Ruhpoldingerin abgezockt?

Mutmaßlicher Schlüsseldienst-Betrüger pfeift aufs Gericht - Haftbefehl

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Traunstein/Ruhpolding - Eine Ruhpoldingerin sperrte sich aus, rief den Schlüsseldienst und wurde abgezockt - der Mann war wegen Betrugs angeklagt und wird inzwischen per Haftbefehl gesucht. 

Der 24-Jährige aus Essen hätte am Dienstag eigentlich vor dem Traunsteiner Amtsgericht erscheinen müssen - die Anklage lautete auf Betrug. Weil der Mann aber nicht erschien wird er nach Angaben des Amtsgerichtes nun per Haftbefehl von der Polizei gesucht.

Was war passiert? Im Mai 2017, es war ein Montagabend, sperrte sich eine Ruhpoldingerin aus, der Schlüssel steckte innen in der Tür. Über eine 0800er-Hotline rief sie einen Schlüsseldienst, der Mitarbeiter war eine halbe Stunde später auch an Ort und Stelle. Der 24-Jährige bohrte den Schließzylinder heraus und setzte einen neuen ein. Preis: 700 Euro laut Anklage.

Die Ruhpoldingerin weigerte sich dann aber, das zu zahlen - also sei ihr laut Staatsanwaltschaft eine neue Rechnung ausgestellt worden, diesmal waren es "nur" noch 396,86 Euro. Laut Anklage sei dem Mann bewusst gewesen, dass ein ortsansässiger Schlüsseldienst höchstens die Hälfte verlangt hätte. Wieder weigerte sich die Ruhpoldingerin, doch dann soll ihr der 24-Jährige gedroht haben, den Schlüssel aus dem neuen Schloss abzuziehen - der Frau wäre also wieder ausgesperrt gewesen.

Angesichts dieser Situation unterschrieb die Ruhpoldingerin. Mangels ausdrücklicher Vereinbarung wäre laut Anklage aber nur der übliche Rechnungsbetrag abzurechnen gewesen, etwa die Hälfte. Um den darüber gehenden Rechnungsbetrag habe sich der Angeklagte bereichert. 

Wehren Sie sich gegen Abzocke 

Erst Anfang Januar hatten wir von einer Leserin aus Bad Feilnbach berichtet, die ebenfalls von einem Schlüsseldienst abgezockt wurde. Sie musst 1000 Euro zahlen. Verbraucherschutz.de teilt mit, dass man sich gegen Schlüsseldienstabzocke durchaus wehren kann: "Ein Verbraucher kann teure und unnötige Sachbeschädigungen einer lediglich zugefallenen Tür auch nachträglich anfechten, so der Sachverständige Uwe Sarfeld.

Wichtig: Das gilt sogar dann, wenn man vor Ort sein Einverständnis zur Maßnahme gegeben hat! Denn, wie Sachverständiger Uwe Sarfeld feststellt: „Wenn ein Schlüsseldienst einem ausgeschlossenen Kunden eine überflüssige und kostenintensive Maßnahme wie das Herausbohren des Türzylinders und den Austausch davon vor Ort als einzige Möglichkeit aufschwatzt und der Kunde im Eifer des Gefechts und zwischen Tür und Angel zustimmt, dann fällt das unter ‚Ausnutzung einer Zwangslage‘ und ist im Zweifelsfall auch vor Gericht anfechtbar.“

Was kostet eine Türöffnung? Die Verbraucherzentrale hat in einer Umfrage 600 Schlüsseldienste bundesweit nach den Preisen für eine einfache Türöffnung gefragt. Die Ergebnisse hat sie pro Bundesland in einen Durchschnittspreis umgerechnet. Das Ergebnis: Eine Türöffnung an Werktagen kostet laut Befragung in Bayern durchschnittlich 71,02 Euro, nachts durchschnittlich 118,91 Euro.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Hol ger Hollem

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