Überraschung im Gerichtssaal: Kiener gesteht

Würzburg - 345 Millionen Euro soll der Manager Helmut Kiener in den Sand gesetzt haben. Nach langem Schweigen gesteht er am fünften Verhandlungstag plötzlich, dass er gelogen und betrogen hat. Was er sagte:

Der mutmaßliche Millionenbetrüger Helmut Kiener hat nach eigenen Worten Kleinanleger und Banken über die Entwicklung seiner Anlageprodukte belogen und betrogen. So habe er etwa Abrechnungen und Kontoauszüge manipuliert, um die Verluste seiner Fonds zu verschleiern. “Nachdem ich einmal damit durchkam, schliff sich dieses unsägliche Vorgehen ein“, sagte der Verteidiger des 51-Jährigen in dessen Namen am Donnerstag vor dem Landgericht Würzburg. “Das bereue ich bitter. Ich hatte einfach nicht den Mut, nach den Verlusten das Geschäft aufzugeben und die Fonds abzuwickeln.“

Kiener und sein mutmaßlicher Komplize sollen fast 5000 Kleinanleger und mehrere Großbanken um 345 Millionen Euro gebracht haben. Der 51-Jährige steht wegen Betrugs in 35 Fällen, Urkundenfälschung in 86 Fällen sowie Steuerhinterziehung vor Gericht. Dem zweiten Angeklagten wird Beihilfe zum Betrug vorgeworfen. Dieser bestreitet, wissentlich Anleger getäuscht zu haben.

"Natürlich wollte ich erfolgreiche Anlageergebnisse für die Anleger erzielen“, sagte Rechtsanwalt Achim Groepper in Kieners Namen. Allerdings hätten einige “Anlagestellen“ ihre Kontoauszüge monatelang nicht aktualisiert. Wen er genau meinte, sagte Groepper nicht - vermutlich sind es Geschäftspartner, mit denen Kiener zusammenarbeitete. Erst später sei dem studierten Psychologen aufgefallen, dass sich seine K1 Fonds negativ entwickelten. Der psychische Druck “war enorm“, deshalb habe er Unterlagen gefälscht. “Auch hatte ich Angst, dann im großen Stil verklagt zu werden.“

Mit einem gigantischen Schneeballsystem und einem undurchsichtigen Firmengeflecht soll Kiener die britische Barclays Capital Bank und die französische BNP Paribas an der Nase herumgeführt haben. Wie seinen Privatanlegern versprach der 51-Jährige den international tätigen Geldhäusern laut Anklage übertrieben hohe Renditen, steckte ihr Geld aber in die eigene Tasche. Von den Millionen soll er Flugzeuge, einen Hubschrauber und eine Traumvilla in Florida finanziert haben.

Geld der Anleger ist wohl weg

Mit der Finanzkrise brachen die Fonds ein - ein Millionenverlust blieb zurück. Das Geld der Anleger ist wohl weg. Kiener selbst hat nach eigenen Angaben nur Schulden: rund 500 000 Euro plus Verbindlichkeiten in noch unbekannter Höhe gegenüber dem Finanzamt. Seine Immobilien gehörten seiner Frau, erklärte er.

Der bis zu seiner Verhaftung im Oktober 2009 in Aschaffenburg wohnende Manager erzählte am fünften Verhandlungstag erstmals etwas über sich selbst. “Nach vier Jahren Grundschule wechselte ich in das Gymnasium“, waren seine ersten, direkten Worte an den Vorsitzenden der Kammer. Studiert habe er Psychologie, Sozialpädagogik, aber auch Theologie - dieses Studium allerdings nicht abgeschlossen. Kiener berichtete von seinen zwei Töchtern und antwortete auf die Frage, ob seine Familie trotz der Anklage zu ihm halte: “Auf jeden Fall.“

Der Prozess soll am 3. Mai mit der Vernehmung eines weiteren Geschäftspartners von Kiener fortgesetzt werden. Einen Tag später will sich der Hauptangeklagte erneut zu den Vorwürfen äußern.

lby/dpa

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