Richter spricht von "Wildwest in Waldkraiburg"

Psychisch Kranker nach Verfolgungsjagd mit Polizei vor Gericht

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Waldkraiburg - Ein 22-jähriger psychisch Kranker hatte sich im Februar eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Nun musste er sich deshalb vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

"Wildwest in Waldkraiburg, wie im amerikanischen Actionfilm", zitieren die Waldkraiburger Nachrichten den vorsitzenden Richter. Eine Gutachterin bescheinigte dem Waldkraiburger eine psychische Erkrankung und Schuldunfähigkeit zu den Tatzeiten. Das Gericht ordnete, laut der Zeitung, die Unterbringung des psychisch kranken 22-jährigen Studenten in einer psychiatrischen Klinik an. Dies wurde jedoch, unter strengen Auflagen, für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Gegen ihn wurde außerdem eine Fahrerlaubnissperre von einem Jahr und neun Monaten verhängt.

Am Anfang stand eine problemlose Verkehrskontrolle

Anfang Februar war der Beschuldigte durch zwei Polizisten einer allgemeinen Verkehrskontrolle unterzogen worden. Diese verlief laut der Anklage beanstandungslos. Doch im Anschluss daran folgte er in seinem Fahrzeug, einem Smart, dem Dienstwagen der Beamten. Als die Polizisten eine weiteres Auto einer Verkehrskontrolle unterzogen, raste der Angeklagte plötzlich an der Kontrollstelle vorbei und brachte sein Fahrzeug durch Einschlagen des Lenkrads und Anziehen der Handbremse quer auf der Fahrbahn zum Stehen. Daraufhin ermahnten ihn die Beamten, so die Anklageschrift weiter. 

Als die Ordnungshüter ihre Streifenfahrt startete der Angeklagte eine regelrechte Verfolgungsjagd. Er überholte den Streifenwagen zunächst mit hoher Geschwindigkeit. Als die Beamten darauf reagierten, verlangsamte er zunächst um sie aufschließen zu lassen und raste dann, in Schlangenlinien, wieder davon. Dabei versuchte er immer wieder, die Polizisten von der Straße abzudrängen. Er lachte dabei immer wieder und antwortete auf die Aufforderung der Beamten, seine Fahrt zu beenden mit den Worten "Wieso soll ich aufhören? Das macht doch so Spaß!", zitiert die Anklageschrift ihn. 

Zweimal Beinahe-Zusammenstöße herbeigeführt

Die Verfolgungsjagd setzte sich schließlich bis in den Ortsteil Howaschen von Aschau am Inn fort. Dort verloren die Polizisten den Angeklagten kurzzeitig aus den Augen. Als sie bei ihrer Suche nach dem jungen Mann schließlich auf einem Parkplatz wendeten, tauchte er mit seinem Fahrzeug plötzlich wieder auf und raste mit seinem Fahrzeug auf das der beiden Beamten zu, als dieses gerade quer stand. Erst kurz vor dem Aufprall brachte er sein Fahrzeug zum Stehen, so die Anklage. Die Verfolgungsjagd setzte sich auf der MÜ13 fort, dort setzte der Angeklagte, nach einem Wendemanöver, zu einem frontalen Zusammenstoß an, dem die Polizisten durch Ausweichen ins Bankett entgingen.

Schließlich griffen die Polizisten zu einer List. Sie überredeten den 22-Jährigen, er dürfte auf dem Parkplatz in Aschau an das Steuer ihres Streifenwagens, wenn er dort parke. Kaum hatte er dort sein Fahrzeug verlassen, wurde er verhaftet. Schon beim Versuch, seine Fahrtüchtigkeit auf der Dienststelle zu prüfen, leistete er massiven Widerstand und mehrere Beamte waren notwendig, um ihn in eine Zelle zu verbringen, so die Anklage

Einsatz in Arztpraxis am nächsten Tag

Er wurde jedoch wieder entlassen, tauchte aber am nächsten Tag in der Inspektion auf und reagierte mit Beleidigungen, als er nicht, wie von ihm gefordert, eine Entschuldigung erhielt. Am Nachmittag desselben Tages wurde die Polizei dann zu einer Arztpraxis in der Prager Straße gerufen. Der dort befindliche Angeklagte widersetzte sich seiner Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Im Verlauf des Einsatzes leistete er erheblichen Widerstand und versuchte die eingesetzten Beamten mit Faustschlägen und Tritten zu attackieren.

Es gelang den Beamten schließlich, unter erheblicher Gegenwehr, ihn in den herbeigerufenen Krankenwagen zu befördern, um ihn anschließend nach Wasserburg einzuweisen. Durch den Einsatz wurde eine Beamtin durch einen Tritt im Brustbereich leicht verletzt.

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Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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