Mädchen (2) aus Altötting verstorben

EHEC-Erreger: Wie hoch ist die Dunkelziffer in der Region?

Altötting/Landkreis - Anfang Juni ist ein kleines Mädchen (2) aus Altötting an einem EHEC-Erreger verstorben. Die Statistik zeigt: Insbesondere in Oberbayern erkranken überdurchschnittliche viele Menschen an dem tödlichen Darmkeim. Woran liegt das? 

EHEC - kein Einzelfall

Nachdem am 1. Juni ein zweijähriges Mädchen aus Altötting nach einer EHEC-Infektion auf tragische Weise ums Leben kam, ist die Angst vor dem tödlichen Virus wieder sehr groß. "Uns hat dieser Bericht sehr betroffen, da unser Sohn (2) seit 1. Mai ebenfalls an EHEC erkrankt ist und wir derzeit in Erlangen auf der Intensivstation in Behandlung sind. Es hat uns erstaunt dass innerhalb eines Monats mehrere Kinder in näherer Umgebung erkrankt sind", schreibt uns ein Familienvater aus dem Landkreis Landshut.

Das Bakterium "enterohämorrhagische Escherichia coli" (kurz EHEC) kommt im Darm von Wiederkäuern vor, ohne dass die Tiere daran erkranken. Beim Menschen verursachen die Keime jedoch eine lebensgefährliche Darmentzündung.

Aber wie hoch ist die aktuelle Gefahr einer Erkrankung an dem Erregers in Bayern tatsächlich? Gibt es regionale Zusammenhänge und was sind die Risikogruppen?

Die Epidemie 2011

Vor sechs Jahren kam es zu einer der größten Epidemien, die Deutschland je erlebt hat und verbreitete Angst und Schrecken. Über 3800 Menschen waren allein in diesem Jahr an dem Darmkeim erkrankt, 53 Menschen starben. Im Jahr 2011 erkrankten in Bayern 464 Menschen, davon fast die Hälfte in Oberbayern.

Seit 2001 ist die Krankheit meldepflichtig, da aber nicht jede Infektion mit einem EHEC-Erreger zu einer Erkrankung führen, beziehungsweise nur leichte Symptome auftreten, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Vielzahl an nicht erfassten Fällen gibt.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

3 Todesfälle in Oberbayern

Im bayernweiten Vergleich ist die Ausbreitung des Erregers in Oberbayern besonders hoch. Seit der Epidemie 2011 kommen knapp die Hälfte der Erkrankten in Bayern aus Oberbayern. Mit dem tragischen Todesfall in der vergangenen Woche, sind bereits drei Menschen aus Oberbayern an einer EHEC-Infektion gestorben.

In Klammern sind die beiden an einer EHEC- Infektion ursächlich verstorbenen Fälle angeben. Die Anzahl der berichteten EHEC-Infektionen beinhaltet nicht die gemeldeten HUS-Fälle.

Höhere Ansteckungsgefahr auf dem Land? 

Der Virus wird hauptsächlich über Rinder und kleine Wiederkäuern wie Ziegen oder Schafe und immer über den fäkal-oralen Kontakt übertragen, also wenn der Kot eines Tieres in den Mund eines Menschen gelangt. Ist die Ansteckungsgefahr auf dem Land daher größer?

"Das wichtigste Reservoir für EHEC sind Wiederkäuer, vor allem Rinder und kleine Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen. Daher ist der Kontakt zu diesen Tieren auch mit einem höheren Risiko verbunden.", teilte eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums gegenüber rosenheim24. Dies würde die überdurchschnittliche hohe Verbreitung des Erregers in Oberbayern erklären, da die meisten Rinder-, Schaf- und Ziegenbetriebe in Oberbayern zu finden sind.

Die Übertragung ist aber auch altersbedingt. "Für Kinder unter drei Jahren stellte sich heraus, dass der direkte Kontakt zu einem Wiederkäuer (Rind, Schaf oder Ziege) das höchste Erkrankungsrisiko barg. Weitere Risikofaktoren sind der Konsum von Rohmilch und das Vorkommen von Durchfall bei Familienmitgliedern.", so die Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums. 

"Es gibt eine Vielzahl von Übertragungswegen, deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Landbevölkerung aufgrund der Nähe zu Wiederkäuern ein höheres Erkrankungsrisiko als die übrige Bevölkerung hat. Nicht jeder, der auf dem Land lebt, hat auch direkten Kontakt zu Wiederkäuern. Klar ist: Bei direktem Kontakt zu Wiederkäuern besteht ein höheres Infektionsrisiko, zusätzlich müssen aber auch individuelle Lebens- und Ernährungsfaktoren berücksichtigt werden, die bei einer EHEC-Übertragung ebenfalls eine Rolle spielen. "

Die größten Risikogruppen sind also Kleinkinder und Menschen, die in direktem Kontakt zu Wiederkäuern stehen, also beispielsweise Landwirte. Wie Sie sich vor einer Infektion schützen können, lesen Sie hier. 

JT/Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © dpa/PicMonkey

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