Prozess nach tödlichem Motorradunfall bei Peterskirchen

Wer ist der Verursacher? Verhandlung vor dem Landgericht vertagt

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Markus D., der Vater eines der Unfallopfer, machte seinem Ärger über anscheinende Ermittlungsfehler nach dem Horror-Crash Luft. 
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Traunstein/Unterreit - Nach dem tödlichen Motorradunfall zwischen Peters- und Taufkirchen 2015, ging es am Montag am Landgericht Traunstein unter anderem um die Frage der Schuld. Die Verhandlung wurde am frühen Nachmittag vertagt:

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Sommer 2015 ereignete sich zwischen Taufkirchen und Peterskirchen ein furchtbarer Unfall. 
  • Beim Zusammenstoß zweier Motorräder kamen beide Fahrer ums Leben.
  • Die Familie von Dennis D. (18), einem der Unfallopfer, zweifelt an der Richtigkeit der Ermittlungen.
  • Sie strengten daher bereits ein zweites Gutachten an.
  • Es geht in der Verhandlung vor dem Landgericht Traunstein am Montag um Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen der Familie von Dennis D. gegen die Hinterbliebene des zweiten Fahrers und deren Versicherung.
  • Die zentrale Frage ist, welcher der beiden Fahrer, zum Unfallzeitpunkt in einer Kurve auf der gegnerischen Fahrbahn war.
  • Zunächst sagten drei Zeugen aus, welche von Dennis' Unschuld an dem Unfall überzeugt sind.
  • Im Anschluss berichteten zwei Ersthelferinnen sowie ein Polizist über ihre Eindrücke vom Unfallort.
  • Verhandlung wird am frühen Nachmittag vertagt.
  • Fortsetzungstermin ist der 31. Juli

UPDATE, 13.30 Uhr - Fahrer aus Gruppe vernommen

Jetzt spricht der erste Fahrer in der fünfköpfigen Gruppe. Er hat von dem Unfall selbst nichts gesehen, da er und der zweite Fahrer bereits weiter voraus waren. Als die anderen von hinten nicht mehr aufschlossen, beschloss er im nächstgelegenen Ort Peterskirchen zu warten. Nach etwa einer Minute fuhren sie die Strecke wieder zurück, schauten offenbar auf dem Weg schon bei langsamer Fahrt, ob jemand verunfallt ist, bis sie zur eigentlichen Unfallstelle kamen. 

Das Gericht interessierte sich für seine Wahrnehmung der Fahrweise des späteren Unfallgegners von Dennis, denn er und Fahrer zwei hatten ihn noch gesehen. Dieser habe noch den typischen "Bikergruß" gemacht, seine Fahrweise sei unauffällig gewesen.

Anschließend wird die Verhandlung unterbrochen. Fortsetzungtermin ist der 17. Juli.

UPDATE, 12.55 Uhr - Polizist macht Aussage

Jetzt sagt ein Polizist aus. Der Polizeibeamte erklärt, dass die Polizeiinspektion Traustein bereits vor Ort war, als die Beamten der Polizeiinspektion Waldkraiburg hinzu kamen. Das liege an der Unfallstelle in Grenznähe der beiden Landkreise. Zu diesem Zeitpunkt waren die Motorräder offenbar in ihre Lage schon verschoben worden. Das sei für einen entsprechenden Zugang zur Unfallstelle und insbesondere der Verletzten geschehen. 

Es stellte sich heraus, dass die Ermittlungsbeamten der Polizei offenbar über Fotos verfügen, die im Gutachten der Staatsanwaltschaft nicht Verwendung fanden, die auch weder Kläger- noch Beklagtenvertreter bis jetzt gesehen hatten

Weiter berichtete der Beamte von Fotos, die sich auf einer Speicherkarte mit anderem Aktenzeichen befinden würden. Es wurde vereinbart, dass der Beamte diese Fotos nachreicht. Weiter gefragt, spricht der Beamte darüber, dass es aus seiner Sicht keine verwertbaren Bremsspuren gab. In diesem Zusammenhang bringt der Klägervertreter Fotos eines Unfalljournalisten hervor, auf denen anscheinend doch welche zu sehen sind, so die Klägerpartei.

Der Polizeibeamte spricht weiter zu den Vernehmungen direkt am Unfallort, insbesondere zu einer: Da sprach der Fahrer vor Dennis davon, dass er sich Zitat "nicht gefährdet gefühlt" hat. Diese Aussage hat eine Polizeibeamtin vor Ort handschriftlich gemacht. Er, der Beamte, hatte den Motorradfahrer dann selbst später noch einmal genau dazu befragt. 

Ergebnis: Er, also der Fahrer, habe sich nicht "gefährdet" gefühlt. Der Fahrer wies im Verlauf seiner Vernehmung vor Gericht mehrfach darauf hin, dass er zu diesem Zeitpunkt unter Schock stand. Der Polizeibeamte wies darauf hin, dass er seine Aussagen zu diesem Zeitpunkt hätte verneinen können.

Weiter ging es um die Frage, warum bei Dennis ein Bluttest auf Alkohol gemacht wurde und beim Unfallgegner nicht. Der Beamte antwortete, dass Dennis D. schwer verletzt aber am Leben war, also ein möglicher Rückgang des Alkohols im Raum stand, wohingegen dem bereits verstorbene Unfallgegner ohnehin bei der Obduktion im Fall des Falles Blut entnommen werden würde. 

Er hielt zusammenfassend fest, dass eine solche Blutentnahme von der Staatsanwaltschaft angeordnet werden muss.

Update, 11.45 Uhr: Ersthelferinnen sagen aus

Nun sprechen die beiden Ersthelferinnen, sie sind Mutter und Tochter. Sie berichten insbesondere vom Zustand von Dennis D. und seiner Freundin, da der andere Motorradfahrer bereits tot war. Vor allem Dennis Freundin hatte wohl schwere Schmerzen. "Sie hat geschrien!", berichten beide Ersthelferinnen.

Dann sagt der Polizist der Waldkraiburger Inspektion aus, der den Fall vor Ort aufgenommen hatte. Es geht wie bei allen Zeugen um die Frage, wer zum Zeitpunkt des Unfalls auf welcher Fahrbahn war. Dazu sind sowohl die Lagen der Personen als auch die der Fahrzeuge wichtig und die Frage, von wo nach wo sie eventuell nach dem Unfall von wem bewegt wurden. Die Aussagen dazu sind natürlich abhängig vom Zeitpunkt des Eintreffens der jeweiligen Zeugen am Unfallort.

Update, 10.20 Uhr: Anderer Fahrer sagt aus

Im Moment spricht der Fahrer, der nach Dennis Fahrt an vierter Position als nächstes am Unfallort war. Er sei mit etwa 100km/h unterwegs gewesen und habe als eigentlich letzter Fahrer der Gruppe schnell aufgeholt. Daraus leite er ab, dass Dennis zum Unfallzeitpunkt deutlich langsamer fuhr. 

Auf der Strecke ging es in eine Rechtskurve, so dass er den Unfall selbst nicht sehen konnte. "Da war eine Staubwolke hinter dem Hügel. Da bin ich gleich runter vom Gas". In Sichtweite zur Unfallstelle habe er das Motorrad von Dennis noch umfallen sehen. Auch dieser Zeuge zeichnet der Richterin die Siuation am Unfallort schematisch auf.

Update, 10.10 Uhr: Dennis' Freundin sagt aus

Nun sagt Dennis D.´s Freundin zu den letzten Minuten und Sekunden bis zum Unfall aus. Sie war seine Sozia, kann sich aber nur noch an wenige Details erinnern. 

Sicher sei sie sich, gesehen zu haben, dass das entgegenkommende Motorrad immer weiter auf die Spur von Dennis Motorrad kam. Ganz kurz vor dem Crash will sie gesehen haben, dass Dennis Motorrad auf der korrekten Fahrbahnseite fuhr, weil sie den Mittelstreifen deutlich entfernt sah.

Update, 9.50 Uhr: Widersprüchliche Aussagen?

Die Vertreter von Kläger und Beklagten befragen den ersten Zeugen zu einzelnen Details. Es geht unter anderem auch um Unterschiede in seinen Aussagen. Denn kurz nach dem Unfall soll er sich gegenüber der Polizei anders geäußert haben als am Montag vor Gericht.

"Warum es zum Unfall kam, kann ich nicht sagen", soll er damals ausgesagt haben. Im Laufe der Verhandlung am Montag, betonte er aber deutlich, dass er wüsste, dass Dennis D. den Unfall nicht verursacht habe. Der Zeuge beruft sich hierzu darauf, dass er damals, kurz nach dem Unfall, unter Schock stand. 

Der Anwalt der Kläger weist auf den korrekten Wortlaut in der ersten Aussage bei der Polizei hin, wonach diese erste Aussage bei der Polizei im Kontext durchaus korrekt sei.

Update, 9.35 Uhr: Der erste Zeuge sagt aus

Die vorsitzende Richterin hat die Hauptverhandlung eröffnet.

Sie wird im Verlauf des Verfahrens alle Zeugen eindringlich belehrt haben, wie wichtig es sei, die Wahrheit zu sagen, denn alle seien die dabei waren, das Auge des Gerichts. Der erste Zeuge berichtete, dass er etwa 30 Meter vor Dennis in der Gruppe fuhr und davon, dass der entgegenkommende Fahrer bereits "in der Kurve lag" und sein Oberkörper auf seine Fahrspur herüberragte. 

"Da habe ich mir gedacht: Das wird eng". Dann habe es auch schon gekracht. Im Rückspiegel habe er eine Staubwolke gesehen. Er sei sich aber sicher, dass der entgegenkommende Fahrer schuld war, weil er eben schon weit auf der Seite von Dennis war.

Von den ersten Sekunden danach berichtet der Zeuge davon, dass er nach dem Unfallgegner von Dennis sah. "Da hing der Kiefer schon runter. Der war tot!"

Im weiteren Verlauf befragt die Richterin den Zeugen zu den genauen Lagen von Fahrzeugen und Personen am Unfallort.

Der Vorbericht:

Nach tödlichem Motorradunfall zwischen Peterskirchen und Taufkirchen im Landkreis Mühldorf im Sommer 2015: Wer hat Schuld?

Es war ein furchtbarer Unfall: Im Sommer 2015 krachten zwischen Taufkirchen und Peterskirchen zwei Motorräder ineinander. Einer der beiden Fahrer verstarb noch an der Unfallstelle. Der andere erlag nur wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Schlimmer Motorradunfall an der Landkreisgrenze

Klarheit und Gerechtigkeit in der Sache und damit für meinen Sohn“, forderte Markus D. aus Unterreit, der Vater von Dennis, einem der beiden tödlich verunglückten Fahrer. Nach der Zeit der Trauer setzten sich er und seine Familie mit den Freunden von Sohn Dennis zusammen. Dennis war an diesem Tag nämlich nicht alleine mit dem Motorrad unterwegs.

Es entwickelten sich Zweifel an der Richtigkeit der Ermittlungen zum Horrorunfall. Markus D. beauftragte einen Anwalt. Ein zweites Gutachten wurde angestrengt. Bereits im ersten Aufsatz wies es offenbar Fehler in dem von der Staatsanwaltschaft beauftragtem Gutachten aus.

Am Montag geht es vor dem Landgericht Traunstein um Schadenersatz und Schmerzensgeldforderungen der Familie von Dennis D. gegen die Hinterbliebene des zweiten Fahrers und deren Versicherung. Die zentrale Frage ist, wer von beiden Fahrern, zum Unfallzeitpunkt in einer Kurve auf der gegnerischen Fahrbahn war.

innsalzach24.de berichtet zeitnah aktuell vom Landgericht Traunstein.

Quelle: innsalzach24.de

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