Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) hielt Ansprache

Tschechien und Bayern gedenken gemeinsam der Opfer des Holocaust

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In Prag (hier zu sehen die Karlsbrücke) findet der länderübergreifende Holocaust-Gedenkakt 2017 des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten statt.

Prag - Zum ersten Mal gedachten Bayern und Tschechien am internationalen Holocaust-Gedenktag gemeinsam der Opfer. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) wertete den Akt als „Geste der Versöhnung“.

Erstmals haben Bayern und Tschechien am internationalen Holocaust-Gedenktag gemeinsam der Opfer gedacht. Eine Delegation des Landtags nahm am Freitag an der Feierstunde im Senat in Prag teil. Auf dem Programm standen Kranzniederlegungen im ehemaligen KZ-Außenlager Leitmeritz, das dem oberpfälzischen KZ Flossenbürg angegliedert war, sowie in der Gedenkstätte Theresienstadt.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) wertete das gemeinsame Erinnern als „große Geste der Versöhnung“. Jahrzehntelang hatte der Streit um die Nachkriegsvertreibung der Sudetendeutschen die Beziehungen zwischen München und Prag überschattet. Während der Nazi-Herrschaft waren mehr als 81 000 Juden aus dem „Protektorat Böhmen und Mähren“ deportiert worden; nur rund 10 500 überlebten den Holocaust.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm würdigte die Einladung nach Tschechien daher als keineswegs selbstverständlich. „Ich weiß, dass es viele von Ihnen auch Überwindung gekostet hat“, sagte die CSU-Politikerin. Sie erinnerte an den im September in München verstorbenen Schoah-Überlebenden Max Mannheimer, der aus Nordmähren stammte. „Er war Mahner und Versöhner, wofür wir ihm zutiefst dankbar sind“, sagte die 72-Jährige.

Tschechischer Senatspräsident rief dazu auf, Erinnerungen an nächste Generationen weiterzugeben

Der tschechische Senatspräsident Milan Stech rief dazu auf, die Erinnerung an die Schrecken an die nächsten Generationen weiterzugeben. Dabei müsse man auch auf moderne Technologien setzen: „Kinder machen heute ohne Smartphone keinen Schritt mehr“, sagte der Sozialdemokrat.

Am Nachmittag legten deutsche und tschechische Vertreter in aller Stille Kränze am ehemaligen Krematorium des KZ Außenlagers in Leitmeritz nieder. Mehr als 4500 Häftlinge des Lagers fanden in einem unterirdischen Stollensystem den Tod, in dem Panzermotoren für den Kriegseinsatz hergestellt wurden. „Das war eine Fabrik des Todes im schlimmsten Sinne des Wortes“, sagte Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

Zum Abschluss erinnerten Politiker und Überlebende in der Gedenkstätte Theresienstadt an den deutschen Mord an den Juden Europas und die Gräuel der Besatzungszeit. „Die vielen, vielen Millionen Opfer des vorigen Jahrhunderts müssen uns ein Memento sein“, sagte dort der KZ-Überlebende Miroslav Kubik. Hitler-Deutschland hatte die Tschechoslowakei mit dem Münchner Viermächteabkommen vom September 1938 zerschlagen. Im März 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Prag ein.

dpa/lby

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