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Traunsteiner Landgericht hat entschieden

Altöttinger Kinderschänder muss lange ins Gefängnis

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Traunstein/Altötting – Das Landgericht Traunstein hat einen Mann aus Altötting wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von philippinischen Kindern via Internet zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Update, 13.15 Uhr - das Urteil

Nach kurzer Unterbrechung verkündet der vorsitzende Richter das Urteil. Gesamt muss der Angeklagte fünf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Es gibt keine Strafverschiebung.

In der Begründung zum Strafmaß spricht der Richter von einer Unbelehrbarkeit des Angeklagten. Erschwerend hat das Gericht dessen Vorstrafen gewertet. Der Angeklagte hat während einer Fünfjahresfrist erneut Straftaten begangen.

"Ihr Geständnis hat letztendlich eine große Bedeutung", sagt der Richter vor dem Hintergrund der Ausführungen im Plädoyer des Verteidigers. 

"Sie bekommen die Leistung frei nach Hause und das Entdeckungsrisiko ist nicht hoch", führt der vorsitzende Richter zum Umfeld der Taten aus. "Wir gehen aber auch davon aus, dass sie einen Schlussstrich ziehen wollen. Das wünschen wir Ihnen."

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Update, 12.55 Uhr - Angeklagter bricht in Tränen aus

Der psychiatrische Gutachter fasst die Angaben des Angeklagten zusammen. Er habe homosexuelle Neigungen mit ersten Erfahrungen als Jugendlicher angegeben. Pädophil sehe er sich nach eigenen Angaben nicht. Zu den Befunden sagt der Gutachter, dass der Angeklagte in den verschieden Bereichen keine besondere Auffälligkeiten zeigte. Allerdings gebe es deutliche Anzeichen für eine Pädophilie oder pädophile Nebenströmung.

Der Verteidiger berichtet daraufhin vor dem Hintergrund einer möglichen langen Haftstrafe, dass der Angeklagte seine Probleme angehen möchte. Der Gutachter führt dazu aus, dass der Angeklagte einer intensiveren Therapie bedarf. Er empfiehlt dem Angeklagten, während der Strafzeit selbst aktiv zu werden und entsprechende Hilfe zu suchen und nicht zu warten, bis jemand auf ihn zukommt.

Die Steuerungsfähigkeit ist laut Gutachter nicht eingeschränkt. Auf Antrag der Staatsanwältin werden die sichergestellten kinderpornographischen Schriften von den Schöffen in Augenschein genommen. Nach einer kurzen Unterbrechung beginnen die Plädoyers.

Von viel größerer krimineller Energie spricht die Staatsanwältin. Viel größer, weil der Angeklagte nicht nur Bilder konsumiert hat, sondern über das Internet aktiv an Handlungen beteiligt war. Auch wenn der Angeklagte von "Fakes" spricht, handle es sich um sexuelle Handlungen, strafbar als Anstiftung zu sexuellem Missbrauch und schwerem Missbrauch.

Insbesondere das Geständnis des Angeklagten sei strafmildernd zu werten. Die Vorstrafen würden aber einen Strafschärfungsgrund darstellen. Insgesamt fordert die Staatsanwältin eine Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten.

Der Verteidiger weist noch einmal auf die Einlassung seines Mandanten hin, seine Einsicht, seine Reue und seinen bekundeten Willen, sich in Therapie zu begeben. Weiter habe der Angeklagte das Verfahren nicht unnötig in die Länge gezogen. Schließlich sitze die Haupttäterin in einem Gefängnis auf den Philippinen und sei für die Justiz hier nur schwer greifbar, ebenso wie deren Kinder.

Dass er der Regisseur war, sei nur eingeschränkt richtig. Das ist im Verlauf der Hauptverhandlung herausgekommen. Weiter sei strafmildernd, dass er die Webcam-Chats nicht aufgenommen hat, um sie sich erneut anzusehen und die kinderpornographischen Werke nicht weiter gegeben hat.

Gesamt fordert der Verteidiger vier Jahre und acht Monate. Zum letzten Wort erhebt sich der Angeklagte und bricht in Tränen aus. "Ich bin froh, dass es vorbei ist." Das Urteil soll nach einer kurzen Unterbrechung fallen.

Update, 11.05 Uhr - Eindeutiger Chatverlauf

Auf die Frage, ob er Angst gehabt habe, erwischt zu werden, sagt der Angeklagte: "Diese Gefahr gibt es immer." Anders als in der Anklage beschrieben, sei es auf der anderen Seite der des Webcam-Chats nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen. Der Angeklagte führt das mit Gesten vor. Dabei gehe es um orale Handlungen am Geschlechtsteil des Jungen.

Das sei deutlich zu erkennen gewesen: "Das war Beschiss". Das habe ihm aber nichts ausgemacht. Eine wohl als "aktiv" gemeinte pädophile Neigung habe er nicht. "Es ging nur um den Konsum", sagt er. "Die Handlungen waren nur angedeutet."

Darauf, dass es komisch klingt, "nur" zu konsumieren, aber dann zu sagen, dass man mehr gar nicht gewollt habe, weil den Kindern nicht weh getan werden soll, sagt der Angeklagte, dass es aber genau so gewesen sei. Ihm habe die Vorstellung schon gereicht.

Zur Bezahlung der Mutter für den Webcamchat und das Zusenden der Videos sagt der Angeklagte, dass es keine Art von Preisliste gegeben habe.

Nach einer kurzen Unterbrechung spricht der zuständige Sachbearbeiter des Bundeskriminalamtes BKA. Er erklärt die internationale Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden zum "Webcam Child Sex Tourism". So wurde zuerst die Philippinin ausfindig gemacht, die ihre Kinder über das Internet zu sexuellen Handlungen via Webcam im Internet angeboten hat.

Auf ihrem Computer fanden sich entsprechende Nutzerdaten des Angeklagten. Anhand dieser Nutzerdaten ist der Angeklagte letztendlich ausfindig gemacht worden. Letztendlich konnten entsprechende Überweisungen des Angeklagten an die Mutter der Kinder nachgewiesen werden.

Webcam-Aufnahmen konnten auf den sichergestellten technischen Asservaten des Angeklagten nicht gefunden werden aber der Chatverlauf sei eindeutig, erklärt der BKA-Beamte. Den hat die US-amerikanische Bundesbehörde FBI den Deutschen Behörden zur Verfügung gestellt. Er umfasst 110 Seiten.

Auf die Frage des vorsitzenden Richters, ob die dargestellten Handlungen auf den Videos aus seiner Sicht "Fake" waren oder nicht, sagt der Beamte, dass er diese Einschätzung nicht teilen könne. Zur Philippinin sagt er, dass sie dort festgenommen wurde. Einen Zugriff auf sie und die Kinder für die Deutsche Justitz ordnet er als "schwierig" ein.

Update, 9.40 Uhr - Prozessbeginn

Die Anklageschrift wird verlesen. Insgesamt geht es um acht Handlungen des Angeklagten, währenddessen er laut Ermittlungen über das Internet die Mutter der eigentlichen Opfer angeschrieben hat, sie solle an deren Kindern - zwei Mädchen und einem Jungen - oder die Kinder sollten an sich selbst oder untereinander sexuelle Handlungen an sich vornehmen.

Außerdem haben die Ermittlungen ergeben, dass er kinderpornographische Werke auf seinem Computer hatte. Der vorsitzende Richter der 6. Strafkammer am Landgericht Traunstein erklärt, dass der Angeklagte bereits in dieser Richtung rechtskräftig verurteilt wurde und innerhalb der Fünfjahresfrist erneut straffällig wurde, im Detail wegen zweier Fälle sexuellen Missbrauchs und eines Falles von Besitz kinderpornographischer Werke.

Der Verteidiger gibt im Auftrag des Angeklagten dessen Einlassung ab. Dieser räumt die Schuld vollumfänglich ein. Er erkenne sein Fehlverhalten, sagt, dass er keine Kontrolle mehr über sich gehabt habe. "Es war so eine Art Kick", sagt der Angeklagte nach der Verlesung der Einlassung selbst auf Nachfrage des vorsitzenden Richters. "Es hat sich tatsächlich so zugetragen." Und weiter: "Ich sag mal: Andere haben Spielsucht." Er spricht kurz und abgehackt.

Vorbericht

Zu dem, was der Altöttinger laut Staatsanwaltschaft getan hat, gibt es ein legales Pendant: Webcam-Girls. Diese meist jungen aber volljährigen Damen machen gegen Bezahlung vor der Webcam, was der User wünscht. Dieser kann den Damen dabei zu sehen.

Schwerwiegend und strafrechtlich relevant

In diesem Fall gibt es schwerwiegende und vor allem strafrechtlich relevante Tatvorwürfe: Was der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft getan hat nennt sich „Webcam Child Sex Tourism“. Da werden Kinder – quasi ferngesteuert – missbraucht, während der Kunde – meist im Ausland – das Geschehen per Webcam live beobachten und Täter wie Opfer Anweisungen geben kann. Die Staatsanwaltschaft spricht hierzu in punkto Opfer von "Personen unter 14 Jahren".

rw/dpa

Quelle: chiemgau24.de

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