"I mog koa zwidana Pfarrer wern"

Amors Pfeil hat getroffen: Kaplan aus Eiselfing gibt Priesteramt in Trostberg auf

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Michael Maurer gibt sein Priesteramt der Liebe wegen auf.
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Trostberg/Eiselfing - Eine Entscheidung mit Herz: Kaplan Michael Maurer legt mit sofortiger Wirkung sein Priesteramt nieder - der Liebe wegen. 

"Ich werde nicht nur den Pfarrverband wechseln, sondern auch die Lebensform. Ich möchte mein Priesteramt niederlegen", mit diesen Worten beginnt die ausführliche Stellungnahme von Kaplan Michael Maurer zum Abschied aus dem Pfarrverband Trostberg und seinem Priesteramt

Der junge Priester hat sein Amt statt wie ursprünglich geplant zum 15. August mit sofortiger Wirkung bereits Anfang Juli aufgegeben. Die Personalabteilung in München habe keine Kulanz gewährt, dass Maurer die restlichen sechs Wochen noch im Trostberger Pfarrverband hätte überbrücken dürfen. Der Grund: Er bekannte sich zu einer Frau und möchte heiraten

Als Priester darf der Kaplan fortan nicht mehr am Altar stehen, denn das Zölibat der katholischen Kirche, das im Christentum das Versprechen darstelle, für das weitere Leben die Verpflichtung der Ehelosigkeit zu übernehmen, kennt keine Ausnahmen: Ein Priester, der das Zölibat nicht mehr leben möchte, kann auch nicht länger als im Priester- oder Pfarramt tätig sein

Beweggründe für Rücktritt öffentlich im Internet

2015 wurde der aus der Gemeinde Eiselfing im Wasserburger Altlandkreis stammende 33-Jährige im Freisinger Dom zum Priester geweiht. Seit September 2015 war er im Pfarrverband Trostberg tätig und begegnete in der Seelsorge "den Menschen von Jung bis Alt in Freud und Leid", betonte Maurer auf der Internetseite des Erzbistums München

Vor zwei Jahren dann habe er eine Frau kennengelernt - und Amors Pfeil hat getroffen. Maurer hat nach langen Überlegungen eine alles verändernde Entscheidung getroffen - und für ihn gibt es keine Kompromisse. "Ich habe eine Frau kennengelernt, mit der ich mein ganzes Leben verbringen möchte. Ich will mein Leben in Aufrichtigkeit vor Gott und den Menschen, vor mir selbst und dieser Frau führen und verzichte darum auf eine Kompromisslösung." So lauten seine Worte. 

Kaplan Michael Maurer (Mitte, hier beim Primiz-Sonntag in seiner Heimatgemeinde Eiselfing vor vier Jahren) gibt sein Priesteramt mit sofortiger Wirkung auf. 

"Ich will kein verbitterter Priester werden" 

"I mog koa zwidana Pfarrer wern", betonte Maurer in seiner schriftlichen Erklärung zu seinem Rücktritt als Priester. "Wie es der Zufall, oder womöglich auch Gott, will, habe ich in den letzten beiden Jahren eine Frau kennen- und lieben lernen dürfen."

Maurer würde sich eigener Aussage zufolge "zeitlebens reuen", würde er sein Leben nicht mit dieser Frau verbringen. Weiter erklärt er: "Ein verbitterter Priester kann kein guter Seelsorger mehr sein. Ich will kein verbitterter Priester werden. Ich habe solche Existenzen kennengelernt und ich möchte nicht so enden." 

Leicht sei ihm die Entscheidung nicht gefallen, wie er in seiner Stellungnahme offenbart. Er habe im letzten Jahr viel gebetet, sei in Altötting vor dem Kreuz und dem Allerheiligsten gewesen, habe Gespräche geführt und seine Weg in der Zukunft abgewägt. Wieder verfällt der junge Noch-Priester ins Bayerische: "I hob des Gfui, da Herrgott losst mi geh.

Seinen Dank spricht Maurer allen Mitarbeitern im Trostberger Pfarrverband sowie seiner Kirchengemeinde aus. "Für mich war es die schönste Zeit in meinem Leben, die ich nie vergessen werde", unterstreicht der 33-Jährige abschließend.

mb

Quelle: chiemgau24.de

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