Prozess zum mutmaßlichen Sex-Übergriff durch Buttnmandl in Berchtesgaden

Angeklagter habe die Frauen beschützen wollen

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Der Angeklagte im Gerichtssaal des Laufener Amtsgerichts. Der Berufungsprozess beginnt am 24. Mai 2018 im Landgericht Traunstein
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Berchtesgaden/Traunstein - Der Fall um einen sexuellen Übergriff eines Buttnmandls in Berchtesgaden im Dezember 2016 wird vor dem Traunsteiner Landgericht neu aufgerollt.

UPDATE, 16.55 Uhr: Nikolaus der Gruppe und weitere Zeugen sagen aus

Zweiter Zeuge ist der Nikolaus der Gruppe. Der Zeuge sei am Tattag als Nikolaus von Haus zu Haus gegangen, schließlich auch zur einer pädagogischen Einrichtung, und habe dort den Nikolaus gespielt. Mehr habe er zu dem Zeitpunkt nicht mitbekommen. Der Heimleiter der Einrichtung sei dann etwa eineinhalb bis zwei Stunden später auf den Nikolaus zugegangen und habe ihn angesprochen, dass es zu einem sexuellen Übergriff auf zwei seiner Mitarbeiterinnen durch Buttnmandl gekommen sei. Er habe dann gleich die Buttnmandl zusammengetrommelt und wissen wollen, wer das war, weil er sonst sein Zeug ausziehe und heim gehe. „Einige haben dann gesagt, der Angeklagte und ein weiterer sind noch nicht da. Ich habe dann zu den Beiden gesagt, sie sollen sofort hingehen und sich entschuldigen.“ Zum Alkoholkonsum der Bass sagt der Nikolaus aus, dass keiner mehr Autofahren hätte können.

Auch der dritte Zeuge, ein Ganggerl der Bass, sagte aus, dass die beiden Frauen aus dem Haus gezogen worden seien. Er habe gesehen, dass ein Strohbuttnmandl auf einer Frau gelegen habe. „Das habe ich dann von ihr runtergestoßen.“ Mehr habe er nicht mitbekommen. Auch er habe die Situation als nicht außergewöhnlich empfunden.

Die beiden Frauen hätten ziemlich gleich ausgesagt, dass diese am Tattag von Buttnmandln aus ihrer Arbeitsstätte herausgezogen und dort dann unsittlich berührt worden seien, bis zwei Ganggerl ihnen zu Hilfe kamen, sagt der Polizeihauptkommissar aus, der die beiden Geschädigten als Zeugen einige Tage nach dem Vorfall vernommen hat. Die Geschädigten hätten dann lange überlegt, ob sie das zur Anzeige bringen wollen. Da ihnen das aber keine Ruhe gelassen habe, und sie auch andere Frauen schützen wollen, haben sie sich schließlich doch für eine Anzeige entschieden. Auf einen Pressebericht hin habe sich der Angeklagte bei dem Beamten gemeldet und ausgesagt, dass er die Frauen vor den Strohbuttnmandln beschützen wollte.

Die Verhandlung wird unterbrochen und im Juni fortgesetzt.

UPDATE, 15.50 Uhr: Erster Zeuge: ein Ganggerl der Bass

Die Berufung des Angeklagten sei laut Vorsitzender Richterin Heike Will nicht weiter begründet worden. Der Angeklagte macht zur Sache keine Angaben.

Als erster Zeuge zu den möglichen sexuellen Übergriffen am 5. Dezember 2016 sagt ein Ganggerl der Bass aus. Der Heimleiter der pädagogischen Einrichtung, in der die Geschädigten arbeiten, sei auf den Zeugen zugegangen, habe gesagt, dass etwas vorgefallen sei und dass er nach den beiden Frauen schauen solle. Er selber habe nichts für ihn Ungewöhnliches beobachtet

Es sei der Brauch einer Bass, dass man Leute aus dem Haus ziehe, sie eventuell ein bisschen mit Schnee einreibe, vielleicht einen Klaps mit der Rute gebe. Sexuelle Übergriffe habe er nicht beobachten können. „Wir hätten dann natürlich eingegriffen, wir sind ja auch keine 'Grattler',“ sagt der Zeuge. „Wir sind alles anständige Leute.“ 

Er habe gesehen, dass die Geschädigten auf einem Wiesenstück am Boden gelegen haben. „Die linke Frau habe ich gar nicht gesehen, da war ein Strohbuttenmandl im Weg, die rechte Frau konnte ich sehen.“ Auf dieser sei der Angeklagte (ein Fellbuttenmandl mit rußigem Gesicht) ohne Maske aufrecht im Reitersitz gesessen, die Hände seitlich an seinen Oberschenkeln. „Sie haben miteinander geschäkert und geredet, sich ganz normal unterhalten.“ 

Die Frau habe seinem Eindruck nach keine ablehnende Haltung gegenüber dem Angeklagten eingenommen. Wenn er gesehen hätte, dass die Frauen sexuell belästigt worden sein, hätte er nach eigener Aussage eingegriffen, so der Zeuge. Als der Nikolaus der Gruppe von dem Vorfall gehört habe, sei dieser sauer geworden und habe um Aufklärung gebeten. 

Auf Wunsch des Nikolauses habe man dann vereinbart, dass der Angeklagte mit zwei weiteren Mitgliedern der Gruppe zu den Frauen hingehen und sich entschuldigen solle. Für was genau könne er nicht sagen. „Wir sind ja von unserem Nikolaus erpresst worden, wenn wir das nicht klären, dann zieht er sofort sein Zeug aus und geht heim.“

Vorbericht:

Über 40 Bassn gibt es im Berchtesgadener Talkessel. Nach einem alten Brauch, ziehen sie zusammen mit dem Nikolaus, den Ganggerln und Krampein von Haus zu Haus. 

Eines der Fellbuttnmandl aus dem Berchtesgadener Talkessel stand im September 2017 vor wegen sexueller Nötigung vor dem Amtsgericht Laufen

Fall wird neu aufgerollt

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu neun Monaten auf Bewährung, einer Bewährungsfrist von drei Jahren und einer Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro. Der Angeklagte legte gegen das Urteil Berufung ein. Der Fall wird nun am 24. Mai 2018 am Traunsteiner Landgericht neu aufgerollt. Prozessbeginn ist um 13:30 Uhr. Fortsetzungen sind geplant für Donnerstag, 14. Juni 2018, 09.30 Uhr und Dienstag, 26. Juni 2018, 13.30 Uhr.

Das war passiert:

Der Beschuldigte soll am 5. Dezember 2016 zusammen mit seiner Bass eine Einrichtung in Berchtesgaden in der Oberschönauer Strasse besucht haben. Nach dem offiziellen Teil des Besuches der Bass, soll das Opfer zusammen mit einer Kollegin von den Fellbuttnmandln nach draußen gezogen worden sein.

"Da war ja noch alles ok, auch das Busserl auf der Wange". Nicht mehr ok für die Geschädigten, Richter und Staatsanwältin war, dass im weiteren Verlauf beide Frauen nacheinander ein Stück außerhalb des Hofs zu Boden geworfen wurden. Als die Geschädigte am Boden lag, soll sich der Angeklagte dann zusammen mit einem anderen Fellbuttnmandl auf sie gelegt und sexuell massiv bedrängt haben haben.

Hilfe durch ein Ganggerl der Bernei Bass

Ein Ganggerl aus der Bernei Bass sei ihnen zu Hilfe gekommen. Erst als er bei der Tat dazugekommen sei, hätte der Beschuldigte von der Geschädigten abgelassen.

Quelle: chiemgau24.de

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