Feuert Veolia die Bahn-Mitarbeiter?

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Rosenheim/München - Viele Bahn-Mitarbeiter in der Region fürchten um ihren Arbeitsplatz. Aber fallen wirklich so viele Jobs weg, wenn Veolia kommt? Wir haben einen Gewerkschafter gefragt:

Isidoro Peronace von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft München.

Allein beim DB-Regio-Stützpunkt Freilassing sollen nach Medienberichten an die 100 Arbeitsplätze gestrichen werden. Und auch in Rosenheim sollen rund 100 Mitarbeiter von den Entlassungen betroffen sein. Aber werden wirklich so viele Arbeitsplätze gestrichen, wenn der französische Anbieter Veolia die Strecke München-Salzburg übernimmt? Und wie steht es mit den Gehältern? Wird Veolia weniger zahlen als die DB-Regio bislang? Rosenheim24 hat mit Isidoro Peronace von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft München gesprochen. Er ist für das Thema Privatbahn und Fernverkehr in Bayern zuständig.

Es kursiert das Gerücht, dass 200 Arbeitsplätze wegfallen sollen, wenn das französische Unternehmen Veolia die Bahnstrecke München-Salzburg im Dezember 2013 übernimmt. Entspricht das der Wahrheit?

Isidoro Peronace: "Wenn man genau ist, stimmt das. Denn die Mitarbeiter werden ja nach dem Wechsel nicht mehr bei der Deutschen Bahn beschäftigt sein, sondern bei Veolia. Genauer gesagt, bei der Bayerischen Oberland Bahn, die zum Unternehmen Veolia gehört."

Aber sind denn nun Arbeitsplätze in der Region gefährdet, oder nicht?

"Die Bayerische Oberland Bahn plant derzeit mit rund 160 Mitarbeitern für die Strecke München-Salzburg. Die Bahn beschäftigt auf der gleichen Strecke zur Zeit circa 200 Mitarbeiter. Daher würden schon ein paar Stellen wegfallen. Allerdings hat Heino Seeger, Geschäftsführer der BOB, in den Verhandlungsgesprächen gemeint, dass er alle Mitarbeiter übernehmen wird. Und das auch ohne Gehaltseinbußen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen fallen aber bei einer Übernahme immer ein paar Stellen weg."

Und was passiert mit den Mitarbeitern, die einen Beamtenstatus haben und nicht entlassen werden können?

"Veolia wollte alle Beamten übernehmen. Aber der Staat hat dazu nein gesagt. Sie müssen sich also in Richtung München oder einer anderen Großstadt bewerben. Denn in dieser Region gibt es sonst ja keine anderen Möglichkeiten."

Hat die Nachricht mit der Übernahme für viel Verunsicherung unter den Mitarbeitern gesorgt?

"Günther Leckel vom Betriebsrat Regio Oberbayern, hat mich kurz nach der bestätigten Übernahme angerufen und gemeint, dass sein Telefon rund um die Uhr klingeln würde. Viele Mitarbeiter waren verunsichert, gerade weil es die Zeit vor Weihnachten war. Deshalb haben wir die Angestellten informiert und ihnen versichert, dass wir sie unterbringen werden und dass sie auch keine Gehaltskürzungen befürchten müssen."

Veolia hat die Ausschreibung für die Bahnstrecke gewonnen, bevor der Branchen–Tarifvertrag für alle Mitarbeiter im Personen-Nahverkehr abgeschlossen wurde. Damit muss sich die Firma auch nicht an den Vertrag halten. Befürchten Sie dadurch Lohndumping?

"Aus meiner persönlichen Sicht erwarte ich keine Gehaltseinbußen nach der Übernahme. Die Lohnzahlungen der BOB bewegen sich derzeit auch auf dem gleichen Niveau, wie es der Branchen-Tarifvertrag vorschreibt. Außerdem will das Unternehmen auch den Tarifvertrag unterschreiben. Daher bin ich sicher, dass sich die Gehälter nicht sonderlich ändern werden."

Interview Patrick Steinke

Aus dem Video-Archiv:

Video-Interview mit Heino Seeger:

Stimmen zur Vergabe an Veolia:

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