Video: Missbrauch - Bewährung für Vater

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Traunstein - Ein Mann aus dem Landkreis Altötting stand heute vor Gericht. Ihm wurde zur Last gelegt, seine Tochter und Stieftochter in mehreren Fällen sexuell missbraucht zu haben. Nun fiel das Urteil. **NEU: Video**

 

15.30 Uhr: Das Urteil

Das Gericht hat den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem muss sich der Angeklagte in der Fachambulanz für Sexualstraftäter in München behandeln lassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskraftig.

Wie der vorsitzende Richter ausführte, kam dem Angeklagten zugute, dass er geständig war und nicht vorbestraft ist. Zudem habe er niemals Gewalt angewendet. Er habe die Grenzsetzung der Kinder akzeptiert, wenn diese gesagt haben "ich mag nicht mehr", so der Vorsitzende. Außerdem bewegten sich die Folgen für die Opfer "im üblichen Rahmen oder sogar darunter".

Dass es zu Mundverkehr gekommen war, sah das Gericht als nicht erwiesen an. Der Angeklagte hatte vor Gericht lediglich ein mögliches kurzes Eindringen um wenige Zentimeter eingeräumt. Entscheidend dafür war die Aussage der Stieftochter, die in den polizeilichen Vernehmungen "nur" von einem Kuss auf das Glied des Angeklagten gesprochen hatte.

"Alles gute und nie mehr!" waren die letzten Worte, die der Vorsitzende dem Angeklagten mit auf den Weg gab.

14.00 Uhr: Die Plädoyers

Anklage, Verteidigung und Nebenklage haben soeben ihre Plädoyers vorgetragen. "Was hier auffällt, sind die Häufigkeit der Taten und der lange Zeitraum, in dem die taten stattgefunden haben", sagte der Staatsanwalt, der besonders "die subtile Art und weise" im vorgehen des angeklagten kritisierte. Ein "Damoklesschwert" habe der angeklagte schließlich auf sich geladen, als er auch noch seine eigene Tochter missbrauchte. "Das Kind ist völlig verstört - bis heute", so der Staatsanwalt.

Der Ankläger geht zudem davon aus, dass es in einem Fall zu Oralverkehr kam, also schwerer sexueller Missbrauch vorliegt. "Meines Erachtens gibt's da keinen Zweifel", so der Staatsanwalt. Er forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe in Höhe von drei Jahren und sechs Monaten.

Der Nebenklagevertreter zeigte sich erleichtert, dass sich die leibliche Tochter des angeklagten ihrer Mutter anvertraute: "Wer weiß, was noch alles passiert wäre?" Die Höhe der Strafe stellte der Nebenklagevertreter ins Ermessen des Gerichts. Auch er geht davon aus, dass es zu Oralverkehr gekommen ist.

Der Verteidiger des Angeklagten erklärte, es liege kein besonders schwerer Fall sexuellen Missbrauchs vor, weil es zu keinem Mundverkehr gekommen sei. Positiv ist aus Sicht der Verteidigung, dass der Angeklagte keinerlei Vorstrafen hat und voll geständig sei. Damit hatte er den Mädchen eine Aussage vor Gericht erspart. Außerdem habe ihn die U-Haft "nachhaltig beeindruckt". Der Verteidiger beantragte für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung.

Das Gericht hat sich zur Beratung zurückgezogen.

12.50 Uhr: Gutachter spricht vor Gericht

Nun hat der psychiatrische Gutachter seine Aussage gemacht. Der Experte konnte bei dem Angeklagten keine verminderte Schuldfahigkeit feststellen. Der sexuelle Missbrauch ist für ihn eine Konsequenz aus dem Konsum kinderpornographischen Materials.

An der Therapeutin des Angeklagten äußerte der Gutachter deutliche Kritik. Diese sei eine Heilpraktikerin und deshalb nicht in der Lage, den Angeklagten zu therapieren. "Wenn ich eine Pneumonie habe, gehe ich auch nicht zur Heilpraktikerin", so der Fachmann.

12.25 Uhr: Leibliche Tochter hat Angstzustände

Die leibliche Tochter des Angeklagten hat offenbar noch immer mit den Folgen der Tat zu kämpfen. "Die schulischen Leistungen sind abgesackt", so die Mutter, die soeben vor Gericht ausgesagt hat. "Sie hat Angstzustände, dass er sie erwischt, auch weil sie erfahren hat, dass er aus der U-Haft entlassen ist." Bald nach der Tat sei sie mit ihrer Tochter bei einem Therapeuten gewesen, so die Frau. Dieser habe gesagt, das Mädchen brauche keine Therapie, weil es damit umgehen könne.

12 Uhr: Angeklagter entschuldigt sich unter Tränen

Mit tränenerstickter Stimme hat der Angeklagte Worte der Entschuldigung und des Bedauerns an seine Ehefrau gerichtet: "Es tut mir unheimlich leid, was ich allen angetan habe. Das einzige, was ich möchte, ist, dass ich mich bei den Mädels entschuldige. Ich wollte das keiner von ihnen antun. Es tut mir einfach leid."

11.55 Uhr: Aussage der Ehefrau und Mutter

Die Ehefrau des Angeklagten und Mutter der Stieftochter hat nun vor Gericht ausgesagt. Das Mädchen sei nicht in Therapie, weil die Ärzte diese aufgrund der guten Verfassung des Kindes abgelehnt hätten. Die Frau erklärte, sie habe Kontakt zu dem Angeklagten, auch um ihm den Umgang mit den gemeinsamen Söhnen zu ermöglichen. Auch ihre Beziehung zu dem Angeklagten sei nicht beendet und eine Scheidung nicht geplant. Allerdings sagte die Frau, sie könne sich nicht vorstellen, wieder mit dem Angeklagten zusammenzuleben.

Die Stieftochter vermisse "den Papa", so die Frau weiter. Auf Nachfrage des Gerichts räumte sie allerdings ein, dass sie kein uneingeschränktes Vertrauen mehr in ihren Ehemann habe, dass er das Mädchen nicht noch einmal anfasse. Andererseits befürchtet sie, dass ihre Tochter Schuldgefühle entwickeln könnte, wenn die Söhne den Angeklagten sehen dürfen, sie aber nicht.

10.55 Uhr: Angeklagter führte Tochter Pornos vor

Der Angeklagte beabsichtigte offenbar, seine leibliche Tochter ebenfalls zu missbrauchen. Er habe ihr eine kurze Sequenz aus einem Porno gezeigt, worin eine Frau einen Mann mit der Hand befriedigte. "Sie war distanziert. Ich konnte ihren Blick nicht deuten", so der Angeklagte über die Reaktion seiner Tochter. Er habe sie gefragt, ob sie das Gezeigte ebenfalls machen würde. Als sie verneinte, habe er noch einmal nachgehakt und schließlich von seinem Vorhaben abgelassen.

Bald darauf machte die damals Zehnjährige eine Aussage bei der Polizei und der Angeklagte wurde verhaftet.

10.35 Uhr: Kinderpornos durch "falsche Beschuldigungen"

Der Angeklagte erklärte daraufhin, wie es dazu kam, dass er kinderpornographisches Material konsumierte. Er sei vor vielen Jahren fälschlicherweise beschuldigt worden, Kinderpornos zu besitzen, sogar eine Hausdurchsuchung habe es gegeben. Später habe er "gegoogelt, was einem droht. Irgendwann kommt man auf solche Seiten." Der Angeklagte sagte vor Gericht, er wisse nicht, ob erst dadurch Neigungen entstanden waren oder "ob es schon in mir war".

10.25 Uhr: Angeklagter schildert Missbrauch

Der Angeklagte schilderte dem Gericht , wann es zu welchen Vorfällen sexuellen Missbrauchs gekommen war. Mehrfach habe er seine Stieftochter an ihrem Geschlechtsteil berührt. Außerdem hat das Mädchen offenbar mehrfach am Glied des Angeklagten manipuliert.

Wie der Angeklagte vor Gericht erklarte, habe er bei verschiedenen sexuellen Handlungen aber sofort abgelassen, als seine Stieftochter erklärte, sie wolle das nicht. Einige Wochen vor der Festnahme habe das Mädchen schließlich erklärt "Ich mag es nicht mehr", woraufhin er mit sexuellen Übergriffen aufgehört habe.

10.05 Uhr: Kinderporno-Bilder gesammelt

Der Angeklagte hat sich nun zu den auf seinem PC gefundenen Kinderpornos geäußert. Mit dem Sammeln entsprechender Dateien habe er vor rund fünf Jahren begonnen. Die in der Anklageschrift erwähnten Bilder mussten sich mindestens sechs Monate auf der Festplatte befunden haben, so der Angeklagte: "Ich war der festen Überzeugung, ich hatte alles gelöscht."

9.40 Uhr: Angeklagter in Therapie

Der Angeklagte erklärte, er befinde sich in Therapie. Der Vorsitzende Richter zeigte sich mit der Therapiebescheinigung allerdings nur mäßig zufrieden. Die Therapeutin beschreibe nur Ziele und erkläre nicht, was sie genau macht. Bislang absolvierte der angeklagte rund ein Dutzend Sitzungen und äußerte vor Gericht: "Es hilft definitiv!"

9.30 Uhr: Anklage verlesen

Soeben hat der Staatsanwalt die Anklageschriften verlesen. Neben dem Besitz mehrerer kinderpornographischer Bilder wird dem Angeklagten der sexueller Missbrauch seiner Tochter und seiner Stieftochter zur Last gelegt. Seine Stieftochter soll er über mehrere Jahre hinweg insgesamt 25 mal missbraucht haben, als diese sich im Grundschulalter befand.

Vorbericht:

Am Landgericht Traunstein wird am Freitag der Fall eines Mannes aus dem Landkreis Altötting verhandelt. Ihm wird vorgeworfen, seine Töchter sexuell missbraucht und mehrere kinderpornographische Bilder besessen zu haben.

Bei einer Hausdurchsuchung vor einigen Monaten hatten die Ermittler auf dem Laptop des Angeklagten mehrere Dateien mit entsprechendem Inhalt gefunden.

**Innsalzach24 ist im Gerichtssaal und berichtet aktuell vom Prozess**

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © bla

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