Versteigerung in Münchner Aktionshaus

Startgebot 75.000 Euro: "Hitlermühle" kommt unter den Hammer

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Ein seltenes Chiffriergerät aus dem Zweiten Weltkrieg: das sogenannte Schlüsselgerät 41, steht in München Ende Mai zur Versteigerung.
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München - Ein seltenes Chiffriergerät aus dem Zweiten Weltkrieg wird Ende Mai in München versteigert. Zu einem Startpreis von 75.000 Euro kommt es unter den Hammer.

So selten, dass sich selbst das größte Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt, das Deutsche Museum in München, erst vor kurzem höchst erfreut darüber zeigte, ein Bodenfund-Exemplar, stark korridiert und nicht funktionsfähig, in seine Bestände aufnehmen zu können, ist der Aufruf des Schlüsselgeräts 41 einer der Höhepunkte der vom 20. bis 24. Mai stattfindenden Frühjahrsauktion des Hauses. Weltweit existiert nur mehr eine Handvoll funktionsfähiger Maschinen, die wegen ihres Kurbelantriebs auch ‚Hitler-Mühle‘ genannte wurden. Mit der Losnummer 4401 kommt ein bestens erhaltenes Exemplar am 24. Mai zum Startpreis von 75.000 Euro unter den Hammer.

Das unterscheidet die "Hitlermühle" von der "Enigma"

Wer weiß, führt, und wer früh mehr weiß, gewinnt. Dieser Prämisse folgend, hatte der englische Geheimdienst die herausragendsten Analytiker seines Landes, Menschen unterschiedlichster Profession, in Bletchley Park konzentriert, um die Entschlüsselung der feindlichen Chiffriergeräte voranzutreiben. Während sich die Wehrmachtsführung, mit Ausnahme weniger Mahner, noch in der Sicherheit wog, die legendäre Schlüsselmaschine „Enigma“ sei unknackbar, hatten die englischen Krypto-Experten um den Mathematiker Alan Turing deren Funktionsweise schon im Frühjahr 1940 grundsätzlich entschlüsselt und konnten chiffrierte Meldungen ab 1941 im Handumdrehen in Klartext verwandeln.

Erst um diese Zeit erhielten die Wanderer Werke in Chemnitz den Auftrag zur Entwicklung einer neuen, verbesserten Maschine. Unter maßgeblicher Mitarbeit des Kryptologen Fritz Menzer (1908 – 2005) wurde nun das rein mechanische Schlüsselgerät 41 in Orientierung an dem vom schwedischen Kryptologen Boris Hagelin (1882 – 1983) entwickelten Grundprinzip mit starken Modifikationen konstruiert. Der Name des Gerätes resultierte aus dem Jahr des Entwicklungsbeginns. Anders als die „Enigma“ ohne Buchstabenlampen, aber dafür mit zwei Papierstreifen arbeitend, musste für einen Chiffriervorgang die Trommel mit der beiliegenden Kurbel um 360 Grad gedreht werden. Damit wurden sechs statt bisher drei Schlüsselräder unterschiedlicher Größe höchst unregelmäßig weiter-, manchmal sogar rückwärts bewegt. 

Mit über 13 Kilo zu schwer für Fronteinsatz

Darüber hinaus beeinflusste die jeweilige Position eines Rades die Bewegung der anderen. Der Empfänger musste die Ausgangsposition der Räder identisch einstellen und den chiffrierten Text eingeben. Die Ausgabe erfolgte parallel auf zwei Papierstreifen, Klartext und verschlüsselter Text. Von den 11.000 bestellten Geräten wurden ab Oktober 1944 lediglich rund 500 an die Abwehr, den militärischen Nachrichtendienst, und etwa 1.000 an den Wetterdienst ausgeliefert. Letzterer erhielt allerdings die Version SG-41Z, die anstatt der Buchstabentasten lediglich über Zifferntasten verfügte. Mit über 13 Kilogramm wurde das SG-41 als zu schwer für den Fronteinsatz klassifiziert.

Selbst die Experten in England scheiterten bis zum Kriegsende an der Rekonstruktion und somit der Entschlüsselung des SG-41. Respektvoll wurde das Schlüsselgerät daher von den Alliierten als „remarkable machine“ bezeichnet. Und noch heute wird vielfach diskutiert, um wieviele Jahre der frühzeitige Einsatz der neuen Chiffriertechnik den 2. Weltkrieg wohl verlängert, dessen Ausgang aber wohl kaum verändert hätte.

Hobbyschatzsucher fanden "Hitlermühle" in Waldboden bei Aying

Seit August 2017 besitzt das Deutsche Museum in München ein Schlüsselgerät 41, das wegen einer Kurbel an der Seite auch "Hitler-Mühle" genannt wurde. Hobby-Schatzsucher Max Schöps und Volker Schranner hatten es wenige Monate zuvor in einem Waldstück bei Aying aufgespürt.

Dieses Schlüsselgerät 41 fanden Schatzsucher im Waldboden von Aying

 

Als Leihgabe stellten es die Finder dem Deutschen Museum in München zur Verfügung. Doch dann entbrannte ein Streit um die Besitzrechte der Chiffriermaschine. Vor Gericht konnten sich die Parteien schließlich einigen. Das Verwaltungsgericht München beurteilte die Chiffriermaschine zwar als Bodendenkmal, die Maschine durfte jedoch weiterhin im Deutschen Museum ausgestellt werden. Das Urteil ist wegweisend für alle Hobbyschatzsucher. Laut Gericht müssen sich generell daran orientieren, dass alles, was jünger als 1945 ist, wahrscheinlich kein Denkmal darstelle. Nicht unter diesen Schutz fielen auch sogenannte "Massenfunde" wie Patronenhülsen - unabhängig von ihrem Alter.

mh/Pressemitteilung Hermann Historica

Anmerkung der Redaktion: Bei dem Chiffriergerät, dass am 24. Mai in dem Münchner Auktionshaus "Hermann Historica" unter den Hammer kommt, handelt es sich NICHT um das Gerät, dass 2017 im Waldboden bei Aying gefunden wurde. Wir bitten diese Verwechslung zu entschuldigen.

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