Prozess wegen tödlicher Messerstiche in Traunstein

Laut Gutachten hatte Angeklagter 2,24 Promille im Blut

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Ainring/Traunstein - Am Donnerstag seit 9 Uhr wird am Landgericht Traunstein der Prozess wegen Totschlag gegen einen 46-Jährigen aus Altötting fortgesetzt. Es ist der vierte Verhandlungstag.

UPDATE, 16 Uhr: Gutachten vom Innsalzach Klinikum

Laut Dr. med. Stefan Gerl, Chefarzt der Forensischen Psychiatrie des Innsalzach Klinikum in Wasserburg, der den Angeklagten in der Strafvollzugsanstalt besuchte, um ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen, sei der Angeklagte damit nicht einverstanden gewesen. 

„Der O-Ton war der, dass er nicht noch etwas Falsches sagen wolle.“ Der Beschuldigte habe auf seinen Anwalt verwiesen. Gerl habe beim Beschuldigten keine Alkoholabhängigkeit feststellen können. Laut Gutachten habe der Angeklagte aber zum Tatzeitpunkt einen Blutalkoholwert von etwa 2,24 Promille gehabt. 

Der Chefarzt gehe nach Einbeziehung aller Fakten von einer mittelgradigen Alkoholisierung des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt aus. „Der Alkohol hat meiner Ansicht nach schon eine Rolle gespielt.“ 

Die Verhandlung wird am 7. August 2017 ab 11 Uhr mit einem weiteren Zeugen und den Plädoyers fortgesetzt.

Update 14.05 Uhr - Am Waschbecken der Tatwohnung Blut abgewaschen

Diplom-Biologe Dr. Martin Schulz vom Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität München trägt das erstellte Gutachten über die Blutspuren am Tatort vor und berichtet über die Ergebnisse der Untersuchungen an der Kleidung des Tatverdächtigen.

Auf Grund der Spuren am Tatort konnte laut Schulz festgestellt werden, dass sich jemand am Waschbecken der Tatwohnung Blut des Geschädigten abgewaschen haben muss. Die Spurenlage ergebe weiter, dass der Stich in den Hals des Opfers im Liegen erfolgte.

Die Verhandlung wird für eine Stunde unterbrochen.

Update 12.25 Uhr - Medizinische Gutachten vorgestellt

Prof. Dr. Fritz Priemer, Facharzt für Rechtsmedizin und forensische Psychiatrie, trägt sein Gutachten vor. Er untersuchte den Angeklagten, Zeugen und Beteiligte nach der Tat.

Ein Beteiligter sei ihm dabei auffällig erschienen: Der Freund des Opfers, der in der Tatnacht auch anwesend war. Dieser sagte bereits vor Gericht aus, er sei kurz vor der Tat alkoholisiert mit dem Fahrrad nach Hause gefahren.

Laut Gutachter sei er deutlich angespannt gewesen, habe sich auffälliger als die anderen verhalten. Auch habe der Mediziner frische Verletzungen festgestellt, die mit dem Vorfall in Verbindung stehen könnten.

Der Untersuchte selbst habe dem Mediziner gegenüber angegeben, dass das von einer Kollision mit einer Friedhofsmauer auf dem Heimweg herrührte. Auf Nachfrage der Verteidigung bestätigte der Rechtsmediziner, dass die Verletzungen auch in der Wohnung beispielsweise durch Entlangschrammen an einem Möbelstück entstanden sein könnten. Das Verletzungsbild deute seiner Meinung nach nicht darauf hin, dass es von einer grob verputzten Mauer stamme, eine etwas glattere Mauer sei möglich.

Der Angeklagte sei nach Aussage des Gutachters kurz nach der Tat sehr ruhig gewesen. Er trägt weiter seine Feststellungen über den körperlichen Zustand des Beschuldigten kurz nach der Tat vor. Einige frische Verletzungen im Bereich des Gesichtes und der Hand habe er feststellen können, wobei die Handverletzungen möglicherweise von einem Messer verursacht wurden.

Prof. Dr. med. Randolph Penning vom Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilian-Universität in München, trägt als nächster die Ergebnisse der Obduktion des Opfers vor. Die toxikologische Untersuchung ergab, dass der Verstorbene 2,69 Promille Alkohol im Blut und 3,92 Promille im Urin hatte.

Auch sogenannte Badesalze und synthetische Cannabinoide konnten beim 19-jährigen Opfer nachgewiesen werden. Weiter seien Bissverletzungen am rechten Ohr und an der Nase sowie verschiedene Stichverletzungen festgestellt worden, die laut Penning zum Tatmesser passen.

Man könne auch davon ausgehen, dass dem Opfer die Luft abdrückt wurde, möglicherweise durch Zuhalten von Mund und Nase. Der Gutachter geht weiter ausführlich auf die verschiedenen Ergebnisse der Obduktion ein.

Update 10 Uhr - Zeugin: Angeklagten nie aggressiv erlebt

Verteidiger Florian Eder stellt zu Beginn des vierten Prozesstages einen Beweisantrag, zwei weitere Zeugen zuzulassen.

Eine Zeugin soll den Angeklagten schon über sehr lange Zeit kennen und bestätigen können, dass er kein Russlandpatriot und eine freundliche und hilfsbereite Person sei, keinesfalls aggressiv.

Der zweite Zeuge, ein Arzt, soll laut Verteidigung bestätigen können, dass der Zeuge unter einem Schulter-Arm Syndrom leide und somit dem Opfer nicht körperlich überlegen sei, wie es in der Anklageschrift heißt. 

Staatsanwalt Björn Pfeifer stellt daraufhin den Antrag, diesen Antrag abzuweisen, da dieser Arzt den Angeklagten zum letzten Mal im Jahr 2014 untersucht habe.

Das Gericht unterbricht die Verhandlung, um über die jüngsten Anträge zu beraten.

Nun sagt die von der Verteidigung beantragte Zeugin aus. Sie kenne den Angeklagten seit acht Jahren, wohne mit ihm im selben Haus. Sie könne nichts Negatives über den Angeklagten sagen. Er sei ein liebevoller Familienvater, sehr hilfsbereit, aber bestimmt nicht aggressiv.

Auch betrunken habe sie ihn schon erlebt, auf Grillfesten des Hauses beispielsweise. Im alkoholisierten Zustand sei er ebenfalls nie aggressiv gewesen.

Vorbericht

Eine Geburtstagsfeier in einem der Wohnblöcke in Ainring-Mitterfelden lief von 18. auf 19. November 2016 völlig aus dem Ruder - ein 19-Jähriger verlor in dieser Nacht sein Leben. Ein 46-jähriger Russlanddeutscher aus Altötting muss sich deshalb vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Der Vorwurf: Totschlag.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll es zu einem Streit über Russland gekommen sein, bis sich das spätere Opfer, ein 19-Jähriger geweigert haben soll, mit dem Angeklagten weiter zu trinken. Der Streit soll sich fortgesetzt haben, bis das spätere Opfer womöglich zu einem Küchenmesser griff - als die Rangelei im Wohnzimmer weiterging, soll der 46-Jährige seinem Kontrahenten das Messer entrissen und zugestochen haben und dem Opfer tödliche Stiche in Herz und Hals versetzt haben.

Am Vierten Verhandlungstag werden verschiedene Gutachten vorgetragen. Ob es zu einem Urteil kommt ist noch unklar.

Wir berichten von vor Ort

Lesen Sie auch die Entwicklungen der ersten drei Verhandlungstage

- Tag eins

- Tag zwei

- Tag drei

Quelle: chiemgau24.de

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