Übertrittszeugnisse: Welche Note braucht's?

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München - Rund 120.000 Grundschüler in Bayern erhalten am Montag (3. Mai) ihre Übertrittszeugnisse. Auf welche Schule sie wechseln, entscheidet sich anhand der Durchschnittsnote.

Auf der Basis der Durchschnittsnote können Eltern ihre Kinder für weiterführende Schulen anmelden, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in München. 

Für den Wechsel an eine Realschule benötigen Viertklässler in ihrem Übertrittszeugnis die Durchschnittsnote 2,66 - sie berechnet sich aus den Noten in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. Für das Gymnasium ist eine Durchschnittsnote von 2,33 vorgeschrieben.

Es gibt eine zweite Chance

Kinder ohne die erforderliche Durchschnittsnote haben aber eine zweite Chance: Sie können am Probeunterricht an Realschulen oder Gymnasien teilnehmen, der in diesem Jahr vom 18. bis zum 20. Mai vorgesehen ist. Er ist bestanden, wenn das Kind in einem der beiden Fächer Deutsch und Mathematik mindestens eine 4 und im anderen Fach dann mindestens die Note 3 erreicht. Allerdings gibt es hier eine kleine Lockerung: Wenn das Kind beim Probeunterricht sowohl in Deutsch als auch in Mathematik jeweils nur eine 4 schafft, entscheiden von jetzt an die Eltern - sie können ihr Kind dann trotzdem an die gewünschte höhere Schule schicken. Damit solle die pädagogische Verantwortung der Eltern gestärkt und die Durchlässigkeit zwischen den Schularten erhöhten werden, erläuterte Spaenle. Nach seinen Schätzungen dürfte diese Neuerung rund 2500 Schülern einen Übertritt an eine höhere Schule ermöglichen.

Kritik am "immensen Druck"

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) kritisierte unterdessen den Zeitpunkt für das Übertrittsverfahren als zu früh. Am vernünftigsten wäre es nach Auffassung des BLLV, wenn die Kinder wie in anderen Bundesländern wesentlich länger gemeinsam lernen dürften. In der gegenwärtigen Situation laste ein immenser Druck auf den Viertklässlern, die erforderlichen Noten für einen Übertritt zu bekommen, beklagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel.

Die zahlreichen Proben beherrschten den Schulalltag der vierten Klassen, unterrichtet werde nur noch, was für die Proben und den Übertritt relevant sei, sagte Wenzel. Der “Probenplan“ vereinheitliche die Vorgaben für alle vierten Klassen. “Wer sich vor Augen hält, was der Probenplan den Schülern, ihren Lehrern und natürlich auch den Eltern abverlangt, nämlich sieben Proben im Fach Deutsch, fünf in Mathematik und ebensoviele in Heimat- und Sachkunde, kann sich ungefähr vorstellen, wie belastend die Situation für die Betroffenen ist.“ Zehnjährige Kinder seien “über Wochen einem ungeheuren Prüfungsstress ausgesetzt, in dem es nur noch um die beste Note für den Übertritt geht“.

Neuerung seit dem Schuljahr 2008/2009

Übertrittszeugnisse wurden in früheren Jahren nur auf Wunsch der Eltern ausgestellt. Bereits seit dem vergangenen Schuljahr 2008/2009 erhalten alle Viertklässler ein Übertrittszeugnis. Damit sollte es Kindern aus bildungsfernen, sozial schwachen Familien erleichtert werden, auf eine höhere Schule zu wechseln. Wenn die Noten dafür nicht reichen, steht im Übertrittszeugnis, dass der Schüler für die Hauptschule geeignet sei.  

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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