiteren Angeklagten habe ich überhaupt keinen Kontakt, nur Marvin P. kenne ich.“ Thomas J. sei demnach „rein zufällig in die Hinfahrt und auch in die Rückfahrt reingerutscht“.

Auf Nachfrage des Richters, warum Thomas J. seine Aussage nicht schon bei der Polizei so gesagt habe, erklärt der Verteidiger, der 29-Jährige hätte das Ganze erst hier in der Hauptverhandlung äußern wollen. Obwohl ihm bewusst sei, dass seine Aussage massiv von den Aussagen der anderen vier Angeklagten abweiche, könne er sich die Abweichung der Schilderungen des Tattags nicht erklären. „Für mich ist die Aufarbeitung des Falls sehr schwer“, erklärt Thomas J. abschließend.

Dr. Klaus Weidmann ist nicht der einzige im Gerichtssaal, der verwirrt den Kopf schüttelt: „Der Überraschungseffekt ist wahrlich gelungen.“ Die vier anderen Angeklagten wollen indes auf Nachfrage von Richter Dr. Klaus Weidmann bei ihren Aussagen bleiben.

Die Verhandlung wird unterbrochen. Fortsetzung mit dem Zeugenprogramm ist am Mittwoch, 19. Juli.

Update 15.40 Uhr

Der vierte Angeklagte Marvin P. könne sich laut eigener Aussage an Vortreffen, bei denen über die geplante Tat gesprochen wurde, nicht erinnern. Er erklärte, David B. hätte sich von der Preiserhöhung des Dealers „verarscht gefühlt“ und sich über den Dealer geärgert. So sei die Idee des Überfalls entstanden.

Auf einem gegenüberliegenden Spielplatz habe er am Tattag nach dem Einkaufen David B. und Martin Z. getroffen. Im Laufe des Gesprächs hieß es, man wolle den Überfall durchziehen: „Geschäft ist Geschäft!“, so der Wortlaut. Thomas J. und Adrian K. seien hinzugekommen. „Ich habe nur mitgemacht, weil ich unter Drogen stand, anders kann ich es mir nicht erklären“, so Marvin P.

Marvin P. erklärt des Weiteren: „Mir war bereits während der Fahrt klar, dass ich nur im Auto sitzen bleibe und Schmiere stehe, da der Dealer mich, Martin Z. und David B. kennt. Deshalb sind nur Adrian K. und Thomas J. zur Wohnung gegangen.“ Marvin P. könne sich jedoch entgegen der Aussage von David B. daran erinnern, dass dieser sehr wohl im Haus gewesen sei.

Als Adrian K. zum Auto zurück gekehrt sei, habe er gesagt, er habe sich „an der Hand geschnitten“. Marvin P. habe die Schnittwunde gesehen. An die angeblich mehrfache Äußerung, er habe zugestochen, könne sich Marvin P. nicht erinnern. Von Seiten Thomas J.‘s habe es geheißen, sie hätten sich „wehren müssen“. Weder ThomasJ. noch Adrian K. hätten über Verletzte in der Wohnung erzählt. Es war lediglich die Rede davon, dass sich mehrerer Personen in der Wohnung aufgehalten hätten.

An einem Skaterpark habe David B. und nicht er die Geldkassette aufgebrochen. Marvin P. hätte das Geld nur „für das Schmiere stehen“ genommen. Warum er mit 300 Euro das Doppelte von Martin Z. bekam, obwohl der als Fahrer doch wichtig gewesen sei, konnte sich Marvin P. nicht erklären. Auch zum genauen Konsum von Alkohol und Marihuana könne er sich nicht äußern. Es sei jedoch niemand dabei gewesen, der aufgrund dessen massive Ausfallerscheinungen während der Tat gehabt hätte.

Nach Ansicht von Richter Dr. Klaus Weidmann würden sich die Angeklagten „immer mehr in Widersprüche verwickeln“. Laut der Aussage von Marvin P. Sei dieser damit beinahe „unbeteiligt“ gewesen.

Update 15.10 Uhr:Fahrer Martin Z. war „fassungslos und richtig geschockt“

Der dritte Angeklagte, der Fahrer des Fluchtwagens, Martin Z., schildert den Überfall aus seiner Sicht wie folgt: Er habe nach einem ganz normalen Arbeitstag David B. kontaktiert. In welcher Reihenfolge sich die fünf Männer vor dem Supermarkt zum Schmieden des Überfalls getroffen hätten, könne er nicht mehr sagen – nur, dass Adrian K. als letzter hinzu gekommen sei. Die Frage des Richters, ob bei früheren Treffen der Bekannten an der Alz vorab bereits über den geplanten Überfall gesprochen wurde, könne Martin Z. nicht beantworten. 

Auf dem Weg nach Trostberg hätten sie einen Zwischenstopp an der Alzbrücke eingelegt, um einen Joint zu rauchen. Alkohol habe er als Fahrer nicht konsumiert. Während der Fahrt zum Tatort habe Martin Z. mitbekommen, wie einer sagte: „Wenn die Tür aufgeht, hau ich ihm gleich mit der Faust eine rein.“ Martin Z. sagte, das könnte die Aussage von Thomas J. gewesen sein, er sei sich aber nicht mehr sicher. Er habe daraufhin erwidert: „Muss das gleich so hart sein? Warum gleich zuschlagen, das ist doch nicht nötig“. Er habe vergeblich versucht, das Vorhaben zu entschärfen. 

Das zweite Klappmesser habe Martin Z. Adrian K. nach Aufforderung von Marvin P. mitgegeben - diese Aussage sei wahr. Es hätte sich um ein Geschenk aus der Arbeit mit schwarzem Firmenaufdruck gehandelt. Mittlerweile bereue er es sehr, dass er das Messer überhaupt aus der Hand gegeben habe. 

In der Wohnung des Opfers sei er bisher nur ein Mal gewesen, als er mit Marvin P. Marihuana zu kaufen war. Am 27. September habe er die Wohnung nicht betreten, sondern als Fahrer im Auto gewartet. Martin Z. betont immer wieder, er habe „nichts zu melden gehabt“, er habe auch nicht alles hinterfragt. 

Nach der Tat sei Adrian K. als Erster zurückgekehrt, Thomas J. folgte ihm. Adrian K. sei „aufgewühlt“ gewesen und habe mehrmals wiederholt, er habe zugestochen. Martin Z. wisse aber nicht mehr genau, ob Adrian K. sagte, er sei gezwungen worden zuzustechen. 

Er habe aber Blut an der Hand gehabt. Martin Z. sei „fassungslos und richtig geschockt“ gewesen, dass es soweit gekommen sei. Als die drei Autoinsassen gefragt hätten, was genau passiert sei, hätte Thomas J. nur kurz und knapp erwidert: „Passt schon, passt schon! Fahren wir!“ An die Frage nach der Notwendigkeit eines Arztes könne sich Martin Z. nicht erinnern. 

Es sei eine sehr hektische Situation gewesen. An einem Skaterplatz hätten die fünf Männer die Beute verteilt. Marvin P. habe mit einem Hammer die Geldkassette geöffnet, darin hätten sich laut Martin Z. “ziemlich viele Scheine“ befunden. 

Entgegen der Aussage des ersten Angeklagten, des 25-jährigen Adrian K., hätte neben Thomas J. vielmehr Adrian K. denn David B. den größten Teil der Beute erhalten. Marvin P. habe sich ebenfalls einen „erheblichen Anteil“ gesichert. Die drei hätten als „Wortführer beim Aufteilen“ agiert. Er selbst habe 150 Euro und schätzungsweise 15 Gramm Drogen erhalten. Als die Frage aufkam, ob Martin Z. nicht mehr bekäme, hieß es nach Aussage von Martin Z., er sei nur der Fahrer, das sei genug. „Ich hatte eben nichts zu melden“, so Martin Z. abschließend.

Update 13.46 Uhr: Aussage von Angeklagtem David. 

Der zweite Angeklagte David B. (22) äußert sich nun nach Adrian K. zur Tat. Seine Ausführungen weisen jedoch erhebliche Erinnerungslücken auf. Nach ersten Schilderungen habe er am Tattag in der Heimatgemeinde Marvin P. und Thomas J. beim Einkaufen auf dem Parkplatz eines Supermarkts getroffen, es hätte sich ein Gespräch entwickelt.

Dabei sei die Rede immer wieder auf den scheinbar schon länger geplanten Überfall gekommen. David B. erklärte, sie hätten zusammen Bier getrunken, Koks und Marihuana konsumiert. Thomas J. habe gesagt, er könne in die Wohnung einsteigen. Daraufhin habe Marvin P. Adrian K. angerufen, der nach einiger Zeit dazugestoßen sei. Irgendwann seien sie dann im Auto von Martin Z. gesessen, hätten bei Thomas J.‘s Wohnung Sturmhauben und einen Rucksack geholt. David B. habe einen Joint gedreht, den alle gemeinsam mit einem Sixpack Bier konsumiert hätten.

Während der Fahrt in Richtung Trostberg seien die Pläne zum Überfall konkreter geworden. David B. habe sich am Tatort bewusst im Hintergrund gehalten, da er bereits des Öfteren mit dem Dealer in Kontakt getreten sei. Im Treppenhaus sei er „niemals“ gewesen. „Auf keinen Fall“ habe er das Haus des Opfers betreten, auch die Wohnungstür oder die Klingel habe er seinen Komplizen - wider der Aussage von Adrian K. - nicht gezeigt. Er habe beim Vorbeifahren als Beifahrer lediglich von außen gedeutet, dass in der betreffenden Wohnung Licht brenne.

Adrian K. und Thomas J. seien daraufhin losmarschiert um den Überfall zu begehen. Ob Martin Z. oder Marvin P. Adrian K. ein Messer zugesteckt hätten, wisse er nicht mehr sicher. Die drei hätten lediglich im Auto gewartet.

Als Thomas J. und Adrian K. wenige Minuten später aus der Wohnung zurückkamen, sei es plötzlich hektisch geworden: Adrian K. sei als als erster ins Auto gestiegen, blutete und sagte beim Einsteigen: „Scheiße, ich musste zustechen!“ Thomas J. sei kurz nach Adrian K. ins Auto gestiegen. Im Auto sei „wild durcheinandergeredet“ worden, er wisse nicht mehr genau, wer was gesagt habe. Es sei allerdings nie die Rede von einem Krankenwagen gewesen.

In der Heimatgemeinde wieder angekommen, sei die Geldkassette mit einem Hammer aufgebrochen worden. Er wisse nicht, wie viel Geld genau erbeutet worden sei – es sei aber „sehr viel Marihuana in dem Zippbeutel“ gewesen. David B. habe schätzungsweise 100 Gramm bekommen. Die Qualität der Drogen sei „gut“ gewesen. Warum er sich überhaupt bei dem Überfall auf den „Drogendealer seines Vertrauens“ beteiligt habe, könne er nicht beantworten.

Update 12.20 Uhr: Marihuana, 15 Bier und 3 bis 4 Stamperl Wodka konsumiert

Der erste Angeklagte Adrian K. schilderte den Tattag aus seiner Sicht: Demnach hätten sich die fünf „Kumpels“ am Abend des 27. Novembers 2016 in Trostberg getroffen. Der Vorschlag, den Überfall zu begehen, sei nach Meinung von Adrian K. von David B. gekommen. Der hätte den damals 17-jährigen "Dealer abziehen“ wollen und von vorhandenen Drogen sowie einer Geldkassette im Wohnzimmer des Dealers gewusst. Nach Ansicht von Adrian K. habe es Uneinigkeiten gegeben, "weil der Dealer mit dem Preis für Drogen nach oben gegangen ist". Von den Vorplanungen zu der Tat habe er im Vorfeld nichts gewusst.

Am Tatabend seien sie in die Wohnung von Thomas J. gefahren, weil dieser eine Pistole holen wollte. Als er keine gefunden habe, sei er mit einem Klappmesser, einem Rucksack und Sturmhauben zur Maskierung zurückgekommen. In der Wohnung von Adrian K. seien sie nicht gewesen, um Marihuana zu holen – dies sei gelogen. Das Messer habe Adrian K. erst in Trostberg gesehen, über die Mitnahme sei vorher nicht gesprochen worden, zumal David B. behauptet haben soll, das Opfer sei ein „Schwächling und würde sich nicht wehren“.

Adrian K. sei davon ausgegangen, dass der Dealer alleine zuhause gewesen sei. Alle fünf seien zur Wohnung gegangen, um sich vorab ein Bild zu machen. David B. zeigte Thomas J. und Adrian K. die Wohnung des Dealers. Dort habe Licht gebrannt, er habe sich wohl dort aufgehalten. Thomas J. und Adrian K. hätten das Treppenhaus durch die offene Haustür betreten, David B. hätte den beiden Klingel und Wohnungstür gezeigt. Kurz zuvor habe Martin Z. Adrian K. ein zweites Klappmesser zugeschoben. Über einen Einsatz dieses Messers und des Messers von Thomas J. sei jedoch nicht gesprochen worden. Adrian K. habe nicht vorgehabt, das ihm zugesteckte Messer zu benutzen. Er habe geklingelt, es habe ein Mann geöffnet. Er habe gleich erkannt, dass das nicht der Dealer gewesen sei. Thomas J. habe direkt nach Öffnen der Tür sofort zugestochen und das Opfer geschlagen und den sich wehrenden Mann anschließend in die Wohnung geschleift. Adrian K. habe das Messer zu diesem Zeitpunkt noch in der Hosentasche gehabt.

Im Wohnzimmer hätten die beiden zwei weitere männliche Personen angetroffen. Adrian K. habe einen davon als den Dealer erkannt. Die Zielperson sei vorab auf einem Foto gezeigt worden. Den zweiten Mann habe er noch nie gesehen. Als der Dealer mit einer Schreckschusspistole auf Adrian K. gezielt habe, hätte Adrian K. ihn zu Boden geworfen. Im Verlauf der Rangelei habe er versucht, dem Dealer die Pistole aus der Hand zu schlagen, dabei habe sich wohl das Klappmesser geöffnet, welches den Dealer und auch ihn selbst verletzt habe. Adrian K. habe nach eigener Aussage „nie die Absicht gehabt, jemanden absichtlich zu verletzen“.

Während Thomas J. die Geldkassette, das Marihuana und die Schreckschusspistole in den Rucksack gepackt habe, habe Adrian K. auf die am Boden zusammengekauerten Verletzen aufgepasst. Adrian K. sei klar gewesen, dass die Männer verletzt worden waren, er habe aber nicht genauer hingesehen oder in Erwägung gezogen, dass einer hätte sterben könnte. Er hätte sogar noch einen Krankenwagen rufen wollen, was jedoch von den anderen abgelehnt worden sei.

Daraufhin seien sie nach draußen gegangen und zu fünft zurück in die Heimatgemeinde gefahren. Dort hätten sie die Beute aufgeteilt, wobei Thomas J. und David B. den größten Anteil bekommen hätten. Martin Z. hätte den kleinsten Anteil bekommen. Thomas J. hätte die Schreckschusspistole mitgenommen, wo diese jetzt sei, wisse er nicht.

Adrian K. betonte am Ende seiner Ausführungen ausdrücklich, dass er nie jemanden absichtlich habe verletzen wollen. Er sei selbst überrascht gewesen, als Martin Z. ihm plötzlich das Klappmesser zugeworfen hätte. Er habe nicht nachgedacht und aufgrund massiven Alkohol- und Drogenkonsums „keinen klaren Gedanken“ fassen können. 15 Bier und drei bis vier Stamperl Wokda habe Adrian K. konsumiert – dazu Marihuana. Ohne den Konsum hätte er die Tat nach eigener Aussage "nie begangen".

Dr. Klaus Weidmann erkennt in den Ausführungen des 25-jährigen Angeklagten widersprüchliche Angaben im Vergleich zu den Akten. Besonders die „ wundersame Alkoholmehrung in Adrian K.‘s Aussage“ sieht er kritisch: In den Akten sei deutlich weniger Konsum angegeben gewesen, „sonst hätte er ja eine Alkoholvergiftung bei dieser Menge erlitten“. Ausfallerscheinungen wie "Lallen oder Schwanken" habe Adrian K. auf Nachfrage von Dr. Weidmann am Tatabend nicht gehabt.

Nach Ansicht des Richters liefen die Schilderungen von Adrian K. statt der Anklage auf versuchten Mord vielmehr auf fahrlässige Körperverletzung raus. Dafür sprächen Aussagen wie „versehentlich verletzt“ oder „kein absichtlicher Gebrauch des Messers“.

Update 10.50 Uhr: Prozessstart

Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann eröffnet die Sitzung der Jugendkammer als Schwurgericht. Der heutige Tag ist ausschließlich den fünf Angeklagten gewidmet, es sind keine weiteren Zeugen oder kein Sachverständiger geladen.

Der Staatsanwalt verliest die Anklageschrift: Demnach muss aufgrund der Ermittlungen die Initiative von den Angeklagten Marvin P. und Thomas J. mit den Worten: „Das ziehen wir jetzt durch!“ ausgegangen sein. Durch die Mitnahme des Messers war allen fünf Angeklagten aus Sicht der Staatsanwaltschaft bewusst, dass bei dem Raubüberfall Personen verletzt werden können. In der Privatwohnung eskalierte die Situation, in Folge einer Rangelei erlitten die beiden Opfer mehrere schwere Stichverletzungen. Aufgrund der zugefügten Verletzungen nahmen Thomas J. Und Adrian K. ein Ableben ihrer Opfer billigend in Kauf.

Alle fünf Angeklagten sind bereit auszusagen.

Der Richter entscheidet sich, den Prozess nicht mit dem persönlichen Umfeld der Angeklagten zu beginnen. Vielmehr sollen sich die Angeklagten nun nacheinander zu der Anklage der Staatsanwaltschaft und zum Ablauf des Überfalls am 27. September äußern.

Vorbericht

Ein brutaler Messerüberfall ereignete sich am Abend des 27. September 2016 in Trostberg. Insgesamt fünf Täter sollen zwei junge Männer im Alter von 17 und 21 Jahren in einer Wohnung in der Bayernstraße überfallen haben. Das Ziel soll Marihuana und Bargeld gewesen sein. Die Initiative am Tattag ging wohl vom 27-jährigen Marvin P. und vom 29-jährigen Thomas J. aus. 

Weil eine Pistole vermutlich nicht aufzutreiben war, sollen sich die fünf Männer zur Mitnahme eines rund acht Zentimeter langen und etwa eineinhalb Zentimeter breiten Klappmessers entschieden haben. In Trostberg angekommen, sollen die Täter im Alter von 21 bis 29 Jahren ihr Auto in der Nähe des Anwesens abgestellt haben. Der 25-jährige Adrian K. und der 29-jährige Thomas J. haben sich laut der Anklageschrift maskiert und hätten gegen 21.30 Uhr an der Privatwohnung geklingelt. David B., Martin Z. und Marvin P. sollen vor dem Anwesen in der Bayernstraße Schmiere gestanden sein. 

Massive Faustschläge und Stiche 

Als die Tür geöffnet wurde, soll Thomas J. dem ersten Opfer unverzüglich einen Faustschlag ins Gesicht versetzt und ihm das Messer in die linke Brustseite gerammt haben. Anschließend soll er den verletzten jungen Mann in Richtung Wohnzimmer geschoben und die Herausgabe von Geld und Marihuana gefordert haben. Nachdem einer der Geschädigten eine Schreckschusspistole auf Adrian K. gerichtet haben soll, sei die Situation wohl außer Kontrolle geraten: Es kam scheinbar zu einer Rangelei, in deren Verlauf das Opfer zwei Stichverletzungen am Oberkörper und weitere Stiche im Gesicht erlitten haben soll. Um seinem Komplizen zu helfen, soll Thomas J. den Geschädigten zusätzlich geschlagen und ihm die Pistole abgenommen haben. 

Im Wohnzimmer sollen die Täter zwei Beutel mit jeweils etwa 100 Gramm Marihuana, circa 20 LDS-Trips sowie eine Geldkassette mit rund 2.000 Euro gefunden haben. Die Beute sollen sie sie in einem mitgebrachten Rucksack verstaut haben. 

Dass die Opfer durch den brutalen Messerangriff und die massiven Schläge erhebliche oder gar lebensgefährliche Verletzungen davon trugen, hätten die fünf Männer billigend in Kauf genommen. Ansätze, Hilfe für die Geschädigten zu holen, hätten sie unterlassen. Der 21-jährige Martin Z. fuhr nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine Komplizen nach dem Überfall zurück in die Heimatgemeinde, wo die Beute vermutlich aufgeteilt wurde. 

Anklage lautet auf Versuchten Mord

Der 29-jährige Thomas J. und der 25-jährige Adrian K. müssen sich wegen versuchten Mordes in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerem Raub verantworten. Die Komplizen, der 22-jährige David B., der 21-jährige Martin Z. und der 27-jährige Marvin P., stehen wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit besonders schwerem Raub vor Gericht. Der Prozess beginnt am Dienstag, 20. Juli, um 9 Uhr, sieben weitere Verhandlungstage sind angesetzt. Das Urteil wird für 4. August erwartet.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Gerichtssaal berichten.

mb

Quelle: chiemgau24.de

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