"USA setzen auf Zusammenarbeit"

Will die Verbindungen zwischen Bayern und den USA weiter stärken: Conrad Tribble, oberster US-Vertreter im Freistaat. Fotos nathen

Rosenheim - Er ist das Gesicht Amerikas in Bayern: US-Generalkonsul Conrad Tribble, höchster Vertreter der Vereinigten Staaten im Freistaat, will die Menschen in Bayern und den USA zusammenbringen.

Der Diplomat, der fließend Deutsch spricht, hat dabei nicht nur wirtschaftliche Verbindungen im Auge. Die Förderung des Austausches von Schülern und Studenten liegt ihm besonders am Herzen: "Die deutsch-amerikanische Freundschaft hat eine 60-jährige Tradition. Die Grundlage dafür sind die menschlichen Beziehungen und Freundschaften, die dabei entstanden sind."

Der 47-jährige Diplomat, der privat gerne singt und als bekennender Rockfan auch mal zur E-Gitarre greift, hat eine bewegte Karriere im US-Außenministerium hinter sich, die ihn unter anderem nach Chile, Haiti und Bagdad führte. München stellt dabei aber keinen Bruch dar, denn seit er 1979 als Austauschschüler zum ersten Mal in die Bundesrepublik kam, führten ihn seine Stationen immer wieder nach Deutschland.

In Rosenheim war Tribble nun zum ersten Mal. Anlass war ein Treffen mit Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und ein Besuch der Indianer-Ausstellung im Lokschuppen. "Ich freue mich, dass so viele junge Leute in Bayern eine Ausstellung besuchen, die sich auf so hohem Niveau mit dem Thema beschäftigt."

Ihn fasziniert schon seit seinem ersten Besuch in Deutschland als Schüler die Indianer-Begeisterung hierzulande. In den USA sei die Geschichte der Ureinwohner kein großes Thema. "Das ist ein Teil unserer Geschichte, in dem wir uns nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert haben", bringt Tribble freimütig die Haltung der meisten US-Bürger auf den Punkt. Wichtiger als der Blick zurück in die Vergangenheit ist es seiner Überzeugung nach, denjenigen Gruppen, die noch heute aus der Geschichte heraus leiden und Probleme haben, zu helfen.

Bei der Lösung der aktuellen wirtschaftlichen Probleme plädiert Tribble für Zusammenarbeit, denn auch die USA können sich der Schuldenkrise in Griechenland und den Verwerfungen im Euro-Raum nicht entziehen: "Unsere Wirtschaften sind vernetzt, das Geschehen in Europa und den USA hat gegenseitige Auswirkungen." Deshalb sei internationales Engagement für die USA weiterhin von großer Bedeutung. "Es ist doch völlig legitim, wenn jeder seine eigenen Interessen verfolgt. Die Frage ist: Wie verfolgt man diese Interessen?" Dies könne auch im Einklang mit Partnern geschehen.

Eine neue Entwicklung hin zum Isolationismus und zur bloßen Konzentration auf die eigenen Interessen kann Tribble in den USA nicht erkennen - trotz des Erstarkens der Tea-Party-Bewegung. Er bestätigte allerdings, dass es in den USA einen Trend gibt, die eigenen Probleme energischer anzupacken: "Die Erkenntnis, dass wir zuhause aufräumen müssen, etwa in Sachen Infrastruktur und Verkehr, scheinen im Augenblick viele Amerikaner zu teilen."

Die Probleme im Irak kennt Tribble aus erster Hand. Ein Jahr lang leitete er in Bagdad ein Aufbauprojekt. "Natürlich ist der Irak keine völlig demokratische Gesellschaft. Das wird noch dauern." Doch nun sei der richtige Zeitpunkt für den Rückzug der US-Truppen gekommen. "Ich bin zuversichtlich, dass das nötige Maß an Stabilität erreicht wurde. Und zivil bleiben wir weiter engagiert."

In Afghanistan sieht Tribble die US-Politik ebenfalls auf dem richtigen Weg. "Wir versuchen langsam, die Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte zu übergeben." Doch dazu müsse noch viel für die Ausbildung von Polizei und Militär getan werden, um ein gewisses Maß an Stabilität zu erreichen. "Sicher ist aber auch: Afghanistan wird in drei Jahren, wenn der Abzug abgeschlossen sein soll, keine Demokratie sein."

Diplomatisch gab sich Tribble in Sachen deutscher Atomausstieg. "Dazu haben wir keine Position. Wir nehmen das zur Kenntnis", so Tribble. Doch natürlich habe man beobachtet, dass es nach Fukushima sonst nirgendwo einen derartigen Ausstiegsbeschluss gegeben hat. Für die USA ist die Kernkraft weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Stromversorgung, auch wenn langfristig ein Umstieg in erneuerbare Energien erfolgen müsse, gab sich Tribble überzeugt. Gerade hier sieht er gute Kooperationsmöglichkeiten zwischen Bayern und den USA. "Für Solar- und Windkraft gibt es in den USA ein riesiges Marktpotenzial."

Welche Rolle das Medium Zeitung heute im Alltag der US-Bürger spielt, wollte die Redaktion von ihrem Gast wissen. "Viele Amerikaner haben heute kein Zeitungsabo mehr. Die meisten informieren sich über Fernsehen und Internet." Tribble verfolgt mit großem Interesse die Versuche der US-Medienkonzerne, Finanzierungsmodelle für das Internet zu entwickeln. "Wir sind gerade in der Versuchsphase. Noch ist es zu früh, um das zu beurteilen." Er bedauerte den Niedergang der amerikanischen Zeitungen, wo die Verlage drastisch an Auflage verlieren - im Gegensatz zu Deutschland mit seiner breitgefächerten und tief verwurzelten Zeitungslandschaft. Trotz eigenem Facebook-Auftritt und Smartphone bezeichnete er sich als "leidenschaftlicher Zeitungsleser", den Zeitungen sein Leben lang begleitet haben: "Als Schüler war ich ein Paperboy und habe morgens vom Fahrrad aus die Zeitungen vor die Haustüren geworfen."

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