„Da ist kein Baum mehr da“

Passau: Schockierende Schäden an den Wäldern 

Bergeweise liegen umgeknickte Bäume entlang vieler Straßen im Landkreis Passau. Maisfelder sind völlig vernichtet, die Pflanzen liegen flach auf dem Boden. Etliche Häuser wurden abgedeckt.

Passau - Die Schäden, die der Sturm in der Nacht zum Samstag angerichtet hat, sind enorm. Zwei Menschen kamen bei Aufräumarbeiten ums Leben. Die Stadt Hauzenberg und die Gemeinde Thyrnau sind vom Unwetter besonders stark betroffen. 

Betreten der Wälder ist lebensgefährlich

Am Sonntag besuchten Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gemeinsam mit dem Passauer Landrat Franz Meyer (CSU) die Region. „Das Betreten von Waldstücken ist auf Wochen lebensgefährlich“, warnte Meyer.

Hunderte Helfer von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk waren am Wochenende im Einsatz, um Straßen freizuräumen. Einige Ortschaften waren zeitweise nicht mehr zu erreichen, weil umgeknickte Bäume die Fahrbahnen blockierten. Bauernhöfe mussten mit Stromaggregaten versorgt werden, weil wegen Stromausfalls die Melkmaschinen nicht mehr funktionierten.

„Wie sollen wir das nur schaffen?“

Tausende Festmeter Holz seien vernichtet, sagte Gudrun Donaubauer (parteilos), Bürgermeisterin von Hauzenberg. Die Frage, die sie von den Bürgern am Wochenende am häufigsten gehört habe, sei: „Wie sollen wir das nur schaffen?“ Sie appellierte an Landrat und Minister, den Betroffenen zügig zu helfen. „Die Holzpreise sind wegen des Käferbefalls schon unter Druck, und nun kommen weitere Unmengen Holz auf den Markt.“

Hans Koller ist Land- und Gastwirt aus Thyrnau. 20 Hektar Waldfläche habe der Sturm platt gemacht, berichtete er. „Da ist kein Baum mehr da.“ Den Schaden schätzt er auf einen hohen sechsstelligen Betrag. Besonders schlimm: Der Schaden wirke sich über Generationen aus. Denn bis neu gepflanzte Bäume groß genug zum Schlagen seien, dauere es mindestens 50 Jahre. Ihm fehle nun eines seiner beiden beruflichen Standbeine.

Wälder ließen sich nicht wie eine kaputte Straße oder ein Kanal reparieren, sagte auch Brunner. „Der Wald muss völlig neu begründet werden.“ Das landwirtschaftliche Bild in der Region werde sich über Generationen verändern. Die kaputten Bäume würden nun aufgeräumt. „In wenigen Wochen werden dies alles hier Kahlflächen sein.“

Landrat Meyer sprach von einem „schockierenden Schadensbild“. Im Landkreis Passau seien mehr als 400 Quadratmeter Wald kaputt. Meyer bat die Bürger eindringlich darum, nicht in die Wälder zu gehen. Er fürchtet Katastrophentourismus. „Es ist wirklich lebensgefährlich.“

In Pocking starb ein Dachdecker, der bei Aufräumarbeiten abgestürzt war. Auslöser des Sturzes seien gesundheitliche Probleme des 68 Jahre alten Mannes gewesen, teilte das Landratsamt Passau am Sonntag mit. In Hauzenberg starb ein 94 Jahre alter Mann im Zuge des Unwetters.

Minister Brunner sagte den Betroffenen Unterstützung zu. Im Kabinett solle über steuerliche und finanzielle Hilfen beraten werden. „Wir werden Landwirte, Hausbesitzer und Kommunen nicht im Stich lassen.“

Landkreis Passau größtenteils wieder mit Strom versorgt

Nach dem schweren Unwetter in Niederbayern am Wochenende sind die meisten Ortschaften im Landkreis Passau wieder mit Strom versorgt. Nur mehr kleine Weiler oder Gehöfte seien noch ohne Strom, teilte die Polizei am Montagmorgen mit. Im Laufe des Tages sollte auch hier die Versorgung wieder hergestellt sein. Bauernhöfe mussten zuvor mit Stromaggregaten versorgt werden, weil die Melkmaschinen wegen des Ausfalls nicht funktionierten.

Bleibt der Katastrophenalarm in Passau bestehen?

Der am Samstag ausgerufene Katastrophenalarm wurde vorerst aufrechterhalten. Ein Polizeisprecher ging am Montagmorgen davon aus, dass er im Laufe des Tages aufgehoben werde.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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