Eine "Leberkassemmel in Altötting" und Wirtshäuser in Kolbermoor

Ferien, Maut, "der Rechtsweg": So lustig war die Fastnacht in Franken

Veitshöchheim - Sommerferien, Mautpleite, Brexit-Chaos - nur "der Rechtsweg" der AfD bleibt ausgeschlossen: Bei der Kult-Sendung "Fastnacht in Franken" sahnte der Bayerische Rundfunk nicht nur wieder eine Top-Quote ab, sondern es bekamen zahlreiche Spitzenpolitiker auch wieder ihr Fett weg.

Bei der 33. Auflage der BR-Sendung schalteten diesmal bundesweit 3,81 Millionen Menschen den Fernseher ein und sahen, wie Musikkabarettist Matthias Walz Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als "großen Traditionsbewahrer" in Bayern auf die Schippe nahm, weil Söder die bayerischen Schulferienzeiten mit dem Biorhythmus der Bewohner des Freistaats als naturgegeben gegen die anderen Bundesländer verteidigt habe.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bekam wegen des Maut-Desasters sein Fett weg: "Ich hab' 500 Millionen verbrannt, ist doch egal", lässt er ihn als fiktive Bühnenfigur singen. "Was ist schon Geld? Qualität ist einfach teuer - ich bin der Andi Scheuer." Zum Schluss konstatierte Walz, dass man "Frohsinn und Feiern in Franken nicht vergessen" dürfe und sang (nicht ganz ernstgemeint) in einem umgedichteten Schlager, dass es unter anderem auch in Kolbermoor schöne Wirtshäuser gäbe, die er alle kenne...


Weber und Scheuer bekommen Fett weg

Kabarettist Michl Müller war als Schnapsbrenner aus der Rhön zu erleben und zog heftig über die Europawahl im Vorjahr her. Dass die Briten trotz Brexits bei der Europawahl mitgewählt haben, war für ihn unbegreiflich: "Das ist, wie wenn Du Frolic kaufst und Du hast keinen Hund." Statt der Spitzenkandidaten Frans Timmermans und Manfred Weber (CSU) sei dann plötzlich Ursula von der Leyen Kommissionspräsidentin geworden. "Der Thermomix der Bundesregierung", meinte Müller. Denn von der Leyen sei in der Bundesregierung "schon alles gewesen: Familienministerin, Arbeitsministerin und Verteidigungsministerin". 


Weber lächelte übrigens ziemlich gequält, zumal die traditionelle "Altneihauser Feierwehrkapell'n" aus Oberpfalz heuer gar nicht so sehr gegen die fränkischen Gastgeber los lederte, sondern vielmehr ebenfalls auf den CSU-Politiker losging. So reimt Kommandant Norbert Neugirg: "Der arme Weber war von der Leyens Treppenlift, ihr Fußschemel, ihr Wagenheber."

Eine "Leberkassemmel in Altötting"

Der zum 29. Mal auftretende Büttenredner Peter Kuhn erklärte als britischer Gentleman reimend und scharfzüngig das Weltgeschehen. Er nahm vor allem die Sozialdemokraten auf die Schippe: "Die SPD hat mehr Vorsitzende auf die Matte gelegt als Heinrich der Achte Frauen hatte."

Außerdem traten die Fürther Komödianten Volker Heißmann und Martin Rassau wieder in ihrer Paraderolle als die Witwen "Waltraud und Mariechen" auf. Sie verteilten an die versammelte Politprominenz Lotterielose. Nur der Vertreter der AfD erhielt keines, "weil der Rechtsweg ausgeschlossen ist", meinte "Waltraud". Außerdem sorgte das Duo für die Überraschungsgäste des Abends: Es spielte Papst Franziskus und seinen emeritierten Vorgänger Benedikt XVI auf Heimatbesuch in Bayern. Doch Benedikt wollte nicht in die "fränkische Diaspora", sondern eine "Leberkassemmel" in Altötting essen.

mw/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

Kommentare