Urteil im Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht gefallen

Vergewaltigt und sexuell erniedrigt: Schnaitseer zu Haftstrafe verurteilt

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Der Angeklagte (re.) mit seinem Verteidiger im vergangen Jahr auf der Anklagebank. 
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Traunstein/Schnaitsee - Harter SM-Sex, bei denen es den Frauen schnell zu viel wurde - doch der Angeklagte aus Schnaitsee hat immer weitergemacht. Nun wurde der 35-Jährige verurteilt.

Update, 13.40 Uhr: Urteil gefallen

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs verliest das Urteil: Der Angeklagte wird zu sechs Jahren Gefängnisstrafe verurteilt – zweimal wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung und einmal wegen Vergewaltigung und Körperverletzung.

Weil der Angeklagte den ersten beiden Opfern 13.000 und 10.000 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich gezahlt habe, sei der Strafrahmen gemildert worden. 1.000 Euro seien an die dritte Geschädigte geflossen als Schmerzensgeld, was jedoch von Seiten der Zweiten Strafkammer nicht als strafmildernd angesehen worden sei.

Zur Urteilsbegründung fasst sich der Vorsitzende Richter kurz. Es sei für den 35-Jährigen jeweils deutlich erkennbar gewesen, ab welchem Zeitpunkt die drei Geschädigten nicht mehr mit den Handlungen einverstanden gewesen seien. Dennoch habe er weitergemacht mit den Gewalthandlungen und verschiedenen Sexpraktiken – teilweise mit Gegenständen. Der Angeklagte habe bewusst die Wehrlosigkeit der Frauen ausgenutzt, sie mehrfach verletzt, gequält und sexuell erniedrigt.

Das Geständnis des Angeklagten sei zugunsten des 35-Jährigen ausgefallen – dadurch sei nicht zuletzt die Dauer des Prozesses erheblich verkürzt worden. Richter Fuchs betonte, die U-Haft werde sowieso auf die Gesamtstrafe ausgelegt, weswegen die Dauer von über 22 Monaten nicht als gesondert zu berücksichtigen sei. 

Gegen das Urteil kann innerhalb einer Woche Revision eingelegt werden.

Update, 12.20 Uhr: Plädoyers

Das Verfahren habe den Sachverhalt, den der Angeklagte auch schon eingeräumt habe, laut Staatsanwältin Pia Moulas bestätigt. Die Geschädigten hätten glaubwürdig gewirkt.

Schwere Vergewaltigung, Körperverletzung und sexuelle Nötigung – mitunter diese Delikte wirft Moulas dem 35-Jährigen laut Anklageschrift vor. Er habe die Geschädigten als „Objekte sexueller Willkür herabgewürdigt“. Weil er bei allen Frauen Gewalt angewandt habe, darunter die Geschädigten teilweise gewürgt habe, hätten sich diese auch in abstrakter Lebensgefahr befunden.

Zugunsten des Angeklagten sei das Geständnis zu berücksichtigen. Zudem habe der 35-Jährige keine Vorstrafen, er zahle Schmerzensgeld im fünfstelligen Bereich und wolle sich einer Therapie unterziehen. Die Staatsanwältin aber hob das „Erniedrigen der Opfer“ bei den Taten und dass diese ihm schutzlos ausgeliefert gewesen seien, gesondert hervor. Dieser Umstand der Macht habe ihn nur mehr erregt. Moulas fordert in ihrem Plädoyer insgesamt ein Strafmaß von sechs Jahren und drei Monaten.

Die Nebenklägervertretung wolle zur Höhe der Strafe keinen konkreten Antrag stellen. Man sei jedoch erleichtert, dass die geschädigten Mandantinnen durch das Geständnis des Angeklagten vor Gericht sich schließlich nicht einer umfangreichen Aussage im Saal mit möglicherweise unangenehmen und die Intimsphäre betreffenden Fragen konfrontiert sahen. 

„Wir haben es nicht mit Taten zu tun, bei denen ein Mensch auf dem Nachhauseweg überfallen wird und im Gebüsch zu sexuellen Handlungen gezwungen wird“, beginnt Verteidiger Markus Frank sein Plädoyer und betont, die hier im Verfahren beleuchteten Fälle hätten ein anderes Niveau als das klassische Bild der Vergewaltigung, wenn sie auch nicht schön seien.

Der Angeklagte aber habe das Verfahren insgesamt verkürzt, indem er ein Geständnis abgelegt habe. Dadurch habe er den weiteren Geschädigten ihre Zeugenaussagen vor Gericht erspart. „Ich denke, das ist ein ganz entscheidender Punkt in dem Verfahren, dass wir nun nicht tiefer in Detailfragen gehen müssen“, so Frank.

Außerdem seien erhebliche Summen von insgesamt 24.000 Euro im Sinne des Täter-Opfer-Ausgleichs geflossen. Zudem befinde sich der Angeklagte bereits sei etwa 22 Monaten in U-Haft. „Hier schwebt das Damokles-Schwert des Landgerichts Traunstein schon lange über meinem Mandanten. Ich beantrage eine Freiheitsstrafe von insgesamt sechs Jahren und dass die U-Haft-Dauer ebenfalls zu berücksichtigen ist“, sagt Frank abschließend.

Verteidiger Harald Baumgärtl sprach im Anschluss im Rahmen seines Plädoyers nur mehr wenige Punkte an, darunter das vollumfängliche Geständnis des Angeklagten, eine gewünschte Strafrahmenverschiebung durch den Täter-Opfer-Ausgleich und die Bereitschaft, sich freiwillig einer therapeutischen Behandlung zu unterziehen. Auch Baumgärtl spricht sich für einen Strafrahmen von sechs Jahren aus.

Die Urteilsverkündung wird gegen 13 Uhr erwartet.

Update, 11.45 Uhr: Aussage einer Geschädigten und psychiatrisches Gutachten

Der zweite Prozesstag am Landgericht Traunstein beginnt am Dienstag mit der Anhörung einer weiteren Geschädigten, die der Angeklagte ebenfalls durch die Dating-App im Jahr 2017 kennengelernt habe. Der anschließende Sex sei laut ihrer Aussage nicht einvernehmlich gewesen. Sie habe blaue Flecken davongetragen und leide noch heute unter den psychischen Folgen der Tat. „Ich verstehe seine Seite überhaupt nicht“, sagt die 26-Jährige vor Gericht aus.

Ein psychiatrischer Sachverständiger schätzt den 35-Jährigen anschließend als „sadistisch veranlagt“ in seinem Gutachten und als voll schuldfähig ein.

Noch vor der Mittagspause werden die Plädoyers gehört.

Vorbericht

Die Beweislage ist wohl eindeutig und er selbst scheint reinen Tisch machen zu wollen: Die drei Vergewaltigungen, die die Staatsanwaltschaft dem 35-jährigen Schnaitseer vorwirft, hat er am ersten Verhandlungstag schon gestanden. Und nicht nur das: Auch zwei weitere Vergewaltigungen aus einem früheren Verfahren, das bis hinauf zum Bundesgerichtshof ging, räumte er jetzt ein. 

Am Dienstag um 9 Uhr wird der Prozess gegen den 35-Jährigen fortgesetzt. Das Traunsteiner Landgericht erwartet noch einen Zeugen, das psychiatrische Gutachten und die Plädoyers. Möglicherweise fällt am Dienstag auch noch das Urteil. Das Gericht ließ bereits durchblicken, dass eine Haftstrafe in Höhe von sechs Jahren oder mehr in Betracht kommen könnte. Auch Schadenersatzzahlungen mit zwei der drei Opfer in Höhe von insgesamt 23.000 Euro wurden schon ausgehandelt.

Der Schnaitseer ist angeklagt wegen Vergewaltigung, schwerer Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Körperverletzung. Zu den Sex-Praktiken des Angeklagten gehörten laut Staatsanwaltschaft Haken in den Mundwinkeln der Frauen, Eisenringe zwischen den Zähnen, Ohrfeigen, Fessel, Dildos, Schläge, Kabelbinder, Bisse oder ungeschützter Analverkehr. Eine der Frauen soll schon kurz vor der Bewusstlosigkeit gestanden haben: "Ich dachte, jetzt ist es vorbei", sagte sie gegenüber der Kriminalpolizei.

chiemgau24.de berichtet aktuell vom Landgericht in Traunstein.

xe/mb

Quelle: chiemgau24.de

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