Urteil: Nachträgliche Sicherungsverwahrung

Vanessas Mörder bleibt eingesperrt

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Mit der Totenkopfmaske soll Michael W., am 11.02.2002 die zwölfjährige Vanessa in ihrem Kinderzimmer erschreckt und anschließend mit dem Messer erstochen haben.

Augsburg - Der Augsburger Vanessa-Prozess ist nach knapp neun Monaten zu Ende. Der Täter bleibt eingesperrt, lautet das Urteil zur nachträglichen Sicherungsverwahrung. Die Verteidigung will das nicht hinnehmen.

Der Mörder der zwölfjährigen Vanessa kommt nicht frei. Die Jugendkammer des Augsburger Landgerichts ordnete am Donnerstag nachträgliche Sicherungsverwahrung für den heute 30 Jahre alten Täter an und gab damit dem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt. Bei dem Mann bestehe weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit schwerster Gewalt- oder Sexualdelikte, sagte der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch in der mündlichen Urteilsbegründung. Der Verurteilte habe Gutachten zufolge große emotionale und soziale Defizite. Er fühle sich fremd in der realen Welt und ziehe sich daher in eine Fantasiewelt zurück.

Verkleidet mit einer Totenkopfmaske hatte der Täter 2002 in Gersthofen bei Augsburg die zwölfjährige Vanessa in deren Kinderzimmer erstochen, das Motiv ist bis heute unklar. Die Jugendhöchststrafe von zehn Jahren Haft hat er bereits verbüßt.

Der Prozess zur Sicherungsverwahrung hatte sich über knapp neun Monate hingezogen. Die Entscheidung der Richter wurde dadurch erschwert, dass der Täter nur mit einem Gutachter hatte sprechen wollen. Anderen Sachverständigen gegenüber verweigerte er sich. Die Kammer ließ ihre Kritik daran deutlich durchblicken. Der Täter habe das Recht dazu, sagte Richter Hoesch, obwohl es „politisch fragwürdig“ sein möge, ihm solche weitgehenden Rechte zuzubilligen, wenn es um eine so wichtige Prognose gehe. Auch habe der Verurteilte seine Ärzte nicht umfassend von der Schweigepflicht entbunden.

Urteil ist noch nicht rechtskräftig

In etwa fünf Jahren könne der Täter möglicherweise entlassen und unter Führungsaufsicht gestellt werden - wenn er an der Therapie engagiert mitwirke, sagte Hoesch. Die Voraussetzungen für die nachträgliche Sicherungsverwahrung sind äußerst streng. „Diesen hohen Anforderungen musste die Durchführung der Hauptverhandlung gerecht werden“, betonte der Vorsitzende Richter, der gute anderthalb Stunden lang die Urteilsbegründung verlas. Bis Mitte kommenden Jahres muss der Gesetzgeber die Sicherungsverwahrung neu regeln.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Anwalt Adam Ahmed kündigte an, umgehend Revision einzulegen. Er hatte sich dafür eingesetzt, dass der Täter freikommt. Allerdings habe das Urteil weder ihn noch den Täter überrascht, sagte er.

Vanessas Mutter äußerte sich im Anschluss an die Verhandlung hingegen erstaunt über die Entscheidung der Richter: „Ich hab's so nicht erwartet.“ Sie sei über den Ausgang sehr froh, da der Täter auf diese Weise eine intensive Therapie machen könne. „Ich bewundere den Mut der Richter zu diesem Urteil, weil die Gesetzeslage sehr schwierig ist.“

Die Justiz und der Fall Vanessa

Seit knapp neun Monaten lief der Vanessa-Prozess in Augsburg - die Chronologie des Falles:

Februar 2002: Der damals 19-Jährige ersticht Vanessa.

Februar 2003: Er wird zur Jugendhöchststrafe von zehn Jahren Haft verurteilt.

Januar 2012: Staatsanwaltschaft Augsburg beantragt nachträgliche Sicherungsverwahrung; Landgericht erlässt sogenannten Unterbringungsbefehl gegen den Mann.

Februar 2012: Zehnjährige Jugendhaftstrafe ist unter Anrechnung der Untersuchungshaft verbüßt; Prozessbeginn vor dem Augsburger Landgericht wegen Sicherungsverwahrung

Juni 2012: Gutachter Helmut Kury spricht sich dafür aus, den Täter unter strengen Bedingungen freizulassen. Er hatte als einziger mit ihm gesprochen.

Juli 2012: Jugendkammer entbindet Gutachter Pantelis Adorf wegen fachlicher Mängel von seiner Aufgabe. Es bleiben zwei Gutachter.

November 2012: Staatsanwalt plädiert auf Anordnung der nachträglichen Sicherungsverwahrung. Verteidigung hält dies für Willkür ohne Rechtsgrundlage.

15.11.2011: Das Gericht verhängt die nachträgliche Sicherungsverwahrung.

Was bedeutet eigentlich Sicherungsverwahrung?

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