Trostberger JuZ-Leiter in Sorge

"Eltern verzweifeln: Die Jugend hockt nur noch daheim"

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Trostberg - Er weiß wie die Jugend tickt: JuZ-Leiter Dietmar Spitzera hat schon Mühe, die Jugendlichen ins JuZ zu locken - vielen Eltern würde es schon reichen, wenn ihre Kinder überhaupt wieder mehr hinausgehen würden.

"Viele gehen nicht mehr raus, an einem Samstagabend sieht man immer weniger Jugendliche", weiß Dietmar Spitzera zu berichten. Er leitet das JuZ in Trostberg und weiß ziemlich gut, wie es um unseren Nachwuchs steht. Das Problem liegt bei Smartphones und sozialen Netzwerken: "Um Freunde zu treffen muss man sich nicht mehr sehen." Vor allem bei Winterwetter wären viele Jugendliche dann nicht mehr vor die Tür zu bekommen.

Mit der Playstation können die jungen Leute gelockt werden

Am Mittwoch stellte Spitzera dem Stadtrat seinen alljährlichen Bericht vom Jugendzentrum vor. Eine seiner "Lockmittel", um mehr Jugendliche in die Einrichtung zu bekommen: Eine Playstation. Die wurde 2016 extra angeschafft. "Das ist für viele ein Einstieg, um ins JuZ zu kommen. Der Kauf hat sich gelohnt", so Spitzera. Doch es sind oft nur Tropfen auf den heißen Stein.

"Manche Eltern wenden sich verzweifelt an mich: 'In den ganzen Osterferien ist das Kind daheim gehockt'", berichtet der JuZ-Leiter. Das Handy haben man eben schnell in der Hand, da kämen viele Jugendliche oft auf keine anderen Ideen mehr. Ein weiteres Symptom: Viele der Teenager hätten gar kein eigenes Radl mehr

Einen Stamm von rund 20 jungen Leuten hat Dietmar Spitzera regelmäßig im Jugendzentrum. Er lässt sich viel einfallen: Grillabende, Disco, ein Fitneßraum oder Ausflüge in die Berge. Viele der Ideen kommen auch von den Jugendlichen selbst. Was dabei entsteht ist eine "Vertrauenskultur", wie Spitzera es nennt: "Das ist umso wichtiger, weil bei manchen Jugendlichen nur noch wenig Kommunikation im Elternhaus stattfindet."

Probleme mit der "Wehrbaugang"

Auch die sogenannte Trostberger "Wehrbaugang" hatte Spitzera im JuZ schon zu Besuch. Durch Diebstahl, Sachbeschädigung, Alkohol- und Drogenmissbrauch fiel sie der Polizei im vorigen Jahr immer wieder negativ auf. Als die zehn bis zwölf Jugendlichen Ende 2016 dann im JuZ aufkreuzten, lief es auch dort nicht reibungslos ab: Es gab Konflikte mit dem Personal, man wollte sich nicht integrieren, es wurde geraucht.

Aber zumindest das Problem hat sich dann von alleine gelöst: Als die ersten der Gruppe 18 Jahre alt wurden und manche Führerscheine hatten, kamen sie nicht mehr. "Kein großer Verlust", so Spitzera: "Die haben nur was Warmes gesucht, das hatte ich mir eh schon gedacht."

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Oliver Berg/d

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