Feuerwehr trainierte mit Fahrsimulator

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Im Simulator haben die Feuerwehrleute verschiedene Situationen durchgespielt, die ihnen auch im Einsatz begegnen können.

Mettenheim - Feuerwehrleute müssen schnell reagieren können, wenn sie mit ihren großen Fahrzeugen unterwegs sind. Deshalb ging es jetzt zum Fahrtraining:

Oft handelt es sich um Sekundenentscheidungen, die Feuerwehrleute treffen müssen, wenn sie mit Blaulicht unterwegs sind. Beim Fahrtraining konnten sie verschiedene Situationen durchspielen.

Die Ampel ist rot. Der Gegenverkehr fährt schon in die Kreuzung ein. Links vorbei ziehen und als Geisterfahrer einen Unfall riskieren? Drängeln und hoffen, dass die anderen Fahrer eine Gasse bilden? Oder hinter den Autos in Ruhe warten bis die Ampel wieder grün wird? Für normale Autofahrer haben Gesetze und Verkehrsregeln diese Entscheidung getroffen. Feuerwehrleute, die ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn fahren, müssen diese innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde selbst treffen.

Erst kommt die Theorie, dann die Praxis: Ausbilder Greif erläutert am Bildschirm, wie sich Feuerwehrleute verhalten sollen, die mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind (unten). Danach ging es zur Einsatzfahrt, die der Haager Thomas Göschl im Fahrsimmulator absolvierte (oben).

Deshalb hat der Landesfeuerwehrverband Bayern eine Aktion ins Leben gerufen, bei der Feuerwehrmänner Einsatzfahrten mit Blaulicht in einem Fahrsimulator üben können, dem "Sondersignal-Fahrt-Trainer". Er besteht aus drei großen Fernsehbildschirmen, die vor einer Fahrerkabine hängen: Autositz, Lenkrad, Blinker Fußpedale, alles soll an die Fahrerkabine eines echten Feuerwehrautos erinnern. Dieser "Trainer" tourt zurzeit durch Bayern und machte jetzt in Mettenheim Station. Viele Feuerwehrleute aus dem Landkreis nutzten die Gelegenheit kostenlos an dem Training teilzunehmen. Reiner Greif begleitet das Gerät auf seiner Reise durch Bayern und betreut das Fahrtraining.

Am Computer zum nächsten Brand

Nach jeder Fahrt am Computer durch die Stadt, über Landstraßen und Autobahnen analysiert der hauptberufliche Feuerwehrmann Greif die Situationen und das Verhalten der heimischen Feuerwehrleute. "Da warst du einfach zu schnell dran", stellt Greif fest, als einer bei wenig Sicht und hoher Geschwindigkeit ins Stauende rutscht, dass sich nach einem Unfall gebildet hat. "Man muss bei jedem Wetter ausrücken", schmunzelt er "und sich an die Verhältnisse anpassen".

Bei der nächsten Übungsfahrt regnet es in Strömen. Die Sicht liegt unter 50 Metern, langsam fahren ist angesagt. Manche Teilnehmer seien so gestresst, wenn sie langsam fahren müssen, sagt er, dass sie nach einer Kurve erst mal im Graben landen würden.

Immer neue Szenarien

Nur selten wiederholen sich die Situationen am Simulator, und je nach Verhalten des Fahrers reagiert der Computer verschieden. Mal verzichten Autos auf ihre Vorfahrt und helfen den Einsatzkräften, ein anderes Mal zieht ein Fahrzeug davor, schneidet den Einsatzwagen oder bremst ihn aus. Wie in der Wirklichkeit kann man auch am Simulator das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer nur schwer ein schätzen. "War ja klar, dass der noch vorzieht!", schimpft Thomas Göschl. Er ist aus Haag gekommen um an dem Fahrtraining teilzunehmen. "Zuerst war ich mal total verunsichert", beschreibt Göschl die ersten Momente im Simulator. Doch je länger man fahren würde, desto mehr Selbstbewusstsein bekäme man, sagt er.

Bei dem Schlagwort Selbstvertrauen fällt Betreuer Greif noch etwas ein. "Oft geben die Mitfahrer Tipps und fordern dazu auf zu überholen oder an einem schlecht geparkten Auto vorbeizuziehen. "Wenn ihr die Situation anders einschätzt, braucht ihr Selbstvertrauen, damit ihr stehen bleibt!" Da die Verantwortung bei dem Fahrer läge, rät Greif dazu angemessen zu fahren, ruhig zu bleiben und sich weder von anderen Autofahrern noch von den Mitfahrern aus der Ruhe bringen zu lassen.

Und ruhig bleiben rät er auch beim Problem an der Ampel. Ampeln seien zwar immer eine gefühlte Ewigkeit lang rot, aber in Wirklichkeit handele es sich meist nur um ein paar Augenblicke. "Diese Zeit braucht man auch zum Überholen als Geisterfahrer, also rentiert es sich nicht das Risiko einzugehen", entlässt er seine Übungsfahrer ins wirkliche Leben.

dit/Mühldorfer Anzeiger

Aus dem Archiv:

So sieht es aus, wenn die Feuerwehr ein Fahrtraining ohne Simulator durchführt. Bilder und Video stammen von einer Übung in Brannenburg, die im vergangenen Jahr stattfand:

Fahrsicherheitstraining mit der Feuerwehr

Quelle: innsalzach24.de

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