Traunreuter (28) vor Gericht

Das Urteil: Jahrelange Haft für Kinderschänder

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Hinter seiner Brotzeittüte versuchte sich der Angeklagte 28-Jährige bei Prozessbeginn am Dienstag im Gericht zu verstecken.
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Traunstein/Traunreut - 29-mal hat ein Traunreuter (28) seine Stieftochter sexuell missbraucht - und dabei fotografiert und gefilmt. Nun fiel das Urteil vor dem Traunsteiner Landgericht. 

Update 17 Uhr: Das Urteil

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Klaus Weidmann hat sich viel Zeit zur Beratung genommen - doch jetzt wurde das Urteil verkündet:

Der Angeklagte muss für sieben Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Damit bleibt das Gericht nur minimal unter dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Der 28-Jährige ist schuldig des sexuellen Missbrauchs von Kindern in insgesamt 29 Fällen - davon 14 Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch. Dazu kommen Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften und fahrlässige Körperverletzung. 

Außerdem muss der Angeklagte 45.000 Euro Schmerzensgeld an das Mädchen zahlen. Und: Der Traunreuter muss für alle weiteren Schäden aufkommen, die auf das Mädchen wegen des sexuellen Missbrauchs noch zukommen könnten, soweit nicht die Sozialversicherungen haften.

"Im schlimmsten Fall könnten dem Kind die Bilder in einigen Jahren wieder begegnen", so Richter Weidmann - aus dem Internet bekommt man sie schließlich nicht heraus. Trotz einer möglichen Fürsorge für das Kind, habe der Angeklagte es zu einem Sexualobjekt gemacht. 

Dass das Urteil nicht schärfer ausfällt, begründet der Richter vor allem mit dem vollen Geständnis: "Das hat zur Schonung des Opfers beigetragen. Sonst hätten wir das Mädchen vernehmen müssen, auf viele Details wieder eingehen müssen - es hätte für sie eine enorme Belastung und Retraumatisierung bedeutet." Auch Reue und Bedauern hätte der 28-Jährige zum Ausdruck gebracht.

Update 11.55 Uhr: Plädoyers und letzte Worte des Angeklagten

Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft: "Diese Taten ragen deutlich über den Schnitt hinaus", so das Fazit des Staatsanwaltes. Sieben Jahre und elf Monate soll der 28-jährige Traunreuter ins Gefängnis. Der Vorwurf: Sexueller Missbrauch von Kindern, in 14 der 29 Fällen schwer, außerdem Herstellung von kinderpornografischen Schriften und fahrlässige Körperverletzung. 

Der Staatsanwalt weiß: Zusätzlich zu der Anklage gab es wohl rund 20 weitere Missbrauchsfälle. Sie wurden vom Angeklagten nicht gefilmt oder fotografiert. "Wir wollten bewusst nur Fälle verhandeln, wo wir das Mädchen nicht als Zeugin laden mussten." 

"Das Mädchen wurde durch die Weitergabe der Pornografie und durch die speziellen Sex-Praktiken zum Objekt gemacht", argumentiert der Staatsanwalt. Die Videos und Fotos seien "für alle Zeiten nicht mehr rückholbar im Internet unterwegs". Außerdem hätte der Traunreuter versucht, die Taten zu relativieren: "Ich habe das Gefühl, er wollte eine gewisse Verantwortung dafür beim Kind abladen." 

Für den Angeklagten spreche, dass er von Anfang an voll geständig war, strafrechtlich noch nicht in Erscheinung trat und in recht geordneten Verhältnissen lebte. Außerdem stimmte er der Schmerzensgeldforderung zu. Die Nebenklägerin schließt sich, ohne konkrete Strafforderung, dem Staatsanwalt an: "Für das Kind sind die Straftaten lebenslänglich. Es wird immer daran erinnert werden." 

Auch Pflichtverteidiger Michael Vogel kommt nicht umhin, der Staatsanwaltschaft in weiten Teilen recht zu geben: "Der Fall ist klar, die Beweislage ist eindeutig." Trotzdem lasse ihn vor allem das Verhältnis zwischen Täter und Opfer ratlos zurück. Er fordert eine Haftstrafe zwischen vier und fünf Jahren

"Mir ist bewusst, dass ich einen riesen Scheiß gebaut habe. Es war nie mein Plan, dass es sich so entwickelt. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass sie darüber hinweg kommt", holt der 28-jährige zu seinen letzten Worten aus. "Ich bin auch bereit, eine Therapie zu machen - alles was verlangt wird. Ich hoffe mir wird nochmal eine Chance im Leben gegeben." Er bleibt bei diesen Sätzen relativ gefasst. Nach der Haft will er bei Verwandten in Norddeutschland neu beginnen.

Das Urteil wird gegen 14.30 Uhr erwartet.

Update, 9.45 Uhr: Brief aus der U-Haft

Der zweite Prozesstag beginnt. Der Tag, an dem das Urteil gegen den 28-jährigen Angeklagten aus Traunreut gesprochen wird. Zu Beginn verliest der vorsitzende Richter Weidmann noch einen Brief, den der Angeklagte aus der U-Haft an einen Bekannten geschrieben hat:

"Ich habe jetzt schon Angst davor, was nach der U-Haft alles passieren wird", schrieb er in dem Brief: "Ich will ein neues Leben beginnen, von hier wegziehen und mit allem abschließen." Er zeugt sich reuig: "Ich hatte ein gutes Leben, aber habe jetzt alles kaputt gemacht. Im Gefängnis ist mir jetzt bewusst geworden, was ich getan habe."

Weiter schreibt er: "Ich will zeigen, dass ich kein Monster bin, das gefährlich für andere Menschen ist. Ich schäme mich so sehr und es tut mir leid. Ich weiß nicht was ich tun soll, damit die Menschen mir glauben, dass ich nicht so bin." Er sei froh, dass zumindest seine Familie zu ihm halte. Die Stieftochter tue ihm dabei am meisten leid. "Ich bereue meine Vergangenheit und will einen Neuanfang."

Doch direkt im Anschluss verliest Richter Klaus Weidmann - zumindest auszugsweise - weitere Briefe des Angeklagten. Sie waren, noch vor der Festnahme, an seine missbrauchte Stieftochter gerichtet: "Du bist so geil und versaut", heißt es da unter anderem. Er freue sich schon wieder auf den Sex mit ihr, wolle immer für das Mädchen da sein und es später heiraten.

Außerdem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft nach der Festnahme umgehend Kontakt zu Facebook aufnahm: Es wurde verfügt, dass die Facebook-Accounts des Angeklagten und des Mädchens gesperrt werden.

Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen, nun geht es zu den Plädoyers: Mit welcher Strafe kann der 28-Jährige rechnen?

Zuletzt stellt die Anwältin der Nebenklage noch einen Antrag: Mindestens 45.000 Euro Schmerzensgeld soll der Traunreuter noch an das Mädchen zahlen. Im Moment ist er aber mittellos. Außerdem sollen alle weiteren Schäden für das Mädchen, die noch kommen könnten und vom sexuellen Missbrauch herrühren, von ihm ersetzt werden.

Vorbericht zum zweiten Prozesstag

"Ich habe mir nichts dabei gedacht" - das war die Antwort eines 28-jährigen Traunreuters, als ihn am Dienstag die beisitzende Richterin nach seinen Taten fragte. Der Mann ist voll geständig: Zwischen März 2014 und Januar 2017 hatte er seine Stieftochter immer wieder sexuell missbraucht. 29 Fälle hielt er mit Videos und Bildern fest - insgesamt sprach er vor Gericht selbst von etwa 50 Missbrauchsfällen. 

Am heutigen Mittwoch wird das Urteil gegen den Traunreuter erwartet. Auch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung stehen noch aus. 

Am ersten Prozesstag vermittelte der Angeklagte oft das Gefühl, als habe er mit dem jungen Mädchen eine ganz normale Beziehung führen wollen. "Die Kleine war wie eine Freundin, ich war verliebt. Sie war das glücklichste Kind bei mir. Da kann man dutzende Leute fragen. So schauspielern kann man nicht", so der 28-Jährige. Außerdem habe er den Sex auch mit seiner Ex auf Videos und Fotos festgehalten. 

Lesen Sie außerdem: Wie wird jemand Kinderschänder? Zu Besuch bei einem Ex-Täter aus dem Kreis Traunstein

Angeklagt ist der Mann nicht nur wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern, sondern auch wegen Verbreitung kinderpornografischer Schriften. Er bot die Dateien auf Tauschbörsen zum Download an, schickte sie außerdem gezielt an Bekannte via Skype. Seine Ex-Frau, von der er sich Ende 2016 scheiden ließ, schöpfte bereits Verdacht, reagierte möglicherweise gar eifersüchtig: "Sucht Euch doch gleich ein Zimmer", soll sie laut Angeklagtem gesagt haben.

So wurde der Angeklagte am Dienstag zu Prozessbeginn in den Gerichtssaal geführt.

Auch sie, die Mutter des Mädchens, wurde am Dienstag vernommen - jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch wenn der Angeklagte zuletzt als Alkoholiker zu bezeichnen war, führte er stets ein ordentliches Berufsleben: Nach einer abgeschlossenen Lehre als Verkäufer arbeitete er, meist auf Leihbasis, in Traunreuter Industriebetrieben. Auch seine Kindheit verlief ungewöhnlich.

Der Strafrahmen für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern liegt zwischen zwei und 15 Jahren. Der Prozess wird um 9 Uhr fortgesetzt. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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