Frau parkt Rettungswagen in Unterhaching zu

Sanitäterin: "Sie hat uns nur angeschaut und ist wortlos an uns vorbei"

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Unterhaching - Eine Frau hat am Montagabend einen Krankenwagen absichtlich zugeparkt, weil sie nicht in ihre Einfahrt fahren konnte. Die 55-Jährige muss nun mit Folgen rechnen. Für die Sanitäterinnen war das "der krasseste Fall" bisher.

Bei ihren Einsätzen geht es oft um Leben oder Tod, es muss schnell gehen. Doch was tun, wenn man dabei absichtlich blockiert und ausgebremst wird? 

Zwei Sanitäterinnen aus Unterhaching sahen sich genau mit dieser Situation konfrontiert. Sie wurden am Montagabend gegen 18.40 Uhr zu einem Einsatz im Hausärztezentrum in Unterhaching gerufen. Der Patient, ein Mann Mitte 30, muss mit Verdacht auf Lungenembolie ins Krankenhaus gebracht werden. Alles läuft nach Plan. 

Doch die beiden Sanitäterinnen haben die Rechnung ohne eine 55-Jährige gemacht. Eine Anwohnerin hatte sich über den in der Einfahrt haltenden Rettungswagen geärgert und ihn mit ihrem Auto blockiert. Gegenüber unserem Partnerportal merkur.de schildern die beiden hauptberuflichen Notfallsanitäterinnen, was passiert war: Die Frau habe sich bei ihnen erkundigt, ob sie denn aus dem Weg fahren könnten. Das verneinte Steffi Weiler. Meinte aber, sie wären gleich weg. „Ich habe sie dann im Augenwinkel vorbeigehen sehen“, erzählt Carina Paulus, die da noch am Telefon hängt, um ein Krankenbett für den Patienten aufzutreiben.

"Sie hat uns nur angeschaut und ist wortlos an uns vorbei"

Als alles organisiert war, wollten die beiden los. Doch da sahen sie, dass sie eingeparkt waren. Um keine Zeit zu verlieren, versuchen die Sanitäterinnen an dem Auto vorbei auf die Straße zu manövrieren, räumen abgestellte Fahrräder beiseite. Doch sie haben keine Chance, es ist einfach zu eng, um an dem Auto vorbei zu kommen. Eine Nachbarin bemerkt die Szene, holt die Fahrerin aus der Wohnung. „Sie hat gar nichts zu uns gesagt, hat uns nur angeschaut und ist wortlos an uns vorbei“, so Weiller zu merkur.de. Elf Minuten später können die Sanitäterinnen ihren Patienten endlich ins Krankenhaus bringen. Zum Glück ist der Mann weiterhin stabil. 

Bei der Rückfahrt aus München fahren die beiden direkt zur Polizei in Unterhaching. „Wir wollen der Frau nichts Böses“, sagt Paulus. „Aber wir mussten klar reagieren.“ Der ungeduldigen Fahrerin droht nun laut der Polizei eine Anzeige wegen Nötigung und Unterlassener Hilfeleistung. Die beiden sind nicht sauer, aber enttäuscht. „Das war der krasseste Fall bisher“, so Paulus. Doch beide beobachten: Die Menschen werden ihnen gegenüber immer aggressiver.

Leser zeigen sich auf Facebook schockiert

Der Fall in Unterhaching hat in Bayern eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Auch unsere Leser zeigen sich schockiert. Eine Leserin unter unserem Post: "Hoffentlich kommt sie nie in so eine Lage. Ein Dank an alle Ersthelfer und RTW-Kräfte. Ohne euch wären wir aufgeschmissen. Leider wird einem das erst oft bewusst, wenn man betroffen ist." 

mh

Rubriklistenbild: © dpa

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