Schienenverkehr: A8 und A93 entlastet

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Das Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien hat dazu beigetragen, dass große Teile des Güterverkehrs über die Alpen von der Straße auf die Schiene verlagert wurden. 

Prien - Das Priener Logistik-Kompetenz-Zentrum gilt im Alpenraum als Vorreiter bei der Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene.

Mit grenzüberschreitenden Großprojekten ist es unter seiner Federführung gelungen, Waren im Gegenwert von über 70000 Lkw pro Jahr aufs Gleis zu bringen, die sonst die A8 und 93 in der Region zusätzlich belasten würden. Jetzt steht das nächste Projekt vor dem Abschluss. Die Ergebnisse von "Transitects" werden Anfang Mai vorgestellt.

Drei Jahre lang haben 16 Partner aus vier Alpenländern Konzepte entwickelt, wie Teile des Lkw-Verkehrs mit Gütern von der Straße auf die Schiene verlagert werden können. Die Fäden liefen im LKZ zusammen. Am Chiemsee werden nun auch die Ergebnisse vorgestellt - beim siebten Symposium "Logistik Innovativ" mit 200 Fachleuten aus dem In- und Ausland.

Manchmal hört sich das, was LKZ-Geschäftsführer Karl Fischer als Verbesserung preist, ganz einfach an. In der Vergangenheit scheiterte die Verwirklichung meist an grenzüberschreitenden Zuständigkeiten.

Die Priener Ideenschmiede hat sich seit ihrer Gründung 1999 mehr und mehr auch über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht, wenn es darum ging, Gleichgesinnte aus mehreren Alpenländern an einen Tisch zu holen. Fischer und seinen Mitstreitern gelang es zum Beispiel, die Fahrzeit von Güterzügen zwischen München und Verona durch viele kleine Einzelmaßnahmen fast auf die Hälfte zu reduzieren und so zur ernsthaften Konkurrenz für den Lkw-Transport zu machen. Auch der mehrere hundert Meter lange "Adriazug", der inzwischen fast täglich nachts mit Gütern die Alpen überquert, wurde in Prien erfunden.

Bei "Transitects" ("Transalpine Transport Architects") schaffte es Fischer erneut, Entscheidungsträger aus mehreren Ländern zusammenzubringen. Das Projekt wurde von der EU gefördert und mit einem Etat von über drei Millionen Euro ausgestattet. Als größten Erfolg der vergangenen drei Jahre mit 100 Mitarbeitern bei 16 Partnern und 20 Sitzungen auf höchster Entscheidungsebene wertet Fischer einen Kooperationsvertrag der fünf Adriahäfen Koper, Ravenna, Rijeka, Triest und Venedig. Sternförmig laufen deren Routen auf der Schiene nun im riesigen Umschlagplatz in Villach zusammen. Sie werden für Transporteure so flexibler und der Umstieg auf die Bahn attraktiver.

Fischer, seit eh und je ein Kämpfer aus Überzeugung für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene, arbeitet schon daran, dieses Schienennetz in Richtung Norden weiterzuspinnen, zu ebenfalls fünf zentralen Umschlagplätzen in Bayern und Baden Württemberg.

Diese Bemühungen hängen wiederum zusammen mit dem Projekt "Hafen Hamburg 62 plus". Der Name sagt aus, dass derzeit 62 Prozent der Güter aus aller Welt, die in der Hansestadt ankommen und deren Zielort in Bayern liegt, per Bahn in den Freistaat kommen - aber eben auch noch 38 Prozent per Lkw über die Autobahnen, umgerechnet immerhin 300000 Container pro Jahr.

Wie diese Zahl reduziert werden kann, wird Claudia Roller, Vorstand der "Hafen Hamburg Marketing", am 9. Mai in Prien erklären. Sie ist eine der namhaften Referenten beim mittlerweile siebten Symposium "Logistik Innovativ" am Chiemsee, das von LKZ und "Bayern Innovativ" veranstaltet wird.

Der dreitägige Kongress mit Staatsempfang im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemsee steht heuer ganz im Zeichen von "Transitects". Er ist gleichzeitig die Abschlusskonferenz dieses ehrgeizigen Großprojekts. Seine Dimensionen lassen sich am Umfang des Schlussberichts erahnen: Er ist 300 Seiten dick.

Dirk Breitfuß/Oberbayerisches Volksblatt

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