Südostoberbayern zur Gesundheitsregion entwickeln - Informationsveranstaltung im Landratsamt

Auf dem Weg zur Gesundheitsregion

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"Ballooning" - beim Informationsaustausch im Landratsamt Traunstein zu Gesundheitsthemen standen auch praktische Übungen für die Anwesenden an.

Traunstein - Wie kann Südostoberbayern zur Gesundheitsregion werden? Dieser Frage gingen Gesundheitsexperten und Politik im Traunsteiner Landratsamt nach.

Die Region Südostoberbayern soll zur "Gesundheitsregion" entwickelt werden. Dies will man insbesondere dadurch erreichen, dass bestehende Ressourcen, Einrichtungen und Dienstleister im Gesundheitsbereich enger zusammenarbeiten, vernetzt werden und miteinander kooperieren. Um über die Möglichkeiten der Weiterentwicklung der Region zur "Gesundheitsregion" zu informieren und zu diskutieren lud Landrat Hermann Steinmaßl deshalb am Dienstagnachmittag Vertreter von Kurverwaltungen, Tourismus- und Wirtschaftsverbänden, Kliniken und Kommunen in den großen Sitzungssaal ein. Auch Vertreter aus Wirtschaft, Hotel- und Gastronomiegewerbe sowie Ärzte und Apotheker waren mit dabei.

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Landrat Steinmaßl, der zugleich Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern ist, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass man zeigen wolle, welche Stärken man gerade im Gesundheitsbereich habe. Stark sei man gerade im stationären und ambulanten Aspekt, die präventive Komponente wolle man stärken und die Eigenkompetenz fördern. Hier befinde man sich mit der von der Bundesregierung beschlossenen Präventionsstrategie im Einklang. Er bedankte sich bei Professor Dr. Dieter Benatzky für seine umfangreiche beratende Funktion im Vorfeld der Informationsveranstaltung.

Hans Zott, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern, sagte, es gäbe kein allgemeingültiges Konzept für die Region - zu unterschiedlich seien Ansprüche, Erwartungen und regionale Vielfältigkeiten, die spezifische Konzepte erforderlich machten. Im stationären Bereich gäbe es zwischen Mühldorf, Bad Aibling, Traunstein und Berchtesgaden fünf große Anbieter mit mehreren Standorten.

Gesundheit als Innovationstreiber

Insgesamt stehen hier 3300 Betten zur Verfügung. Für die hausärztliche Versorgung sehe man in der Region 18 mittelfristig eine Gefährdung. "Schon jetzt gibt es Gemeinden, die über keinen Hausarzt mehr verfügen", betonte Zott, der daneben die Bedeutung des Kur- und Bäderwesens für die Region herausstellte. Bildung im Gesundheitswesen werde insbesondere durch die Hochschule Rosenheim und durch das Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Traunstein vermittelt.

Zott betonte, dass derzeit in der Gesundheitswirtschaft ein grundlegender Perspektivenwechsel stattfinde. "Gesundheit wird immer mehr zum Innovationstreiber mit herausragender Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit vieler Regionen."

In seinem Vortrag unterstrich Dr. Ulrich Hildebrandt, Chefarzt der Klinik St. Irmingard in Prien die Bedeutung einer permanenten, intensiven Bewegung der Bevölkerung. Am Beispiel von gesundheitsbewusstem Radfahren belegte er eine durchschnittliche verlängerte Lebenserwartung von fünf Jahren. "Katheterplätze abbauen und Ergometerplätze aufbauen" war sein nicht ganz ernst gemeinter Rat für Kliniken. Für eine nachhaltige kardiologische Prävention und Therapie seien in einem Fünf-Säulen-Prinzip neben einer gesunden Ausdaueraktivität eine mediterrane Küche (Obst, Gemüse), gute "technische" Werte wie Blutdruck auch Säulen wie eine ausgewogene "Work-Life-Balance" und ein guter sozialer Rückhalt erforderlich.

"Prävention ist eine brotlose Kunst", ein Stent bringe für die Kliniken "richtig Geld, für die Prävention kriegen wir nichts", sagte er die Ausweitung der Prävention als begrenzte Möglichkeit für Akteure im Gesundheitswesen einschätzend, viele Anbieter seien Konkurrenten im Gesundheitsmarkt. "Gesundheit lohnt sich", so der Klink-Chefarzt in mehrfacher Hinsicht.

Praktische Beispiele einer bereits praktizierten gelungenen Vernetzung und Zusammenarbeit gaben im Anschluss an den Fachvortrag Peter Wulf von "PrienPartner e.V.". Mit der ersten Priener Gesundheitswoche habe man sich mit einer Auftaktveranstaltung zum Thema Fitness und Prävention im vergangenen Jahr positioniert. Diese sei sehr gut angenommen worden, die Zusammenarbeit der Beteiligten habe sehr gut funktioniert.

Gabriella Squarra, Kurdirektion in Bad Reichenhall, stellte die Bedeutung des Kur- und Bäderwesens für die Region Südostoberbayern heraus. Diese seien "Jobmotoren". Das Thema Prävention aufnehmend sagte sie zukunftsweisend: "Das wird verpflichtend, wer leistungs- und arbeitsfähig bleiben will".

50 Kilometer zum nächsten Hausarzt

Mit Dieter Grabbe, einem führenden Fitness- und Gesundheitsexperten wurde es dann praktisch: "Gesundheit muss 'in' sein." Mit einem Luftballon ("Ballooning - mit Schwingungen durchs Leben") wurden Anwesende aufgefordert, Entspannungs- und Kräftigungsübungen zu machen. Sein Motto: "Wer sich bewegt, wird viel bewegen."

In der anschließenden Diskussion betonte Katrin Schraube vom erweiterten Vorstand des Ärztlichen Kreisverbandes Traunstein, dass der Landkreis im Bereich der Hausärzteversorgung vor Probleme stehe. Der Landkreis sei hier offensichtlich "unattraktiv". Künftig könnten "50 Kilometer und mehr gefahren werden müssen" um zum nächsten Hausarzt zu kommen. "Die Versorgung der Bevölkerung aber auch die Versorgung der Touristen ist gefährdet", betonte sie. Die regionale Politik müsse hier viel tun, um die Hausärzte zu fördern und müsse sich darum kümmern, dass die Leistung entsprechend honoriert werde. "Von der Prävention möchte ich hier gar nicht sprechen."

Landrat Steinmaßl nahm hierzu Stellung und zeigte das Dilemma auf, das einerseits in der Vereinbarung von Beruf und Familie liege und betonte daneben, dass nur wenig Medizinstudenten Interesse hätten, künftig als Hausarzt zu praktizieren. Hier müsse man massiv dagegensteuern. Explizit nannte er die Kassenärztliche Vereinigungen, die hier gefordert seien.

Auch Amerangs Erster Bürgermeister August Voit kritisierte massiv den Kurs der kassenärztlichen Vereinigungen, die sich "massiv hinter den bestehenden Gesetzen verstecken" würden.

Landrat Steinmaßl sagte in der Zusammenfassung der Vorträge und des anschließenden Austausches, dass man im akuten und Rehabereich stark aufgestellt sei. Im präventiven Bereich müsse man die Vernetzung besser umsetzen und positive Beispiele in der Region nutzen.

wz/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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