Augen-Frage ungeklärt: Prozess wird vertagt

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Dem 24-jährigen Angeklagten wird versuchter Totschlag vorgeworfen.
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Traunstein/Burghausen - Am Dienstag hat sich ein 24-jähriger Burghauser vor dem Schwurgericht verantworten müssen. Ihm wird versuchter Totschlag zur Last gelegt, der Prozess wurde vertagt.

Update 17.15 Uhr

Aus medizinischer Sicht kann offenbar nicht jedes Detail des Vorfalls ergründet werden. Wie eine Sachverstandige erläuterte, könne anhand der medizinischen Untersuchung des mutmaßmaßlichen Opfers weder bestatigt noch widerlegt werden, dass der Angeklagte dem 47-Jährigen die Daumen in die Augen gedrückt habe. Schon das mutmaßliche Opfer hatte am Vormittag eingeräumt, dass es dies nur gefolgert hatte, weil es während der Auseinandersetzung nichts mehr gesehen habe.

Nachdem ein weiterer Sachverstandiger gehört wurde, hat das Gericht den Verhandlungstag beendet. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Update 16.20 Uhr

Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der noch vor Polizei und Rettungsdienst am Ort des Geschehens war, schilderte am Nachmittag ebenfalls seine Eindrücke. Als er an den Tatort kam, habe das mutmaßliche Opfer noch am Boden gelegen. "Ich habe gedacht, der lebt nicht mehr", so der Zeuge über seinen ersten Eindruck. Außerdem habe er eine "unübersehbare Blutlache" gesehen. Das mutmaßliche Opfer habe zwar noch geatmet, sei allerdings erst nach zehn bis zwölf Minuten ansprechbar gewesen.

Update 15.55 Uhr

Die drei jungen Frauen, die den Angeklagten in der Nacht des Vorfalls ebenfalls begleiteten, konnten wenig Erhellendes beitragen. Sie erklärten, sie könnten sich nicht mehr genau an den Vorfall erinnern. Ihre Aussagen bei der Polizei waren hingegen noch weit detaillierter gewesen. Die Zeuginnen konnten vor Gericht nicht sagen, ob zum Beispiel eine von ihnen "Hör auf, du bringst ihn ja um" gerufen hat. Das Gericht machte keinen Hehl daraus, dass man sich genauere Angaben gewünscht hatte.

Update 15.50 Uhr

Der 25-jährige Begleiter des Angeklagten hat soeben seine Aussage gemacht. Nachdem der Angeklagte das Fahrrad auf das Zelt geworfen hatte, seien der Angeklagte und seine Begleiterinnen weggelaufen. Er selbst sei normal weitergegangen, weil er mit dem Vorfall ja nichts zu tun gehabt habe. Das mutmaßliche Opfer sei an ihm vorbeigelaufen und, als der 47-Jährige den Angeklagten erreicht habe, sei er selbst 50 bis 150 Meter entfernt gewesen.

Der 25-Jährige schilderte weiter, es habe "einen Klatscher gemacht" und beide Männer hätten am Boden gelegen. Zunächst habe das mutmaßliche Opfer "mehr oder weniger" oben gelegen. Daraufhin habe es ein Handgemenge gegeben. "Es waren schnelle Bewegungen mit der Hand von beiden Seiten", so der Zeuge. Ob das mutmaßliche Opfer zugeschlagen habe, könne er aber nicht sagen.

Als nach einer Rolle der Angeklagte oben war, habe dieser das mutmaßliche Opfer geschlagen und dessen Kopf drei bis vier Mal ruckartig nach unten gedrückt. "Mir ist das sehr grausam erschienen", so der Zeuge. Er habe Angst gehabt, dass etwas Schlimmeres passiert.

Der 25-Jährige erklärte weiter, er habe versucht, die Männer zu trennen. Dabei sei er sehr stark vom mutmaßlichen Opfer gebissen worden, weshalb er mit der linken Hand gegen den Kiefer des mutmaßlichen Opfers geschlagen habe. Der 47-Jährige habe immer noch nicht von dem Finger abgelassen, so dass er ihm zwei Mal in die Rippen getreten habe, so der Zeuge.

Als nach dem Vorfall die Freundin des mutmaßlichen Opfers dazukam, seien er und der Angeklagte noch da gewesen. Der 25-Jährige erklärte, er wollte einfach nur noch weg und habe sich selbst nicht als Aggressor gefühlt. Er habe auch nicht den Eindruck gehabt, dass der 47-Jährige ins Krankenhaus müsse.

Update 12.25 Uhr

Sichtlich aufgewühlt hat die Freundin des mutmaßlichen Opfers, die ebenfalls im Zelt geschlafen hatte, den Vorfall aus ihrer Sicht geschildert. Nachdem das Fahrrad das Zelt getroffen hat, sei der 47-Jährige sofort hinausgerannt. Als seine Freundin noch damit beschäftigt war, das Fahrrad vom Zelt zu räumen, habe sie jemanden "Hör auf" rufen hören. Erst später habe sie gemerkt, dass das ihr Freund war. "Ich habe ihn auf diese Art und Weise noch nie rufen hören."

Als sie ihren Freund erreichte, sei alles voller Blut gewesen. "Die Mädels standen aufgelöst daneben", so die 43-Jahrige. Die zwei Männer (der Angeklagte und der Zeuge, der in den Finger gebissen worden war, Anm. d. Red.) seien weggegangen. "Sie gingen, sind einfach gegangen", schilderte die 43-Jährige mit tränenerstickter Stimme.

Sie habe die Männer aufhalten wollen, schließlich gehe man nach so einem Vorfall nicht weg. Als sie die Männer eingeholt hatte, habe der Angeklagte einfach nur dagestanden - die Hände voller Blut. "Das ist ein Bild, das werde ich nicht vergessen."

Auf ihre Aufforderung, nicht wegzugehen, habe der Begleiter des Angeklagten gesagt: "Du hast uns überhaupt nichts zu sagen." Schließlich seien die beiden "in aller Seelenruhe" gegangen.

Die Verhandlung wird am Nachmittag fortgesetzt.

Update 12.00 Uhr

Das mutmaßliche Opfer hat soeben ausgesagt. Der 47-Jährige gab an, der 24-jährige Angeklagte habe noch gestanden, nachdem er ihn geschubst hatte. Außerdem habe er den Angeklagten nicht geschlagen. Allerdings könne es sein, dass er ihn im Gerangel getroffen habe.

 In unregelmäßigen Abständen habe er massive Kopfschmerzen und müsse schon nach einer halben Stunde aufhören, wenn er am PC arbeite. Zudem musste er aufgrund von Beschwerden an der Hand seine Tätigkeit als Masseur aufgeben. Inzwischen hat er allerdings einen neuen Beruf gefunden. "ich bin glücklich damit", so das mutmaßliche Opfer. Finanziell sei der berufliche Wechsel allerdings ein Nachteil.

Update 10.50 Uhr

Der Angeklagte befand sich während des Vorfalls in Begleitung mehrerer Freunde. Einer von ihnen hat sich in die Auseinandersetzung eingemischt und ist vom mutmaßlichen Opfer in den Finger gebissen worden. Ein Polizist, der in die Ermittlungen eingebunden war, sagte vor Gericht aus, dass das mutmaßliche Opfer damals erklärt habe, dass es Todesangst gehabt habe, als es eine dritte Hand im Gesicht gespürt hat.

Update 10.40 Uhr

Die Aussage des Angeklagten weicht in einigen Punkten von der Anklage ab. So habe er dem Opfer keinesfalls die Daumen in die Augen gedrückt. "Das ist definitiv nicht passiert", sagte der Angeklagte.

Update 10.15 Uhr

Nun hat sich der Angeklagte zu den Vorwürfen geäußert. Dass er ein Fahrrad gegen das Zelt des 47-jährigen Opfers geworfen habe, räumte er ein und bezeichnete diese Tat als "ziemlich dumm". Er habe allerdings nicht angenommen, dass sich jemand in dem Zelt befand. Anschließend seien er und seine Begleiter zunächst weggelaufen und dann normal weitergegangen. Plotzlich sei er von hinten umgerannt worden und habe "Schläge kassiert", so der Angeklagte. Das Opfer habe anschließend auf ihm gelegen, woraufhin er den 47-Jährigen von sich heruntergerollt habe. Der Angeklagte erklärte weiter, er habe aufstehen und den Mann auf dem Boden halten wollen, weshalb er mit einer Hand gegen den Kopf des Opfers gedrückt habe. Er habe "Stop, das tut weh" gerufen, woraufhin er von ihm abgelassen habe und erneut angegriffen worden sei,. Der 24-Jahrige erklärte vor Gericht, dass er dachte, er habe in der anschließenden Auseinandersetzung selbst aufgehört. Nun geht er jedoch davon aus, dass er "wohl doch runtergezogen" wurde. Insgesamt habe er den Eindruck gehabt, es sei "nicht so heftig" gewesen. Allerdings sei nach dem Vorfall schon klar gewesen, "dass man ein bisschen überreagiert hat".

Update 9.30 Uhr

Soeben hat der Staatsanwalt die Anklageschrift verlesen. Dieser zufolge soll der Angeklagte vor der Tat eine nicht unerhebliche Menge Alkohol konsumiert haben. Der Staatsanwalt geht außerdem davon aus, dass der Angeklagte bei der Tat den Tod des 47-jährigen Opfers zumindest billigend in Kauf genommen hätte. Alleine dem Umstand, dass der Zeuge einen Haarzopf getragen hat, dürfte es zu verdanken sein, dass er nur relativ geringe Verletzungen erlitten habe, so der Staatsanwalt.

**innsalzach24 ist für Sie im Gerichtssaal und berichtet aktuell vom Prozess**

Vorbericht:

Es war schon nach 4 Uhr morgens, als Mitte Juli ein 24-jähriger Burghauser auf dem Heimweg von einer langen Partynacht mit einem Mann in Streit geraten sein soll: Als der 24-Jährige an einem Zelt vorbeikam, soll er ein Fahrrad gegen die Zeltwand geschleudert haben. Im Innern schlief ein Mann, der von dem Vorfall geweckt wurde und den Burghauser zur Rede stellen wollte. Völlig unvermittelt, so lautet der Vorwurf, soll der 24-Jährige den 47-jährigen Mann attackiert haben.

Er soll ihn am Kopf gepackt und seine Daumen in beide Augen gedrückt haben. Anschließend soll der 24-Jährige den Kopf des inzwischen am Boden liegenden Mannes mehrmals auf den Asphalt geschlagen haben. Der Burghauser soll erst von dem Mann abgelassen haben, als ihn Zeugen wegzogen.

Das 47-jährige Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung, zahlreiche Prellungen und Schürfwunden sowie eine Platzwunde und verbrachte mehrere Tage im Krankenhaus. Dienstagvormittag beginnt der Prozess gegen den 24-Jährigen vor dem Schwurgericht am Landgericht Traunstein. Ihm wird versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt.

Quelle: innsalzach24.de

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