Vorträge zum Schutz vor Hackern und Datendieben

IT-Profis meinen: "Hacken kann jeder!"

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Traunstein - Am Dienstag fanden in der Staatlichen Berufsschule I Vorträge unter dem Motto "Live Hacking - wo lauern die Gefahren im Internet?" statt. IT-Profis machten klar, wie einfach es ist, an nicht genug geschützte Daten zukommen.

Die Hacker kommen. Dass sie nicht nur kommen, sondern auf so manchem Computer längst schon da sind und mit ihren eingeschleusten Programmen Schaden anrichten, dürfte wohl den meisten deutlich geworden sein, die sich einen der beiden Vorträge anhörten, die in der Staatlichen Berufsschule I in Traunstein am Dienstag unter dem Motto "Live Hacking – wo lauern die Gefahren im Internet?" stattfanden. 

Visuell eindrucksvoll und vom Vortragsstil gut und ansprechend aufgemacht, zeigten die Fachleute einer Technologiefirma auf, dass es oft mit einfachen Mitteln möglich ist, an nicht genug geschützte Daten und Informationen der Internetnutzer heranzukommen.

Und auch das Mobiltelefon ist beim Datenklau längst ins Visier der Hacker geraten. Privatpersonen – wie zuletzt auch beim großangelegten Angriff auf bundesweit eingesetzte Router – seien genauso betroffen, wie Firmen oder auch Staaten. Auch der Deutsche Bundestag war jüngst Opfer eines schweren Cyberangriffs, mit immer noch nicht ganz klarem Ausmaß des Schadens. In Deutschland geht man von einem jährlichen Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe aus.

IT-Profis Sauter und Methler leiteten den Vortrag

Eingeladen hatten das BayernLab, das kürzlich in den Räumlichkeiten des Vermessungsamts in Traunstein eröffnet wurde, sowie die BS I. Die beiden IT-Profis Mario Sauter und Christoph Methler von der Offenburger Firma Consectra machten deutlich, dass die Computer-Einbrecher heute zumeist leichtes Spiel haben: "Hacken kann jeder." 

Trojaner könne man für rund 250 Euro auf dem Markt legal kaufen, Programme dazu würden weitgehend öffentlich angeboten. So manches Mal sei das Motto "Jugend forscht" da unter anderen Vorzeichen zu sehen – ist die PC Technik doch auch eine Domäne Jugendlicher und junger Erwachsener.

Vorträge zum Schutz vor Hackern und Datendieben

"Es gibt kein sicheres Datenformat"

Dass heute in Büro und privatem Umfeld vielfältige Gefahren in Sachen geklauter Daten – verbunden oft mit einem hohen finanziellen Schaden für die Geschädigten - bestehen, zeigten die beiden beim ersten E-Mail auf, das als klassisches "Phishing-mail" nicht leicht zu erkennen war, und dem Hacker die Zugangsdaten zu wichtigen Daten auf dem Computer des Opfers brachte. "Es gibt kein sicheres Dateiformat!" machten die beiden anhand des gezeigten Beispiels deutlich, bei dem der Geschädigte einen scheinbar ungefährlichen Anhang im pdf-Dateiformat geöffnet hatte, in Wirklichkeit dabei jedoch Schadsoftware auf seinem Computer installiert hatte.

Die Fachleute, die Stellenweise an zwei Komiker erinnernd, die trockene Thematik mit viel Humor aufgelockert darbrachten, sensibilisierten dazu, sich zwingend auf dem eigenen Computer aber auch auf dem Handy einen Virenscanner zu installieren und diesen regelmäßig zu aktualisieren. Auch die Firewall des Computers müsse ebenso auf "online" geschaltet sein, wie auch die diversen Arbeitsprogramme regelmäßig auf neue Aktualisierungen überprüft werden sollten.

Mit Facebook Nutzung vorsichtig umgehen

"Bei Facebook bin ich kein Kunde, ich bin das Produkt." hieß es von Seiten der Fachleute. Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass man mit der Nutzung viel von seiner Privatsphäre aufgebe. Fotorechte würden beispielsweise auf den Anbieter übergehen, der diese beliebig weiterverkaufen könne. "Dann macht ihr vielleicht Werbung für die NPD." sensibilisierten die IT-Techniker die überwiegend jungen Zuhörer. Auch in der Arbeitswelt zeige Facebook so seine Tücken. Könnten Arbeitgeber das soziale Netzwerk durchaus doch auch im Rahmen von Einstellungsgesprächen oder auch bei Krankheitsmeldungen der Mitarbeiter prüfen.

Dass die Betrüger immer findiger in ihren Ideen zum Datenklau werden, zeigten die IT-Profis mit eindrucksvollen Beispielen bei der Nutzung von fremden Fotokameras, die die gleiche Schadsoftware platzieren können, wie ein oft "zufällig" gefundener USB-Stick oder ein MP3-Player der allzu sorglos in den eigenen Rechner gesteckt werde.

Passwörter: Lang und einfallsreich

Dass der Phantasie beim vergeben von Passwörtern keine Grenzen gesetzt sein sollten, machten die beiden alleine dadurch deutlich, dass Passwörter – im Nachgang zur Eingabe kryptisch verschlüsselt – mit einschlägigen Programmen innerhalb von Sekunden zurück gerechnet und "geknackt" werden könnten. Braucht man da ein vierstelliges Passwort nur wenige Sekunden  steigt es in der Duplizierung der vielfältigen optionalen Möglichkeiten bei einer sechzehnstelligen Geheimzahl auf die zumindest unter zeitlichen Aspekten risikolose Große von über drei Milliarden Jahre.

Kopfschüttelnd stellte im Wechselspiel "Guter und böser Techniker" der den Hacker spielende Christoph Methler fest, dass sein Opfer (in dem gespielten Fall Mario Sauter) seine Passwörter doch tatsächlich in Klartext auf dem gehackten Rechner gespeichert hatte – ein Königreich für den gespielten Bösewicht. Als zentrale Schaltstelle machten die Beiden die Email Adresse aus. Könne doch jeder, der dieses Passwort geknackt hat, auch alle anderen Passwörter bei Amazon, Ebay und Co. sich neu vergeben, indem er sich ein neues Passwort unter dem Hinweis, dass man das alte vergessen habe, zusenden lassen.

Abhörprogramm kann einfach installiert werden

Dass – ganz in CIA-Manier – auch auf Mobiltelefonen ohne großen technischen Aufwand eine Mithörfunktion installiert werden könne passte da gut ins Bild, dass das unbefugte und zum Teil strafbare Ausspähen und Mithören keine riesigen Abhöranlagen erfordere, sondern nur das richtige, unsichtbare Programm und der physische kurzzeitige Zugriff auf das Mobiltelefon.

Ausgehend von den USA, wo es zur gegenseitigen Überwachung von Ehepaaren und der Kontrolle über Kinder und Angestellte in Mode gekommen ist, könne man das Abhörprogramm auch in Deutschland ohne Probleme installieren, wobei die Gesetzeslage nur die Kontrolle der eigenen minderjährigen Kinder zulässt. "Das Smartphone nie unbeaufsichtigt lassen und nicht weitergeben." war die Empfehlung der beiden Techniker. Ein Virenscanner für das Mobiltelefon sei genauso zu empfehlen und wie für den Computer und in der heutigen Zeit unerlässlich.

Vorsicht vor ungeschützten Benutzen

Am Ende des knapp dreistündigen Vortrages, der durch eine Reihe von Comic-Gags unterhaltsam und informativ zugleich bleib, wurde deutlich, dass allzu blauäugiges und ungeschütztes Benutzen von PC, Handy und Co. im Geschäftsleben wie auch privat meist ein böses Erwachen bringt: Sei es nur der Datenklau, zumeist verbunden mit einem aufgeweichten Schutz der Privatsphäre oder auch der direkte finanzielle Schaden durch unberechtigten Zugriff auf Bankkonten oder sonstige im Internet verfügbare und genutzte Zahlungsmittel.

awi

Quelle: chiemgau24.de

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