Prozess um vermeintliche Vergewaltigung

Trostberger freigesprochen - Vergewaltigung an Mann (20) nicht nachweisbar

Traunstein/Trostberg - Ein 42-Jähriger Mann aus Trostberg soll den Sohn seiner Verlobten zwei Mal vergewaltigt haben. Das Gericht hat den Angeklagten nun freigesprochen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 42-jähriger Mann soll Sohn seiner Verlobten vergewaltigt haben
  • Junge (20) in psychologischer Behandlung
  • Staatsanwaltschaft hält Aussagen des Geschädigten für nicht glaubwürdig
  • Das Gericht spricht den angeklagten Trostberger frei

UPDATE, 11.13 Uhr: Das Urteil: "Kein Freispruch erster Klasse"

Richter Erich Fuchs verkündet das Urteil:

"Der Angeklagte wird freigesprochen. Zudem wird der Haftbefehl aufgehoben", so Fuchs. Es würde keinen Zweifel geben, dass es zum Analverkehr gekommen ist. Auch die Angaben des Geschädigten wären damals schlüssig gewesen. Die gefundenen Spermaspuren des Trostbergers beim Geschädigten sowie die Tatsache, dass der Angeklagte bei einer Vernehmung von keiner sexuellen Handlung gesprochen hat, würden auf die vorgeworfenen Vergewaltigungen hinweisen.


"Die Aussagen des Geschädigten waren schlüssig, aber reichen nicht aus, um den Angeklagten zu verurteilen", begründet Fuchs das Urteil. Es sei nicht ganz ausgeschlossen, dass es einvernehmlich war. Der Geschädigte sei eine psychisch belastete Person, die in beiden Fällen offenbar nicht in der Lage war, nach Hilfe zu rufen. Es seien bei den Vorfällen Personen in der Nähe gewesen und auch der Bruder bestätigte, dass sich der damals 19-Jährige durchaus lautstark wehren könne.

Zudem sei es zu relevanten Abweichungen in den Aussagen gekommen. Er habe immer weniger über Zwang oder Drohungen gesprochen. "Wir glauben, der Geschädigte war nicht einverstanden", so Fuchs. Das Gericht glaubt, es sei nicht inszeniert worden und die Handlungen wären vom Angeklagten ausgegangen. Allerdings: "Im Zweifel für den Angeklagten. Es ist kein Freispruch erster Klasse", so der Richter abschließend.

UPDATE, 10.25 Uhr: Plädoyers werden gehalten

Als erstes hält die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyers: Dem Angeklagten liegt zur Last, dem Geschädigten in zwei Fällen Mitte 2019 vergewaltigt zu haben. "Für mich steht es fest, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen ist", so die Staatsanwältin. Das würden die gefunden Spermaspuren des Angeklagten in der Unterwäsche und im Intimbereich des Jungen belegen.

Ob es gegen den Willen des damals 19-Jährigen passiert ist, könne man abschließend nicht exakt sagen. Die Glaubwürdigkeit des Geschädigten sei aufgrund vieler Widersprüche in seinen Aussagen nicht ausreichend, um eine Verurteilung des Angeklagten zu rechtfertigen. Diese müsste allerdings sehr hoch sein, da es in diesem Fall Aussage gegen Aussage steht.

Der Nebenkläger sieht das in seinem Plädoyer etwas anders: Sein Mandant habe besonders beim ersten Vorfall ausdrücklich geschildert, dass er das nicht möchte und nicht homosexuell sei. Da der Angeklagte bereits wegen sexueller Nötigung verurteilt worden ist und der Geschädigte von den Vorstrafen wusste, habe der inzwischen 20-Jährige Angst gehabt.

"Zwar gab es eine Inkonstanz bei den Aussagen, dennoch wurde der erste Vorfall qualitativ hochwertig geschildert", so der Anwalt. Ob Eifersucht ein Motiv für eine Falschaussage sei, hält er aufgrund der schwierigen Beziehung zwischen Geschädigten und seiner Mutter als unwahrscheinlich. Sein Mandant hätte darunter sehr gelitten, das habe man bei der Hauptverhandlung gesehen. Auch der Brief des Angeklagten aus der JVA deute auf eine Tat hin. Der angeklagte hätte einfach sagen könne, es sei einvernehmlich passiert. Daher fordere der Nebenkläger eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Der Verteidiger plädiert wie die Staatsanwaltschaft auf Freispruch. Gründe hierfür seien die vielen Widersprüche und Aussagen des Geschädigten in den Vernehmungen und der Hauptverhandlung. "Es steht Aussage gegen Aussage, daher spielt die Glaubwürdigkeit des Geschädigten eine große Rolle", so der Verteidiger. Es gebe unterschiedliche Aussagen, ob sich der Geschädigte gewehrt habe oder alles über sich ergehen ließ. Ein mögliches Motiv zu diesem Vorwurf sei Schmerzensgeld, das auch zwei Zeugen bei der Hauptverhandlung erwähnt hatten.

Aus diesem Grund plädiere der Verteidiger auf Freispruch.

Der Angeklagte selbst wollte sich abschließend auch weiterhin nicht äußern.

Erstmeldung, Montag, 17. Februar, 6.07 Uhr:

Wegen Vergewaltigung in zwei Fällen muss sich am Montag ein 42-jähriger Pakistani vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Er soll den Sohn seiner inzwischen Verlobten zwei Mal vergewaltigt haben. Die erste Tat hat sich laut Staatsanwaltschaft Ende Mai 2019 ereignet, die zweite am 6. Juni 2019. "Ich hatte keine Chance, er ist auf mir gelegen" berichtete der damals 19-Jährige am ersten Prozesstag. Noch heute ist der Geschädigte in psychologischer Behandlung, nach den Vergewaltigungen sei er "innerlich kaputt" gewesen.

"Ich kann mir das alles nicht erklären" , berichtete die Mutter am zweiten Prozesstag. Besonders die Tatsache, dass Spermaspuren ihres Verlobten in der Unterwäsche und am Körper ihres Sohnes gefunden wurde, sei unbegreiflich. Trotz des Vorwurfes will sie den Angeklagten weiterhin heiraten.

Die Verhandlung vor dem Traunsteiner Landgericht beginnt am Montag, den 17. Februar, um 9 Uhr. Erwartet werden die Plädoyers, auch ein Urteil könnte am Montag noch fallen. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

jz

Quelle: chiemgau24.de

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