Mutmaßlicher Messerstecher von Neumarkt-St. Veit vor Gericht

Sachverständiger sieht keine eingeschränkte Schuldfähigkeit

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Traunstein/Neumarkt-St. Veit - Nach einer brutalen Messerattacke auf zwei Frauen im Juni 2016 muss sich der mutmaßliche Messerstecher von Neumarkt-St. Veit vor Gericht verantworten. Das passierte am dritten Prozesstag:

UPDATE, 14.55 Uhr:

Zu den dauerhaften medizinischen Folgen, abgesehen von den psychischen, sei gerade bei der Mutter die schwerwiegende Halsverletzung zu nennen, so der Sachverständige. Richter Erich Fuchs fragte hierzu bei der Anklage nach. Die hatte nämlich von einer regelrechten Entstellung bei der Mutter gesprochen. Eine Formulierung, die der Sachverständige teilt.

Zum psychischen Zustand des Angeklagten befragt, macht ein weiterer Sachverständiger seine Ausführungen. Der sei nicht sonderlich auffällig - Alkoholkonsum normal, keine Drogen.

Die familiäre und private wie auch die Arbeitssituation des Angeklagten seien durchaus nicht die besten, aber von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit aufgrund psychischer Auffälligkeiten könne man nicht reden. Dass der Angeklagte nach der Trennung seiner Freundin einen Hass auf Frauen entwickelt hatte, hält der Sachverständige für Spekulation. Der Nebenkläger fragt nach, weil das jüngere Opfer zum Tatzeitpunkt eine ähnliche Haarfarbe hatte wie die Ex-Freundin des Angeklagten. Ob man daraus etwas schließen kann wurde allerdings vom Sachverständigen weder verneint, noch bejaht. Es sei aus seiner Sicht Spekulation.

Damit ist der dritte Prozesstag beendet. Das Verfahren wird am 23. März fortgesetzt.

UPDATE 13.20 Uhr: Die Mutter verlor 2,5 Liter Blut

Derzeit sprechen die Sachverständigen. Zum einen geht es um ein Bewegungsprofil, erstellt anhand der Blutstropfen auf der Terasse der Opfer in Neumarkt St.-Veit. Sichere Angaben seien nicht zu machen, so der entsprechende Sachverständige aber es sei plausibel, dass beide Opfer in Richtung der Terassentüre, also zum Haus flüchteten.

Eine Rechtsmedizininerin berichtete von DNA Spuren. Auffallend: Vom Täter gibt es am Tatort keine verwertbaren Blutspuren, deren DNA ihm zugeordnet werden kann.

Ein Forensiker und Rechtsmediziner berichtet von den Untersuchungen von Täter und Opfer. Beide seien so stark verletzt worden, dass sie innerhalb weniger Stunden gestorben wären, ohne medizinische Hilfe. Die Mutter sei eigentlich schon fast tot gewesen. Schließlich habe sie rund 2,5 Liter Blut verloren.

Letzterer Sachverständiger geht auch auf die Schnittwunden ein. Sein Schluss: Tatwaffe war das Rasiermesser und es muss so gewesen sein, dass die Tochter, also das erste Opfer, von hinten angegriffen worden ist.

Die Tatwaffen wurden am 2. Prozesstag präsentiert.

UPDATE, 11.10 Uhr:

Zur finanziellen Situation des Angeklagten berichtet dessen Tante weiter, dass sie ihm angeboten hätte, zu helfen, wo es geht, nachdem er seine Arbeit verloren hatte. Er habe die Hilfe abgelehnt. "Er wollte das selber lösen."

Zum Paar (Angeklagter und seine Freundin) sagt sie, dass es ein tolles Paar war, bis er fremdgegangen ist. Mit den Problemen hat sich der Angeklagte offenbar immer mehr zurückgezogen. "Zuletzt war er sehr still."

Ex-Freundin und Tante sagen aus, dass er nie gewaltsam gegen Menschen war.

UPDATE, 10.40 Uhr: Tante des Angeklagten sagt aus

Jetzt sitzt die Tante des Angeklagten im Zeugenstand. Sie berichtet über dessen Mutter. Diese sei hochgradig depressiv, habe sogar schon einmal versucht, sich das Leben zu nehmen. Über den Vater des Angeklagten sagt sie, dass er bis zu seinem Tod politisch stark rechts orientiert war, Hitler verehrt und Waffen gesammelt habe. Nach dem Tod des Vaters sei es Mutter und Sohn sehr schlecht gegangen. Zu dieser Zeit lebten beide in Ungarn. Ärmliche Verhältnisse seien das gewesen. Teilweise hätten sich die beiden von nur einer Semmel am Tag ernährt.

Während seine Tante über ihn und seine Familie spricht, sitzt der Angeklagte, wie schon die beiden ersten Verhandlungstage fast schon regungslos da. Sein Blick ist gesenkt.

UPDATE, 10 Uhr:

Der Nebenkläger will von der Zeugin noch einmal genauer wissen, wie die Beziehung der beiden verlief. Weil die beiden noch zusammen wohnten, vermutet er, dass der Angeklagte wohl nicht registriert hatte, dass die Beziehung von der Zeugin bereits beendet wurde.

UPDATE, 9.47 Uhr: "Depressiv bis weinerlich"

Gefragt, was sie glaube, warum der Angeklagte die Tat begangen hat, spricht dessen Ex-Freundin im Zeugenstand davon, dass er aus ihrer Sicht den Boden unter den Füßen verloren hat, nicht zuletzt nachdem er seinen Arbeitsplatz verloren hatte. Die Schulden, seine depressive Mutter, der er aufgrund der schlechten finanziellen Lage nicht mehr helfen konnte und darüber hinaus hatte sie mit ihm Schluss gemacht.

Überhaupt sei er mit den wachsenden Schulden schon vorher depressiv bis weinerlich gewesen, so die Zeugin.

UPDATE, 9.42 Uhr: Ex-Freundin des Angeklagten sagt aus

Der dritte Prozesstag beginnt mit der Befragung der Ex-Freundin des Angeklagten. Die junge Frau berichtet vom Zusammenleben in der gemeinsamen Wohnung, die Beziehung und das Arbeitsleben der beiden. Drei Jahre sei sie mit ihm zusammen gewesen. Auffällig sei er nicht gewesen, die Beziehung sei normal verlaufen. Zuerst sei die finanzielle Situation des Angeklagten gut gewesen. So habe er seiner Mutter regelmäßig Geld überwiesen.

Richter Erich Fuchs zeigt der jungen Frau die Messer, mit denen der Angeklagte nach der Tat von der Polizei aufgegriffen wurde. Sie erkennt diese. Das Rasiermesser sei ein Traum von ihm gewesen. "Er steht auf diese Retro-Dinge", sagt sie.

In den Wochen vor der Tat hat sich die finanzielle Situation des Angeklagten offenbar dramatisch verschlechtert. Schulden, die Versicherung für das Auto nicht bezahlt, eine Aufforderung, die Papiere für das Auto bei der Polizei abzugeben: Die Ex-Freundin vermutet, dass der Angeklagte Angst vor dem möglichen Entstempeln seiner Nummernschilder hatte. Das war am Tag der Tat.

Prozess geht weiter:

Verschiedene Zeugen wurden zuletzt gehört: Nachbarn, genauso wie Polizisten, die an jenem Tag im Juli von der schrecklichen Tat "Wind bekommen" hatten oder beruflich im Einsatz waren: Am Freitag wird der Prozess gegen den mutmaßlichen Messerstecher von Neumarkt-St. Veit fortgesetzt. innsalzach24.de berichtet zeitnah aus dem Gerichtssaal.

Vorbericht:

Ein 24-Jähriger war vergangenen Sommer "aufgrund seines Zorns über seine Lebensumstände" mit mehreren Messern auf einem Fahrrad losgezogen. Er hatte den Vorsatz gefasst "wahllos Menschen zu töten", wie es in der Anklageschrift heißt.

Mit einem Rasiermesser soll der Angeklagte am Nachmittag des 27. Juni 2016 in den Garten eines Hauses in Neumarkt-St. Veit eingedrungen sein und eine Bewohnerin des Hauses, die nichtsahnend auf der Terrasse saß, angegriffen haben.

"Der Angeschuldigte trat von hinten an die Geschädigte heran und packte sie mit der linken Hand an den Haaren und hielt ihr das Rasiermesser an die rechte Halsseite", so die Staatsanwaltschaft unter anderem am ersten Prozesstag. Mit dem Eintritt in die Hauptverhandlung sprachen die beiden Geschädigten Frauen (Mutter und Tochter) zum Erlebten. Heute muss er sich für seine Bluttat vor dem Landgericht Traunstein wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung verantworten.

Ein Urteil wird nach fünf Prozesstagen für den 30. März erwartet.

Aus dem Archiv:

Bilder vom Tatort nach der Messerattacke

Blutiger Messerangriff in Neumarkt-Sankt Veit

Quelle: chiemgau24.de

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