Prozess: Baby fast tot geschüttelt 

Urteil gegen Kolbermoorer: Verteidigung legt Revision ein

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ein 40-jähriger (r.) muss sich wegen schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht Traunstein verantworten
  • schließen

Traunstein - Seit Montag muss sich ein 40-jähriger Kolbermoorer vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Er soll im August 2015 seinen damals sechs Monate alten Sohn fast zu Tode geschüttelt haben. Nun ist das Urteil gefallen:

UPDATE, 22.15 Uhr: 

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Wie Verteidiger Harald Baumgärtl gegenüber Radio Charivari sagte, hat er bereits Rechtsmittel dagegen eingelegt. 

Eine Haftstrafe doppelt so hoch wie von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefordert, gebe Anlass zum Nachdenken. Nachdem nun Revision eingelegt wurde, wartet Baumgärtl nun auf die schriftliche Urteilsbegründung. Damit rechnet er in den nächsten fünf Wochen. 

Anschließend hat die Verteidigung wiederum einen Monat Zeit die Revision zu begründen. Sind all diese Schritte durchlaufen, geht der Fall zum Bundesgerichtshof.

UPDATE, 12.05 Uhr - Das Urteil ist gefallen

Der Vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel verliest das Urteil: „Der Angeklagte ist schuldig und wird zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt", so der Richter. 

"Ohne Geständnis wäre es zu einer deutlich höheren Freiheitsstrafe gekommen. Sie haben ihrem Kind ein ganz normales Leben genommen. Das Strafmaß ist daher die allerunterste Grenze."

UPDATE, 11.40 Uhr - Plädoyer Verteidigung

Rechtsanwalt und Verteidiger Harald Baumgärtl könne zwar emotional die Worte der Mutter verstehen, weist in seinem Plädoyer aber darauf hin, sich ganz klar an das Strafgesetzbuch zu halten. Der Beschuldigte habe nach Baumgärtl nicht mit Vorsatz gehandelt, sich nach zwei bis drei Sekunden wieder besonnen und die Rettung verständigt. „Das war ein Sekundenversagen, aber keine lange Misshandlung. Wir haben ein Geständnis ohne wenn und aber, das nicht als Zweckgeständnis abgetan werden kann“, so der Anwalt. 

Er fordert für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von vier Jahren

Die letzten Worte des Angeklagten vor Gericht: „Es tut mir unendlich leid, was ich meinem Kind angetan habe, das kann ich nie wieder gut machen." Das Urteil wird gegen Mittag erwartet.

UPDATE, 11.30 Uhr: Plädoyer Nebenklagevertretung

„Das Geständnis ist aus Sicht der Nebenklage zwar zur Kenntnis zu nehmen, dieses Geständnis ist jedoch ein Zweckgeständnis. Es diene einzig dem Angeklagten", so Nebenklagevertreter Maximilian Kaiser aus Landshut in seinem Plädoyer. Die Nebenklage sei der Auffassung, dass die Kausalkette eine ganz andere gewesen wäre, hätte der Beschuldigte gleich bei Eintreffen des Notarztes angegeben, das Baby geschüttelt zu haben.

Im Anschluss an das Plädoyer des Nebenklagevertreters ergriff die Mutter das Wort und wandte sich an das Gericht: „Er hat sein Kind fast umgebracht. Dass er jetzt ein Geständnis ablegt, hat er nur getan, damit das Strafmaß geringer ausfällt. Er hätte so viel Vater sein müssen und das gleich zugeben müssen. Vier Jahre Haft sind für mich ein Witz. Er hat zwar den Notarzt gerufen, aber danach hat er die Hilfe verweigert und es nicht zugegeben."

UPDATE, 11.20 Uhr - Plädoyer Staatsanwaltschaft

"Die Beweislage hat die Anklage vollends bestätigt. Der Angeklagte hat auch ein umfängliches Geständnis abgegeben. Die ursprüngliche Aussage des Beschuldigten wurden durch das Gutachten des Herrn Prof. Penning widerlegt", so der Staatsanwalt resümierend. Als Motiv habe der Angeklagte angegeben, dass ihm der Geduldsfaden gerissen sei. „Es liegt hier ein rohes Misshandeln vor. Der Kopf peitschte mehrfach vor und zurück. Dass hier schwere Verletzungen entstehen können, war für den Angeklagten nach kürzester Zeitspanne offensichtlich, dennoch hat er weiter gemacht, auch wenn er sich über die Gefahren des Schüttelns bewusst war.“ 

Nach Auffassung des Staatsanwaltes habe eine konkrete Gefahr des Todes vorgelegen, die der Angeschuldigte billigend in Kauf genommen habe. Im Hinblick auf die konkrete Gefährdung hält der Staatsanwalt die Tat für vorsätzlich. „Das Kind wird Zeit seines Lebens überhaupt nichts können, was einen normal entwickelten Menschen in irgend einer Form ausmacht.“ Der hier maßgebliche Strafrahmen liege bei einem bis 15 Jahren. Zu seinen Gunsten spreche das vollumfängliche Geständnis. Man müsse auch berücksichtigen, dass er das Kind zuvor nie misshandelt habe und unmittelbar nach der Tat Rettungsmaßnahmen einleitete und sich weiter um sein Kind kümmerte. 

Der Staatsanwalt fordert eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten Haft.

UPDATE, 10.30 Uhr:

"Was der Angeklagte aussagte, ist meiner Meinung nach voll konsensfähig", so Penning. Der Professor legte dem Gericht mehrere mögliche Ursachen für das Verletzungsbild des Kindes dar. Alle anderen Möglichkeiten könnten laut Gutachter jedoch ausgeschlossen werden: "Eine medizinisch sinnvolle Erklärung gibt es außer dem Schütteln nicht." Der Mediziner vermutet, dass der Angeschuldigte sein Kind für etwa zwei bis drei Sekunden lang geschüttelt hat. Eindeutige Angaben über die Dauer könne er jedoch nicht machen. Die Verletzungen stufte er als unmittelbar lebensgefährlich ein. 

Nach einer Pause werden die Plädoyers gehalten.

UPDATE, 10 Uhr:

Auf dem Plan steht am Dienstag zunächst das Gutachten von Prof. Randolph Penning, Professor für Rechtsmedizin. Vor der Verlesung des Gutachten meldet sich der Angeklagte zu Wort: „Ich möchte sagen, wie es war. Ich wollte meinem Sohn die Schuhe anziehen und da hat er sich schon die ganze Zeit gewehrt und geschrien und ist mit dem Kopf nach vorne gefallen und dann habe ich für eine Sekunde die Fassung verloren und habe ihn geschüttelt. Es tut mit leid." 

Bei dieser Aussage bricht die anwesende Mutter in Tränen aus. "Ich möchte nicht mit einer Lüge weiter leben, momentan ist das Leben für mich eh mehr oder weniger sinnlos", so der Angeklagte zu seiner Aussage.

Der Vorbericht:

Im August 2015 soll ein Kolbermoorer (40) mit seinem damals sechs Monate alten Sohn alleine in der Wohnung gewesen sein. Laut Ansicht der Staatsanwaltschaft habe der Mann dabei das Kleinkind gepackt und geschüttelt.

Die Folge für das Baby: Ein schweres Schütteltrauma. Der Sohn ist seither schwerst behindert und so gut wie blind. Der Bub habe sich nach der Tat sogar in akuter Lebensgefahr befunden.

Seit Montag muss sich der Angeklagte daher vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Dem 40-Jährigen wird schwere Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen.

Der erste Verhandlungstag

Der Angeklagte sagte am ersten Verhandlungstag aus und räumte ein, das Kind geschüttelt zu haben, allerdings aus der Not heraus. Der Säugling sei im Gesicht blau angelaufen und habe schwer Luft bekommen. Daher sei er davon ausgegangen, er habe etwas verschluckt und habe ihn dann aus der Panik heraus geschüttelt.

Am Dienstag wird ein weiterer Gutachter aussagen. Das Urteil wird ebenfalls am Dienstag erwartet.

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser