Richter: "Widerlichstes Material" bei Mann aus Kreis Traunstein

Kinderpornos! Ex-Polizist aus der DDR kommt mit Bewährungsstrafe davon

Traunstein - Es sind teils Kinderpornos der übelsten Sorte, die bei ihm angeblich gefunden wurden: Ein hochranginger, ehemaliger Polizist ist angeklagt und muss sich nun vor dem Amtsgericht dafür verantworten. 

  • Ein 62-jähriger Kriminalhauptkommissar außer Dienst steht wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz von kinderpornographischer Schriftenvor dem Amtsgericht Traunstein .
  • Die Staatsanwältin verliest die Anklageschrift und beschreibt dabei jedes einzelne Foto und Video.
  • Der Angeklagte lernte über den Videotext-Chat bei RTL die Männer kennen, mit denen er die Kinderpornos austauschte.
  • Der Angeklagte wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Update, 13.30 Uhr: Kinderpornos! Ex-Polizist kommt mit Bewährungsstrafe davon

Das Urteil ist gefallen: Ein 62-jähriger Ex-Kriminalpolizist wird vom Amtsgericht Traunstein wegen Kinderpornografie zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er ist schuldig des Verbreitens, Erwerb und Besitz von Kinderpornos. Der Mann war in der ehemaligen DDR als Polizist tätig. Nach der Wende arbeitete er in anderen Berufen und wohnt heute im südlichen Landkreis Traunstein.

"Die Kinderpornos sind allerunterste Schublade", so der Richter: "Das ist das Widerlichste, was in diesem Bereich vorhanden ist." Gefunden wurden hunderte Bilder und Videos, die Kinder zwischen vier und zwölf Jahren auch beim Geschlechtsverkehr mit Erwachsenen zeigen. Auch Fesseln oder Handschellen sollen dabei zum Einsatz gekommen sein. "Das hat sich strafverschärfend ausgewirkt."

Mit "großen Bedenken" habe man noch eine Bewährungsstrafe gegen den Mann bejaht, "weil Sie sich heute deutlich distanziert haben", so das Gericht. Im Gegenzug bekommt der Mann Auflagen: Er muss mindestens 100 Meter Abstand zu Kindergärten, Schulen, Schwimmbädern oder Spielplätzen einhalten. "Und wenn hinten im Bus Kinder sitzen, nehmen Sie vorne beim Busfahrer Platz", so der Richter.

"Sie versuchen, sich von allen Kindern fernzuhalten, weil wir davon ausgehen, dass Sie pädophile Neigungen haben", bekommt der 62-Jährige vom Gericht zu hören. Außerdem muss er eine Therapie für Sexualstraftäter machen. "Ich werde peinlichst genau darauf achten, dass Sie sich an diese Auflagen halten", so der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Update, 11. 45 Uhr: Kinderpornos bei Ex-Polizist - Staatsanwältin "fassungslos"

"Was war denn Ihre Motivation? Das muss doch einen Grund gehabt haben", fragt einer der Schöffen. Der Angeklagte druckst herum: "Ich habe das Material nicht angefordert, sondern nur bekommen. Ich kann's nicht schönreden, es ist passiert. Mir hat das Material auch nicht gefallen" - die Rede ist von hunderten Bildern und Videos.

Die Staatsanwältin will dem 62-Jährigen nicht glauben, dass er keine pädophilen Neigungen habe: "Angesichts der Masse an Bildern und Videos bin ich fassungslos. Solche Fälle hat man selten. Auf dem Material ist Geschlechtsverkehr zwischen Kindern und Erwachsenen zu sehen, teils mit Fesseln oder Handschellen." Auch das Geschriebene mit den Chat-Partnern ist belastend. Die Staatsanwaltschaft fordert im Plädoyer zwei Jahre und vier Monate Haft.

Pflichtverteidiger Manfred Kösterke geht in seinem Plädoyer vor allem auch auf den "absoluten Absturz" und die "soziale Abschottung" des Angeklagten ein. Die vergangenen Jahre seien von Arbeitslosigkeit, Scheidung, Führerscheinverlust und Alkohol geprägt gewesen. Die Kinderpornos waren nach Angaben des 62-jährigen Angeklagten dann der "schwärzeste Punkt". Der Anwalt plädiert auf eine Bewährungsstrafe unter zwei Jahre. Außerdem solle der Ex-Polizist eine Therapie für Sexualstraftäter machen.

UPDATE, 10.59 Uhr: Angeklagter: "Dann hatte ich die Scheiße am Hals"

Der Angeklagte, ein 62-jähriger Ex-Kriminalpolizist, ist voll geständig: "Im Prinzip stimmt das. Mir war klar, dass Besitz und Verbreitung strafbar sind. Es ist passiert und ich schäme mich dafür. Gerade wegen meiner ehemaligen Position, weil ich Polizist war", so der Mann. Er war Volkspolizist in der ehemaligen DDR, in Bayern arbeitete er dann in anderen Berufen.

"Ich bin froh, dass ich jetzt hier sitze und für meine Straftat verurteilt werde", so der geständige Angeklagte. Der Kontakt sei über den Videotext-Chat bei RTL zustande gekommen. Dort habe er die ersten Männer kennengelernt, mit denen er die Kinderpornos austauschte. "Dann hatte ich die Scheiße am Hals." 

Der Ex-Polizist versichert dem Gericht immer wieder, nie mehr mit Kinderpornos zu tun haben zu wollen - und er ist sich sicher: "Ich habe keine pädophilen Neigungen. Ich habe ja selbst Kinder großgezogen." Eine Schöffin kontert: "Warum hatten Sie damals dann ein Hintergrundbild eines kleinen Mädchens auf dem Handy?" Vielleicht sollte er doch eine Therapie machen, so der Angeklagte reuig. Damit ihm bewusst werde, was er gemacht habe.

UPDATE, 10.06 Uhr: Anklage verlesen: Ex-Kriminalpolizist wegen Kinderpornos vor Gericht

Er ist 62 Jahre alt, wohnt im südlichen Landkreis Traunstein und arbeitete in der ehemaligen DDR als Kriminalpolizist. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet ihn als "Kriminalhauptkommissar a.D.". Später arbeitete der Mann in der Bundesrepublik in anderen Berufen. Jetzt muss er sich wegen Kinderpornos vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwältin braucht rund 15 Minuten, um die lange Anklageschrift zu verlesen. Jedes einzelne Foto und Video muss sie grob beschreiben. Zwischen Februar und April 2018 tauschte der Mann laut Staatsanwaltschaft über Whatsapp das Material aus. Die Kinder, teils sind sie zusammen mit Erwachsenen auf den Fotos und Videos zu sehen, seien zwischen vier und zwölf Jahren alt, so die Staatsanwältin.

Als am 5. April 2018 dann die Wohnung des 62-Jährigen durchsucht wurde, fand man auf einem Laptop und einem Handy weitere Kinderpornos. Angeklagt ist der Mann jetzt wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz von kinderpornografischen Schriften. Wird er sich selbst vor Gericht zu den Vorwürfen äußern?

Erstmeldung, Donnerstag, 12. Dezember:

Er ist Kriminalhauptkommissar außer Dienst, 62 Jahre alt und wohnt im südlichen Landkreis Traunstein - am Montag steht der Mann vor dem Amtsgericht Traunstein. Nach einer Wohnungsdurchsuchung am 5. April 2018 soll die Polizei auf seinem Handy und Computer allerlei Kinderpornos, teils der übelsten Sorte, gefunden haben. Wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften ist der Ex-Polizist deshalb angeklagt, die Verhandlung beginnt um 9 Uhr. 

Erst Anfang Oktober stand ein Fridolfinger wegen ähnlicher Vorwürfe vor dem Amtsgericht Traunstein. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Prozess gegen den ehemaligen Kriminalpolizisten war ursprünglich schon für Ende Oktober angesetzt. Weil ein Prozessbeteiligter erkrankte, wurde die Verhandlung verschoben. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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