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Wegen Körperverletzung

Gericht verurteilt Boateng: Weltmeister muss 1,2 Millionen Euro Geldstrafe zahlen

Jerome Boateng
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Der Fußball-Profi Jerome Boateng steht vor Gericht.

München - Das Gericht hat im Körperverletzungsprozess gegen Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng die Beweisaufnahme geschlossen und den Weltmeister von 2014 verurteilt. Die Staatsanwaltschaft begann am späten Mittwochnachmittag ihr Plädoyer. Danach waren noch Nebenklage und Verteidigung dran - am späten Abend sprach das Landgericht München dann noch ein Urteil.

Update, 19.25 Uhr - Gericht verurteilt Boateng wegen Körperverletzung

Das Landgericht München I hat Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng am Mittwoch in seinem Berufungsprozess wegen Körperverletzung verurteilt. Es verhängte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 10.000 Euro - sprich: 1,2 Millionen Euro. Verurteilt wurde Boateng nun in zwei Fällen wegen Körperverletzung, in erster Instanz nur einem Fall.

Update, 18.10 Uhr - Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafe für Boateng

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren für Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng. Er sei wegen gefährlicher Körperverletzung, vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung zu verurteilen, verlangte Staatsanwältin Stefanie Eckert am Mittwoch vor dem Landgericht München I. Diese Freiheitsstrafe könne zur Bewährung ausgesetzt werden, die Bewährungszeit solle auf drei Jahre festgesetzt werden.

Darüber hinaus forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldauflage von 1,5 Millionen Euro, die unter anderem Opfer- und Frauenhilfsorganisationen zu Gute kommen sollten. Die Nebenklage schloss sich den Forderungen an und sprach von einem „David-gegen-Goliath-Kampf“, den ihre Mandantin gegen ihren berühmten Ex-Freund führen müsse.

Der 34 Jahre alte Abwehrspieler ist angeklagt, weil er 2018 seine damalige Partnerin, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt, in einem Karibik-Urlaub beleidigt, geschlagen und verletzt haben soll.

Der Vorfall sei wohl „nur die Spitze des Eisberges“, sagte Eckert und sprach von einer von Gewalt geprägten Beziehung zwischen Boateng und seiner Ex-Partnerin.

Eckert kritisierte auch die Verteidigung des Fußballers. Seine Anwälte hätten im Verfahren „Dreck über die Geschädigte geworfen“, sagte die Staatsanwältin. Die Mutter seiner Kinder „so durch den Dreck zu ziehen“, sei aus ihrer Sicht „kein zulässiges Verteidigungsverhalten mehr“ und müsse bei einer Strafzumessung für Boateng berücksichtigt werden.

Das Amtsgericht München hatte Boateng im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe von 1,8 Millionen Euro verurteilt. Weil alle Prozessbeteiligte Rechtsmittel gegen dieses Urteil einlegten, startete im Oktober der Berufungsprozess.

Nach dem Schlussvortrag der Anklage waren noch Nebenklage und Verteidigung dran, bevor das Landgericht München I ein Urteil sprechen konnte. Boatengs Verteidiger betonten vor den Plädoyers, dass sich die finanziellen Verhältnisse ihres Mandanten geändert hätten.

Werbepartner hätten Verträge mit Boateng - zum Beispiel für Brillenwerbung - gekündigt. Darum habe er derzeit nur das Einkommen von Olympique Lyon, wo er unter Vertrag steht. Das seien etwas mehr als 240.000 Euro netto im Monat, davon gingen aber noch Unterhaltskosten für seine drei Kinder ab. Allein für die elfjährigen Zwillingstöchter Boatengs berechneten die Anwälte Unterhaltskosten von 5000 Euro im Monat - pro Kind.

Vorbericht:

Der Vorsitzende Richter Andreas Forstner sagte, dass er plane, das Verfahren wegen des Vorwurfs der Körperverletzung „heute zu Ende zu bringen.“

Der Richter riet der Verteidigung, dass Verfahren nicht künstlich mit zahlreichen Beweisanträgen in die Länge zu ziehen. Die Staatsanwaltschaft warf Boatengs Anwälten vor, nur „schmutzige Wäsche waschen“ zu wollen.

Jérôme Boateng vor Gericht

Ex-FC-Bayern-Spieler Boateng ist angeklagt, weil er 2018 seine ehemalige Partnerin beim gemeinsamen Karibik-Urlaub beleidigt, geschlagen und verletzt haben soll. Das Amtsgericht München hatte ihn im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe von 1,8 Millionen Euro verurteilt. Weil alle Prozessbeteiligten Rechtsmittel gegen dieses Urteil einlegten, startete im Oktober der Berufungsprozess.

Das Angebot des Landgerichts München I, die Berufung in der Sache zurückzunehmen und nur noch über das Strafmaß zu verhandeln, hatte Boateng, der die Vorwürfe bestreitet, sich vor Gericht dieses Mal aber nicht selbst äußerte, zweimal ausdrücklich abgelehnt. Das Gericht hatte ursprünglich nur zwei Verhandlungstage angesetzt, Mittwoch war bereits der dritte Tag im Prozess.

Ermittlungen gegen Jérôme Boatengs Sicherheitsdienst

Außerdem führte die Staatsanwaltschaft München I in einer großangelegten Razzia Objekte der Sicherheitsfirma durchsucht, die Jérôme Boateng zu seinem Schutz bei Gericht engagiert hatte. Auch der Kleintransporter, mit dem Boateng zu seinem Prozess gefahren worden war, wurde am Mittwoch vor dem Gerichtsgebäude durchsucht, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Anne Leiding, mitteilte.

Die Ermittlungen richten sich nicht gegen Boateng, betonte sie, sondern gegen vier Mitarbeiter des von ihm beauftragten Security-Dienstes. Neben dem Wagen vor dem Münchner Gericht seien außerdem weitere Objekte in Hamburg, Niedersachsen und Brandenburg durchsucht worden. Dabei seien auch die Gegenstände, nach denen die Staatsanwaltschaft suchte, sichergestellt worden.

Der Chef der Sicherheitsfirma wurde nach Angaben Leidings befragt. Die Firma sei von nun an auch nicht mehr für den Schutz von Boateng vor Gericht zuständig, das sei nun Sache der Justizwachtmeister.

Vorfall vor zwei Wochen

Hintergrund der Ermittlungen ist ein Zwischenfall mit dem Sicherheitsdienst am zweiten Prozesstag vor knapp zwei Wochen. Eine Zeugin hatte in dem Verfahren angegeben, sie sei beim Hineingehen ins Gerichtsgebäude gefilmt worden und fühle sich bedroht. Justizbeamte stellten daraufhin die Personalien der Personen fest, die mutmaßlich an dem Vorfall beteiligt waren.

Die Frau, die vor Gericht angab, gesehen zu haben, wie Boateng seine frühere Freundin in einem Karibik-Urlaub attackiert, geschlagen und übel beleidigt habe, war im Zeugenstand in Tränen ausgebrochen. „Da hat man einfach Angst“, sagte sie, „dass man bedroht wird oder seine Familie bedroht wird“.

Sicherheitsdienst soll „das Umfeld eruiert“ haben

Die Anwälte des Fußballprofis betonten nach der Feststellung der Personalien damals, dass der Sicherheitsdienst, der Herrn Boateng zum Prozessauftakt am Vortag auch schon betreut habe, lediglich „das Umfeld eruiert“ habe, um „die Sicherheitslage Boatengs“ bewerten zu können. Es habe sich um eine reine „Objektabklärung“ gehandelt, und die Zeugin sei nicht gezielt und auch nur von hinten gefilmt worden.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen des Verdachtes der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen ein. Daran seien auch der Zoll und die Gewerbeaufsicht beteiligt und dieses sei völlig unabhängig von dem Körperverletzungsverfahren gegen Boateng, sagte Leiding. Allerdings betonte sie auch, dass kein Zeuge Angst haben dürfe, vor Gericht auszusagen.

fgr/dpa

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