Wie zwei Bar-Betreiber mit der Krise umgehen

"Würde auch für nur fünf Leute aufsperren": Traunsteins Kneipen halten durch

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Barbara Mitterwieser führt ihre Kneipe "Zum Freiberger" in Traunstein schon seit bald 22 Jahren, bei Marco Pötzsch sind es in "Marco's Bistro" 18 Jahre. 

Traunstein - Zuerst die Biergärten und kurz darauf dürfen auch die Wirtshäuser wieder öffnen - die klassische Kneipe aber bleibt zu. Wir haben mit zwei Bar-Betreibern gesprochen, wie sie sich durch die Corona-Krise schlagen und ob es Schlupflöcher gibt.

Die Gläser mehrfach geputzt, das Lager ausgemistet, Kissen gewaschen und Regale abgestaubt: "Ich bin einfach zu gerne in der Kneipe, sie ist mein zweites Wohnzimmer", erzählt Barbara Mitterwieser. Jenes zweite Wohnzimmer ist zwar picobello, aber es ist leer. Zwei Monate müssen sich Stammgäste, Freunde und Wirtin Babsy vom "Freiberger" in Traunstein schon gedulden - und es ist völlig offen, wie lange noch. Die klassische Kneipe ohne Biergarten oder Küche ist in der Corona-Krise weiter ohne Perspektive. 

Trotz ausbleibender Lockerung: "Denke keine Sekunde an Schließung"

Mitterwieser nimmt den Meterstab in die Hand: Mit anderthalb Meter Abstand zwischen den Holztischen, weniger Plätzen und einem gesperrten Tresen hätten vielleicht noch 15 Gäste in ihrer Bar Platz. Rund 60 sind es sonst. Zumindest wenn man sich an den Regeln der Österreicher für Bars und Kneipen orientiert. In Deutschland gibt es noch keine, denn eine Öffnung steht noch nicht zur Debatte. Ob sich's von Anfang an wieder rentieren wird? "Darum geht's nicht. Ich würde auch für nur fünf Leute wieder aufsperren, einfach aus lauter Freude", so Barbara Mitterwieser.

Barbara Mitterwieser hat für eine Wiedereröffnung ihrer Kneipe "Zum Freiberger" noch keine Perspektive. Wenn es soweit ist, sieht sie aber auch fürs allmonatliche Kneipenquiz, bei dem es meist gesteckt voll ist, erstmal schwarz: "Mit 15 Leuten macht das keinen Sinn, das wird wohl noch eine Zeit dauern."

Marco Pötzsch sieht's ähnlich: "Mir fehlen meine Gäste. Leute, die man sonst täglich sieht, sind einfach nicht mehr da." Pötzsch führt seit 18 Jahren "Marco's Bistro" neben dem Traunsteiner Gefängnis und ärgert sich über den verordneten "Komplett-Stillstand". Unter strengen Auflagen hätte man der Gastronomie vielleicht von Anfang an eine Chance lassen sollen. Doch wenn alles glatt läuft gehört er zu jenen, die bald schon wieder öffnen dürfen - obwohl der Unterschied zwischen "Freiberger" und "Marco's Bisto" auf den ersten Blick nicht groß erscheint.

Marco's Bistro: Mit kleinen Nischen zur Wiedereröffnung

Seine zwei Stehtische auf dem Gehsteig gelten als Freischankfläche. Außerdem hat Pötzsch in seiner Bar eine Küche. Beides ist genehmigt. Die Zeiten, in denen bei ihm in Speisekarten geblättert wurde, sind zwar schon lange her - aber wenn er jetzt wieder Mahlzeiten ins Angebot nimmt, dürfte der baldigen Eröffnung nichts im Wege stehen. Pötzsch peilt den 25. Mai an. Vielleicht kann er den bewirteten Bereich vor dem "Bistro" noch vergrößern. "Wenn nicht, will ich auch mit meinen zwei Stehtischen wieder aufmachen", zeigt sich Pötzsch entschlossen.

Wenn alles glatt geht kann Marco Pötzsch dank Freischankfläche und Küche im Bistro ab 25. Mai wieder aufsperren. 

Nützliche Links zu Corona:

Klar für beide ist: Sie werden weitermachen, Corona hin oder her. "Auch wenn's Oktober werden sollte: Ich sperre hundertprozentig wieder auf", so die Wirtin vom "Freiberger". Die 5000 Euro Soforthilfe vom Freistaat haben beide Kneipen-Betreiber gleich Mitte März beantragt. Das Formular dafür sei simpel gewesen, eigentlich ganz ohne Papierkram. Aber vom Geld haben weder Mitterwieser noch Pötzsch schon etwas gesehen. Dem "Freiberger" wurden die Pachten für drei Monate gestundet, müssen also erst später gezahlt werden. Und auch für "Marco's Bistro" fand sich eine saubere Lösung, für die sich Betreiber Pötzsch bei den Vermietern ausdrücklich bedanken will.

Wohl noch keine Gastro-Aufgabe in Traunstein durch Shutdown

Mit wechselnden Botschaften für die Stammgäste versucht Barbara Mitterwieser vorbeischlendernden Stammgästen eine kleine Freude zu machen. 

Läuft es bei allen Traunsteiner Kneipen so scheinbar unproblematisch? Beide hätten noch nichts gehört, dass ein Gastro-Betrieb in der Stadt wegen des Corona-Shutdowns aufgibt. Aber die Situation ist natürlich sehr unterschiedlich: Manche haben ein zweites finanzielles Standbein, viele eine Freischankfläche oder ein Speisenangebot. Kneipen ganz ohne eine Perspektive zur Wiedereröffnung gibt es nicht viele. Das "Freiberger" ist eine davon. Drum wird Babsy Mitterwieser sicher noch das ein oder andere Mal in ihrem zweiten Wohnzimmer nach dem Rechten schauen, auch ohne Gäste. "Und die Erdnüsse essen wir derweil selber, so lange bleiben die nicht knackig."

xe

Quelle: chiemgau24.de

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